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Angler beklagen: Biber machen Fischen in Bächen an der Jagst zu schaffen

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Wegen der Biberdämme im Goldbach sei der Forellenbestand zunichte gemacht, sagt der Sprecher der Fischhegegemeinschaft Jagst.

Das aufgestaute Wasser macht den Fischen im Bach zu schaffen, sagen Biberberater Wolfgang Franz (links) und der Angler Markus Hannemann.
Foto: Götz Greiner
Das aufgestaute Wasser macht den Fischen im Bach zu schaffen, sagen Biberberater Wolfgang Franz (links) und der Angler Markus Hannemann. Foto: Götz Greiner  Foto: Götz Greiner

Bäume stehen im Wasser des Goldbachs nördlich von Dörzbach. "Die werden kaputt gehen", ist sich der Mulfinger Biberberater Wolfgang Franz sicher. Nur wenige Meter unterhalb einer kleinen Fußgängerbrücke hat ein Biber seinen Damm gebaut, etwa fünf Meter breit. "Der fehlende Schatten wird dann die Temperatur im Bach erhöhen", sagt Markus Hannemann, Sprecher der Fischhegegemeinschaft Jagst.

"Zum Heulen, was hier passiert"

Die steigende Temperatur ist ein Problem für die Fische in dem Wasser - aber nicht das größte, so Hannemann: Das aufgestaute Wasser macht den Forellen und den geschützten Groppen schwer zu schaffen. "Als Kind war ich oft hier, das war ein fließendes Gewässer mit gutem Fischbestand. Es ist zum Heulen, was hier passiert", erzählt Hannemann. Oberhalb der Dämme gebe es keinen Bestand dieser Fischarten mehr.

Die Fische brauchen die Strömung, sagt Hannemann. Denn durch diese werden die Kiesbetten freigespült, in denen Forellen und Groppen Nahrung finden und laichen. Im stehenden Gewässer setzen sich Schlamm und Dreck ab. "Durch das Laub bildet sich auch Faulschlamm", wenn der nicht weggespült werde, sei das besonders schlecht für die Fische.

Dämme am Rötelbach kein Problem

Die Biberdämme sind nicht immer ein Problem, betont Franz: Er habe in Eberbach eine Pacht am Rötelbach. Auch dort baue der Biber Dämme. Allerdings sei das kein Forellenbach. Damit seien die Auswirkungen nicht so dramatisch, zumal der Boden dort regelmäßig durchgeschwemmt werde: "Bei starkem Regen reißt es die Dämme weg." Der Goldbach ist allerdings nicht so steil, die Dämme bestehen mittlerweile seit mehreren Jahren, sagt Hannemann. In der Kessach und der Seckach gebe es ähnliche Probleme wie im Goldbach.

Sowohl Hannemann als auch Franz wollen nicht falsch verstanden werden. Beide seien hocherfreut gewesen, als der Biber zurückkam. "Der Biber braucht den Schutz", so Franz. Hier sei das ökologische Gleichgewicht aus den Fugen. "Das Tier kommt in eine ganz andere Landschaft zurück als sie vor 200 Jahren war, als der Biber ausgestorben ist." Inzwischen hat der Mensch in die Flussläufe eingegriffen. Das begünstige die Ausbreitung der Tiere. "Der Biber wird geschützt, das wird aber nicht zu Ende gedacht", fasst Hannemann zusammen.

Biber eigentlich gut für die Artenvielfalt

Für das baden-württembergische Umweltministerium ist genau diese umgestaltete Landschaft einer der Gründe für den besonders strengen Schutz des Bibers: "Untersuchungen zeigen, dass die Anzahl der in Biberrevieren vorkommenden Arten wesentlich höher ist, als in oder entlang von Menschen geschaffenen oder technisch umgestalteten Gewässern", heißt es in einer Antwort auf eine Nachfrage unserer Redaktion. Demnach gestalten Biber Gewässer, Auen und Uferstreifen wieder um und "helfen dabei, zerschnittene Biotope wieder miteinander zu vernetzen und so den Biotopverbund zu fördern."

Zwar könne es Konflikte mit anderen Arten geben, dem Umweltministerium "ist jedoch bisher kein solcher Zielkonflikt im Bereich des Goldbachs bekannt". Auch die Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg habe keine Informationen zu den Umständen, schreibt deren Leiter Jan Baer auf Nachfrage unserer Redaktion. Er verweist auf die Fischereibehörde im Regierungspräsidium.

Tötung von Bibern mit hohen Hürden

Dort entscheidet man auch über die Vergrämung - also das Vertreiben von Bibern bis hin zur "letalen Entnahme", wie die Tötung auf der Webseite des Ministeriums genannt wird. Dafür gebe es hohe Hürden. Eine Anfrage konnte vom Regierungspräsidium aus zeitlichen Gründen und wegen der Komplexität des Themas bislang nicht beantwortet werden (Bericht folgt).

Hannemann und Franz verweisen auf Bayern, wo Jäger im Fall des Falles den Biber schießen dürften. Denn wenn er wählen müsste, so Franz, habe er eine klare Aussage: "Die Forelle hat für mich Vorrang vor dem Biber."

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