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Hohenlohe

Ambulanter Hospizdienst kann Trauerbegleitung stärken

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Rotarier spenden 10.000 Euro an Organisationen aus Öhringen, Kocher- und Jagsttal. Dort engagieren sich rund 120 Ehrenamtliche bei der Sterbebegleitung und in der Trauerarbeit. Bei den Hospizdiensten freut man sich über die Sichtbarkeit und Anerkennung.

von Philip-Simon Klein
Vertreter des Rotary-Clubs Künzelsau-Öhringen übergeben die Spende an die Koordinatorinnen.
Vertreter des Rotary-Clubs Künzelsau-Öhringen übergeben die Spende an die Koordinatorinnen.  Foto: Klein, Philip-Simon

"Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben", beschreibt Ute Schwarz vom ökumenischen Hospizdienst Öhringen den Sinn ihrer Arbeit. Der Satz ist von Cicely Saunders, der Gründerin der modernen Hospizbewegung. Ähnlich wie Ute Schwarz koordinieren Carmen Landwehr und Christine Stumpf beim Hospizdienst Kocher/Jagst Ehrenamtliche in der Sterbe- und Trauerbegleitung. Das Engagement wollen die Hohenloher Rotarier unterstützen und spenden 10.000 Euro.

Martin Weiß, der dem Rotary-Club Künzelsau-Öhringen als Präsident vorsteht, berichtet, dass man im Zuge des 50-Jahre-Jubiläums die Mitglieder um Vorschläge für Spendenprojekte gebeten hatte, um fünf mit insgesamt 50.000 Euro zu fördern. Dabei sind 26 Vorschläge zusammengekommen, die Rotarier wählten davon eine Top-Fünf. Zweimal sei der Scheck schon übergeben worden, zwei weitere stehen noch aus. "Das Verfahren hat uns im Club sensibilisiert für Themen mit denen wir sonst weniger Berührung hatten, wie Palliativarbeit", sagt Martin Weiß.

Eine fachkundige Patin als Ansprechpartnerin bei den Rotariern

Zudem hat sich in den Reihen des Serviceclubs mit Martina Feuchter eine Patin gefunden, die sich für den Bereich Hospizarbeit stark macht. Als Trauerbegleiterin, Bestattermeisterin und Geschäftsführerin eines Bestattungsunternehmens ist sie darüber im Bilde. "In Großfamilien wurde früher geboren, gepflegt und gestorben - heute haben sich die Verhältnisse verändert", sagt Feuchter. Unter anderem, weil Familiengefüge aufbrechen, indem "alle Geschlechter arbeiten und Kinder teilweise weit weg wohnen", seien Tod und Sterben oft verdrängt und ausgelagert worden und so "kaum präsent" im täglichen Leben. Viele Menschen seien da überfordert und benötigten die wichtigen Angebote, die es dank der Ehrenamtlichen gebe, sagt Feuchter.

Mit den Ehrenamtlichen kommen oft verdrängte Themen in die Breite

Wichtig sei, "den Tod zurück ins Leben holen", bekräftigt Ute Schwarz. Und so freut sich Schwarz auch, dass dank der Spende der Rotarier vermehrt über die Hospizarbeit gesprochen werde. Ihre Aufgabe sind Erstbesuche bei den sterbenden Menschen, dann vermittelt sie einen ehrenamtlichen Helfer. Dieser unterstützt auch die Angehörigen, für die der Dienst kostenfrei ist. Die Krankenkassen beteiligen sich an der Hospizarbeit, aber auf Förderbasis, das muss jährlich neu beantragt werden.

"Die Spende ist ganz großartig für uns", sagt Carmen Landwehr. "Nur unsere Stellen bezahlen die Krankenkassen". Sie erklärt, neben Schulungen und Weiterbildungen - gerade in Trauerbegleitung - wolle man mit der Spende den Ehrenamtlichen ein gutes Netzwerk bieten, in dem sie sich wohlfühlen. Dazu gehören auch Gesprächsmöglichkeiten wie Supervision, damit die Ehrenamtlichen sich in geschützten Räumen über ihre Erlebnisse austauschen können.

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