Alpenland und Verdi beenden harten Tarifkonflikt

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Öhringen - Vor einem Jahr war das Öhringer Alpenland-Pflegeheim in die Schlagzeilen geraten. Nach einem Streik für mehr Lohn stellte die Geschäftsführung Strafanzeigen gegen drei Mitarbeiterinnen.

Von Hagen Stegmüller

Das Alpenland-Seniorenheim im Öhringer Stadtteil Möhrig wurde 2009 bestreikt. Anschließend stellte die Geschäftsführung Strafanzeigen gegen drei Mitarbeiterinnen wegen angeblichen Arbeitszeit-Betrugs.Foto: Hagen Stegmüller
Das Alpenland-Seniorenheim im Öhringer Stadtteil Möhrig wurde 2009 bestreikt. Anschließend stellte die Geschäftsführung Strafanzeigen gegen drei Mitarbeiterinnen wegen angeblichen Arbeitszeit-Betrugs.Foto: Hagen Stegmüller
Öhringen - Vor einem Jahr war das Öhringer Alpenland-Pflegeheim in die Schlagzeilen geraten. Nach einem Streik für mehr Lohn stellte die Geschäftsführung Strafanzeigen gegen drei Mitarbeiterinnen. Und ein Gewerkschafter von Verdi sollte mit Polizeigewalt wieder aus dem Haus vertrieben werden. Damit erreichte der Tarifkonflikt eine Schärfe, die in der Pflegebranche bis dahin für unmöglich gehalten wurde.

2,5 Prozent mehr Geld

Inzwischen ist ein Jahr vergangen und der Tarifstreit beendet. Wie die Hohenloher Zeitung auf Nachfrage erfuhr, hat man sich bereits im Juni auf einen neuen Gehalts- und Manteltarifvertrag geeinigt. Danach sollen die 550 Alpenland-Pflegerinnen in Baden-Württemberg ab März 2013 eine Lohnerhöhung von 2,5 Prozent erhalten. Zum letzten Mal bekamen die Mitarbeiterinnen im November 2005 mehr Geld.

"Wir haben Zugeständnisse gemacht", kommentiert Verdi-Verhandlungsführerin Hannelore Herrmann den Abschluss. Noch zweieinhalb Jahre gilt ein so genannter Notlagentarifvertrag, der den angeschlagenen Seniorenheim-Betreiber von einer Lohnerhöhung befreit. Im Gegenzug schloss das Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen aus.

Drohgebärden

"Es war das Unangenehmste, was wir je zu verhandeln hatten", sagt Gewerkschafterin Herrmann im Rückblick. Alpenland habe Betriebsrats-Mitglieder mit Kündigungen eingeschüchtert, Geld für Anwälte statt Mitarbeiter ausgegeben und keine Drohgebärde gescheut. Insgesamt hätten sich die Verhandlungen über zwei Jahre hingezogen.

Alpenland sieht das anders. Die Tarifverhandlungen seien "stets von gegenseitigem Respekt und Verständnis für die jeweilige individuelle Situation" geprägt gewesen, teilt die Geschäftsführung in einer E-Mail mit. Die "Bewohnerbelange" seien zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt gewesen. Man werde auch künftig die notwendigen Schritte einleiten, wenn Bewohner- und Mitarbeiterinteressen "durch Dritte aktiv verletzt werden".

Die drei Pflegerinnen aus Öhringen, die Alpenland wegen Betrugs angezeigt hatte, sind aus dem Unternehmen ausgeschieden. Nach Angaben von Verdi haben sie "hohe Abfindungen" erhalten. Zwei von ihnen hätten aufgrund ihrer Qualifikation rasch einen neuen Job gefunden, die dritte sei in Mutterschutz. Alpenland hatte behauptet, die drei hätten am Streiktag und einem Aussperrungs-Tag ihre Arbeitszeitnachweise falsch ausgefüllt. Verdi hatte die Vorwürfe als "absurd" bezeichnet.

Geringer bezahlt

Nach Gewerkschaftsangaben verdienen Pflegerinnen bei Alpenland deutlich weniger als ihre Branchenkolleginnen der Hohenloher Krankenhaus GmbH. Im öffentlichen Dienst könne eine ausgebildete Pflegerin bis zu 2200 Euro verdienen, eine angelernte bekomme zwischen 1400 und 1800 Euro.

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