An Realschulen kann man den Hauptschulabschluss machen

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Schulen sollen sich an die Bedürfnisse ihrer Schüler anpassen. Deshalb ist es nun auch möglich, die an Realschulen eine Hauptschulprüfung abzulegen. Kritiker befürchten, dieses System wird Schülern nicht gerecht.

Wer Sorge hat, die mittlere Reife nicht zu bestehen, der kann nach Klasse neun die Hauptschulprüfung an Realschulen ablegen. Foto: dpa
Wer Sorge hat, die mittlere Reife nicht zu bestehen, der kann nach Klasse neun die Hauptschulprüfung an Realschulen ablegen. Foto: dpa  Foto: Felix Kästle

Erstmals können zum Ende dieses Schuljahres Neuntklässler an Realschulen eine Hauptschulprüfung ablegen. Damit ist es möglich, dass sie mit einem Abschluss die Schule verlassen, der sie für eine Ausbildung qualifiziert.

"Uns hilft das nicht wirklich", sagt Florian Frank, Leiter der Georg-Wagner-Schule Künzelsau. Es stört ihn aber auch nicht. Denn: "Wir haben bei uns in der Region viele Schulverbünde", erklärt Frank. Damit könne den Bedürfnissen und Fähigkeiten des Schülers entsprechend das richtige System angeboten und bei Bedarf auch nachjustiert werden.

Das gilt nicht nur für Franks Schule in Künzelsau, die neben der Grund-, die Werkreal- und die Realschule unter einem Dach hat. Das ist auch so in Bretzfeld, Pfedelbach, Niedernhall, Krautheim und Möckmühl. Die meisten anderen Verbundschulen in Stadt- und Landkreis Heilbronn haben Gemeinschafts- und Realschule unter einem Dach. Neckarsulm wird bald drei Schularten versammeln.

 

 

„Hauptschulprüfungen an Realschulen stärken nicht wirklich die Realschule.“

von Udo Nonnenmacher

 

Frank weiß aber, dass das im städtischen Bereich ganz anders aussehen kann. Auch wenn Öhringen nicht wirklich Großstadt ist, sagt der Leiter der dortigen Realschule, Udo Nonnenmacher: "Hauptschulprüfungen an Realschulen stärken nicht wirklich die Realschule." Der Anteil von Schülern die auf G(rund)-Niveau unterrichtet werden und die Hauptschulprüfung ablegen, sei nicht groß. Er beziffert ihn auf sieben bis zehn Schüler pro Jahrgang. "Aber das bedeutet, wir müssen uns auf alle Schüler einstellen", sagt Nonnenmacher. Individuelle Lernbegleitung heißt das an Gemeinschaftsschulen.

Differenzierung erst ab Klasse sieben

Das Problem für die Realschulen dabei: Die Fünft- und Sechstklässler werden während dieser ersten beiden Jahre auf Realschul-Niveau unterrichtet und benotet. Auf M(ittlerem)-Niveau also. Sitzenbleiben ist nach Klasse fünf nicht vorgesehen. Die Differenzierung findet erst ab Klasse sieben statt. Zwei Jahre also, in denen die Kinder nicht ihrer Leistung entsprechend beschult werden. Hier setzt die Kritik des Gesamtelternbeirats an. Es sei nicht nachvollziehbar, dass erst ab Klasse sieben differenziert werde.

 

„Wir spüren, dass die verbindliche Schulempfehlung weggefallen ist.“

von Udo Nonnenmacher

 

"Wir spüren da schon, dass die verbindliche Schulempfehlung weggefallen ist", sagt Nonnenmacher. Er habe nun Schüler in seinen Klassen, deren Eltern die Hoffnung hatten, dass ihre Kinder den Realschul-Abschluss machen können. Aber auch wenn der Druck zunehme, wechsele niemand auf die Werkrealschule oder Gemeinschaftsschule. "Es ist eher so, dass wir in die Klassen sechs, sieben und acht zusätzlich noch die Abgänger von Gymnasien bekommen", berichtet Nonnenmacher. Er kritisiert, dass das System den Schülern nicht gerecht werde. Und auch Frank fürchtet, dass die Schüler mit diesem System weniger Erfolgserlebnisse und damit weniger Aussicht auf eine gelingende Schulkarriere hätten.

Synchronisierte Prüfungszeiten

Einen Vorteil aber sehen die Schulleiter: "Endlich sind die Prüfungszeiten synchronisiert", sagt Florian Frank. Das sei gut für alle Gemeinschaftsschulen und die Schulverbünde. "Die haben unter den unterschiedlichen Prüfungszeiten gelitten", sagt Frank. Kaum war der eine Prüfungskorridor beendet, startete der nächste. "Richtig Unterricht machen war da kaum möglich", weiß Frank.

Und er hat noch einen weiteren Grund zur Freude: "Erstmals werden an den Hauptschulen die Prüfungen mit neuen Inhalten gemacht, an den Realschulen im nächsten Jahr." Die Neuerung dabei sei, dass Rechtschreibung benotet werde und es einen Teil in der Mathematik-Prüfung gebe, der ohne Hilfsmittel erledigt werden müsse. Damit habe man den Forderungen der Wirtschaft entsprochen, sagt Frank.

In der Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen sieht Frank einen Grund dafür, dass die Werkrealschule wieder vermehrt Zulauf habe. Weiter hätten die Eltern gesehen, dass an diesen Schulen gute Arbeit geleistet werde. "Und nicht jeder Schüler profitiert von Wochenarbeitsplänen und viel Auswahl hinsichtlich des Lernstoffs", sagt Frank. Es gebe durchaus Schüler, die tägliche Struktur und Anleitung brauchen. "Leitplanken eben", so Frank. Auf dem Weg zum Erfolg.

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