Stimme+
Hohenlohe
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Gelungene Architektur im Hohenlohekreis soll als Vorbild wirken

   | 
Lesezeit  4 Min
Erfolgreich kopiert!

Beim Wettbewerb „Beispielhaftes Bauen Hohenlohekreis 2016 bis 2022“ der Architektenkammer Baden-Württemberg sind von 30 eingereichten Arbeiten zehn ausgezeichnet worden.

Von Rainer Lang

Als Schirmherr fühlte sich Landrat Matthias Neth in einer „wunderbaren Rolle“. Schließlich gestaltet Architektur nach seiner Überzeugung einen Landkreis. Vor wenigen Wochen hat eine siebenköpfige Jury unter dem Vorsitz der Architektin Susanne Kletzin vom Landesvorstand der Architektenkammer 17 Objekte in die engere Wahl genommen und vor Ort besichtigt. „Das Auszeichnungsverfahren hat ein sehr gutes Bild von der Baukultur im Landkreis ergeben“, betonte Carmen Mundorff, die Geschäftsführerin der Architektenkammer Baden-Württemberg, bei der Bekanntgabe der Preisträger in Künzelsau.

Ziel des Verfahrens sei es, durch das gelungene Beispiel weitere Impulse für die positive Entwicklung der Baukultur zu geben, fügte die Geschäftsführerin der Architektenkammer hinzu. Dass dabei der Aspekt der Nachhaltigkeit immer wichtiger wird, bestätigte Landschaftsarchitekt Roland Steinbach, Vorsitzender der Kammergruppe Hohenlohekreis.

 

Die Preisverleihung folgt im Februar

Die Preisverleihung findet am 15. Februar in den Räumen der Sparkasse Hohenlohekreis in Künzelsau statt. Dabei erhalten die Ausgezeichneten Bronzeplaketten und Urkunden. Obwohl der Preis undotiert ist, sei er in der Architektenschaft sehr begehrt, betont Carmen Mundorff. Unter den ausgezeichneten Arbeiten zählen fünf und damit die meisten zur Wettbewerbskategorie „Bauen im Bestand“, danach folgen öffentliche Bauten mit vier Arbeiten sowie ein Industrie- und Gewerbebau. Am meisten beeindruckt zeigte sich die Jury von den zu Wohn- und Bürozwecken umgebauten Scheunen.       

Das sind die zehn Preisträger

Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell

Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell
Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell

Beim Um- und Neubau der Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell fand die Jury das Ineinandergreifen von pädagogischem und architektonischem Konzept beeindruckend. Unter Federführung von Christian Beck von der Wiechers-Beck-Gesellschaft von Architekten mbH in Berlin ist nicht nur eine überzeugend gestaltete Aula als Herz der Schule mit Computerarbeitsplätzen entstanden, sondern auch ein neues Willkommenshaus, das Teil der Sichtachse ist und sich somit in die klare Strukturierung des Gesamtgebäudes harmonisch einfügt.

Kindergarten in Holzbauweise in Künzelsau-Kocherstetten 

Kindergarten in Holzbauweise in Künzelsau-Kocherstetten
Kindergarten in Holzbauweise in Künzelsau-Kocherstetten

Der neue Kindergarten in Holzbauweise in Künzelsau-Kocherstetten fügt sich für die Juroren in seiner zurückhaltenden Gebäudestruktur angenehm in die dörfliche Umgebung mit dem angrenzenden historischen Schulbau ein. Die Mehrfachnutzung des Bewegungsraums im Untergeschoss haben die Architekten Erhard Demuth und Jochen Werner von ARS Architektur- und Stadtplanung in Künzelsau durch einen separaten Zugang gelöst. Der gemeinsame Hof bietet mit Sitzstufen vor den Gruppenräumen einen Begegnungsraum für Kindergarten und Schule, heißt es.   

Feuerwehrstützpunkt im Öhringer Ortsteil Baumerlenbach

Feuerwehrstützpunkt im Öhringer Ortsteil Baumerlenbach
Feuerwehrstützpunkt im Öhringer Ortsteil Baumerlenbach

Die Herausforderung, in unmittelbarer Nachbarschaft zur dörflich geprägten Wohnbebauung und dem Erlenbach einen Feuerwehrstützpunkt im Öhringer Ortsteil Baumerlenbach zu schaffen, haben Knorr & Thiele Architekten aus Öhringen nach Ansicht der Jury überzeugend gelöst. Dazu gehört nicht nur die raffinierte Gestaltung des Geländeverlaufs, die das Gebäude ebenso vor Hochwasser schützt, sondern auch die zum Ort passende Dimensionierung durch die klare Trennung in zwei Baukörper, die zugleich eine funktionale Nutzung gewährleistet.

Stadthalle Nobelgusch in Pfedelbach

Gemeindehalle Nobelgusch in Pfedelbach
Gemeindehalle Nobelgusch in Pfedelbach

Bei der Pfedelbacher Gemeindehalle „Nobelgusch“ zeigte sich die Jury bereits von der stimmungsvollen Gestaltung des Vorplatzes angetan. Zusammen mit den einladenden Räumen der Gemeindehalle werde das Ensemble seinem Namen „edles Gebäude“ absolut gerecht. Der von Metaraum Architekten in Stuttgart (Wallie Heinisch, Marcus Huber, Marcus Lembach) gut proportionierte Baukörper, das Foyer mit edler Bar und ein Saal mit Bühne in hellem Holz und durchdachtem Lichtkonzept fanden die Juroren „einfach gut“.

Bauhof in Künzelsau

Bauhof in Künzelsau
Bauhof in Künzelsau

Die klare Gliederung des Bauhofs in Künzelsau, die großzügige Ausgestaltung der Baukörper und die Wertigkeit der Materialien fügen sich nach Meinung der Jury zu einem gelungenen Funktionsbau mit hohem Gestaltungsanspruch, der auch die Wertschätzung der Arbeit zum Ausdruck bringt. Das Konzept des Bauhofs Künzelsau und der Umkleideräume des Stadions Prübling ist bis ins Detail durchdacht, von der bei der Einfahrt gelegenen Salzhalle bis zu den Umkleiden. Der Bauhof wurde von Oho Architekten Part GmbH in Stuttgart (Maximilian Otto, Ursula Hüfftlein-Otto, Sven Wilhelm) entworfen.

Das "Kocherwerk" in Forchtenberg-Ernsbach

Das "Kocherwerk" in Forchtenberg-Ernsbach
Das "Kocherwerk" in Forchtenberg-Ernsbach

Als herausragendes Beispiel für die Umnutzung denkmalgeschützter Industriegebäude gilt für die Jury das Kocherwerk in Forchtenberg-Ernsbach. Das am Kocher gelegene Ensemble mit einem einladenden Vorplatz beeindrucke durch die sorgfältig restaurierten historischen Gebäude, die um einen harmonisch integrierten Neubau als Verbindungselement ergänzt wurden, heißt es in der Begründung. Die funktionale und klare Innenarchitektur eigne sich hervorragend für die Nutzung als Museum für Veranstaltungen und Schulungen, so die Juroren.  

Dorfgemeinschaftshaus in Ingelfingen-Hermuthausen

Dorfgemeinschaftshaus in Ingelfingen-Hermuthausen
Dorfgemeinschaftshaus in Ingelfingen-Hermuthausen

Das von Knorr & Thiele Architekten in Öhringen gestaltete Dorfgemeinschaftshaus in Ingelfingen-Hermuthausen mit Teilabbruch und Neubau drückt für die Jury von außen Ruhe und Klarheit aus und passt sich der ländlichen Formensprache an. Der schlichte und solide konzipierte Neubau mit integrierter Bühne öffne sich zum Dorfplatz, der neue Verbindungsbau zum früheren Schulhaus besteche mit unerwartetem Ambiente, heißt es. Außerdem ließen sich Innen- und Außenräume hervorragend zu einer interaktiven Fläche verbinden.

Eine Scheune zum Wohnen in Niedernhall

Eine Scheune zum Wohnen in Niedernhall
Eine Scheune zum Wohnen in Niedernhall

Das Motto des Denkmalamtes „Scheune sucht Freund“ habe sich die Bauherrenschaft in Niedernhall mutig zu Herzen genommen, lobt die Jury. So sei es an der Stadtmauer beispielhaft gelungen, aus drei Scheunen ein modernes Wohnhaus zu schaffen, in dem dennoch die Struktur der ehemaligen Gebäude gut ablesbar sei, heißt es. Zwei Dachterrassen verbinden die Scheunen miteinander. Bei Bedarf können in dem von den freien Architekten Ulrich Schimmel und Stefanie Pawlenka aus Öhringen gestalteten Bau zwei Wohneinheiten gebildet werden.     

Eine Scheune als Büro in Öhringen-Obermaßholderbach

Eine Scheune als Büro in Öhringen-Obermaßholderbach
Eine Scheune als Büro in Öhringen-Obermaßholderbach

Faszinierend fand es die Jury, wie in Öhringen-Obermaßholderbach die Steinbach-Bernhardt-Architekten um Christoph Steinbach mit guter Gestaltung einer ehemaligen Scheune zu einem neuen Gebäudeleben verholfen haben. Die markante Gebäudestruktur sei behutsam erneuert und mit wohlüberlegten Öffnungen ergänzt worden, sagen die Juroren. Im Innern besteche die abgehängte Treppenstruktur, außen die Bepflanzung des Staudengartens. Ein neuer Betonsockel erscheint durch Farbwahl und Endbearbeitung wie ein selbstverständlicher Teil im alten Gebäude.

Eine Lagerhalle am Wald in Dörzbach

Eine Lagerhalle am Wald in Dörzbach
Eine Lagerhalle am Wald in Dörzbach

In hoher ökologischer und baubiologischer Qualität ist die Lagerhalle Keilbach in Dörzbach nach den Worten der Jury in ihrer Klarheit schlicht und raffiniert zugleich. Wie eine Holzbox auf einem Betonsockel liegend füge sich die vom Architekturbüro Klärle (Rolf Klärle Freier Architekt BDA)  in Bad Mergentheim entworfene Lagerhalle mit ihrer gelungenen Verglasung ruhig in den Übergang zum angrenzenden Waldgebiet ein und schiebe sich geschickt in den bestehenden Wiesenhang, lautet die Begründung der Juroren.    

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben