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Ämter in Hohenlohe kommen bei Registrierung der Flüchtlinge an ihre Grenzen

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Nicht nur der reine Arbeitsaufwand, auch die emotionale Belastung der Mitarbeiter auf den Behörden ist aktuell groß. Rote Säcke sollen Müllkosten der Helfer kostenneutral halten.

Herzlich willkommen: Dieses Hinweisschild führt ukrainische Flüchtlingen in Künzelsau auf den richtigen Weg. Wie viele Menschen in den nächsten Tagen und Wochen kommen? Keiner weiß es so genau.
Foto: Armin Rössler
Herzlich willkommen: Dieses Hinweisschild führt ukrainische Flüchtlingen in Künzelsau auf den richtigen Weg. Wie viele Menschen in den nächsten Tagen und Wochen kommen? Keiner weiß es so genau. Foto: Armin Rössler  Foto: Rößler, Armin

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Allein der Blick auf die Zahlen bei der Großen Kreisstadt Öhringen zeigt die Dimension der zusätzlichen Arbeit, die die Registrierung und Aufnahme der ukrainischen Flüchtlinge mit sich bringt: Waren am 23. März noch 150 Menschen registriert, sind es nur eine Woche später 353 Menschen, die bei Frank Stransky und seinem Team angemeldet worden sind. Auch wenn es möglichst schnell und unbürokratisch laufen soll: Es fordert die Mitarbeiter der Behörden ungemein. Und es kostet sehr viel Zeit.

Nicht nur, dass viele Listen und Excel-Tabellen ausgefüllt werden müssen: "Die emotionale Seite belastet", schildert Stransky herausfordernde Konstellationen, spricht von Frauen, die hier Mütter und Kinder in Sicherheit bringen, die Oma das Grab des Mannes in der Ukraine aber partout nicht verlassen wollte. "Das geht schon an die Kuttel", sagt Stransky. Es sei keinesfalls nur die Zeit und die schiere Masse an Arbeit, die aktuell sein Team belasten.

Stundenweise Unterstützung, doch Mehrfaufwand durch händische Listen

Mit dreieinhalb Personalstellen und stundenweiser Unterstützung durch Kollegen aus anderen Bereichen des Rathauses erfasst er die Neuankömmlinge. "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen", sagt Stransky. Eine Stunde rechnet er, ehe alle Formalitäten erledigt sind. Je nach Sprachkompetenz und Begleitung gehe es besser oder schlechter. Die Integrationsmanager und vorausgefüllte Formulare helfen. Haben die Menschen Pässe dabei, sei es auch gut zu schaffen. Müssten aber kyrillische Dokumente übertragen werden, werde es schon schwieriger.


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Die "normale" Arbeit muss auch getan werden

Neben der Aufnahme in das ganz normale Register der städtischen Ausländerbehörde per bekannter Software kommen die Excel-Listen, die zusätzlich täglich für das Regierungspräsidium ausgefüllt werden sollen. "Das schaffen wir zeitlich aber gerade gar nicht. Denn da muss alles händisch eingegeben werden", verweist Frank Stransky auf die Zusatzarbeit in ohnehin fordernden Zeiten. Ablage machen? Keine Chance. Mainzelmännchen, die am Abend den Schreibtisch aufräumen, wären ein Traum. Denn: Die Registrierung der ukrainischen Flüchtlinge ist nicht die einzige Arbeit, die zu erledigen ist. 4600 weitere Ausländer sind sowieso zu betreuen.

Gibt es Hilfen für private Helfer?

Stransky rechnet nicht mit nachlassenden Zahlen. "Viele sind privat untergebracht und können als Touristen 90 Tage bleiben", erklärt er. Nur wer Leistungen und Wohnraum über den Staat empfangen möchte, muss sich registrieren. Dann dauere es drei bis vier Wochen, ehe das erste Geld fließt. Dann könnten die Ukrainer auch ihren Beitrag zu den Lebenshaltungskosten in den Familien leisten.

Und was ist bis dahin bei den privaten Unterbringungen? Finanzspritzen wegen höherer Nebenkosten gibt es nicht, sagt Frank Stransky. Es gebe aber die Möglichkeit, bei gemeldeten Unterbringungen rote Müllsäcke von der Stadt zu bekommen. Dann können die Helfer die höheren Müllmengen kostenneutral beseitigen.

Landratsamt weiß von 850 Geflohenen aus der Ukraine

Dem Landratsamt Hohenlohekreis sind 850 aus der Ukraine geflohene Menschen aus den Kommunen gemeldet. 24 Menschen sind beispielsweise nach dem Hilfstransport des Evangelischen Jugendwerks in neun Familien im Hohenlohekreis zwischen Waldbach und Mulfingen untergebracht. Es hätten mehr sein können: "Wir hatten Wohnraumangebote von 30 Familien", berichtet Michèle Bauer, die mit ihrem Bruder Marcel Plückthun die Fahrten betreut. Ein weiterer Bus soll am 8. April starten. Auch sie berichtet von teils extrem traurigen Momenten - aber auch von glücklichen und erleichterten Gesichtern. Sie denkt über weitere Verbesserungen nach: "Gut wäre eine Vernetzung der Geflohenen".

Offizielle Zuweisungen

Die Große Kreisstadt Öhringen übernimmt die Registrierung auch für Pfedelbach und Zweiflingen. Für alle anderen 13 Kommunen ist das Ausländeramt beim Landratsamt Hohenlohekreis zuständig. Dort bewältigen sechs Mitarbeiter die Registrierung der Geflüchteten. In der Asylbewerberleistungsstelle sind drei Mitarbeiter mit der Gewährung von Leistungen zuständig und werden von drei Auszubildenden und Mitarbeitern des Sozial- und Versorgungsamtes unterstützt. In der Unteren Aufnahmebehörde arbeiten zwei Personen, die durch zwei Kollegen aus anderen Ämtern unterstützt werden, berichtet Landratsamtssprecher Sascha Sprenger von Personalrochaden.

Für den 23. März waren 50 offiziell zugewiesene Personen angekündigt, 37 kamen tatsächlich, davon waren 26 Ukrainer. Zehn zogen weiter in den Raum Stuttgart, sodass derzeit nur 16 im ehemaligen Künzelsauer Krankenhaus untergebracht sind. Neun Mitarbeiter waren dort aus den Bereichen Wohnheimverwaltung, Hausmeister, Ausländeramt, Asylbewerberleistungsstelle. Am Montag, 4. April, sollen weitere 30 Personen kommen, hat das RP Karlsruhe angekündigt.

Die drei häufigsten Fragen

Bei der Stadt Künzelsau sind 120 Menschen aus der Ukraine gemeldet. Dort wurde das Personal kurzfristig um 80 Prozent auf sieben personen aufgestockt, Die drei häufigsten Fragen, berichtet Sprecherin Laura Asum, seien die nach Wohnraum, Versorgung und Arbeit.

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