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Im Alter von 55 Jahren: Weißbacher hat seinen Meister gemacht

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Er ist näher an der Rente als an den Lehrjahren. Doch das hält Achim Gäckle nicht auf, mit 55 Jahren noch seinen Meistertitel als Gebäudereiniger zu machen.

Achim Gäckle hat mit 55 Jahren noch seinen Meister in Gebäudereinigung gemacht. Nun kann er in seiner Firma in Weißbach auch andere ausbilden. Vor allem das Thema Umweltschutz liegt ihm dabei am Herzen. 
Foto: Katrin Draskovits
Achim Gäckle hat mit 55 Jahren noch seinen Meister in Gebäudereinigung gemacht. Nun kann er in seiner Firma in Weißbach auch andere ausbilden. Vor allem das Thema Umweltschutz liegt ihm dabei am Herzen. Foto: Katrin Draskovits  Foto: Draskovits, Katrin

Mit Mitte 50 ist man der Rente näher als den Lehrjahren. So manch einer sehnt in diesem Alter den Ruhestand auch schon herbei. Nicht so Achim Gäckle. Der Weißbacher hat im Alter von 55 Jahren seinen Meistertitel erworben. 22 Monate dauerte das, in seiner Klasse war er der Älteste und es war "sauanstrengend", wie er lachend erzählt.

Doch das war ihm egal: "Auch wenn es schwer ist, kann man mit 55 noch genauso etwas machen. Das Leben ist ja nicht vorbei in dem Alter", so die Devise des dreifachen Familienvaters.

Gäckles Schul- und Berufslaufbahn mit Höhen und Tiefen

In Gäckles Karriere lief nicht immer alles glatt. In Niedernhall geboren, hat Gäckle die Hauptschule besucht. "Die Leute haben immer gesagt: ,Aus dem Jungen wird nie was"", erinnert er sich zurück und gesteht: "Ich war aber auch ein Hallodri."

Später meldete er ein Patent für ein Matratzenreinigungsgerät an. "Aber ich habe mit den falschen Leuten gearbeitet, das Geld war weg und die Firma ging insolvent." Deshalb begann Gäckle in einer Heilbronner Gebäudereinigungsfirma als Niederlassungsleiter zu arbeiten und beschloss, seinen Fachwirt für Gebäudemanagement zu absolvieren. Das war 2009. Kurz darauf machte er sich in Weißbach selbstständig.

Doch bald nach der Gründung kam ein Hochwasser. "Dabei sind wir komplett abgesoffen - wir standen vor dem Nichts", erinnert er sich zurück. Doch die Hohenloher halten zusammen, erklärt Gäckle mit stolz in der Stimme: "Wir haben von vielen lokalen Firmen Aufträge bekommen und konnten uns so langsam wieder aufrappeln." Inzwischen hat das Unternehmen 120 Mitarbeiter, "Tendenz steigend", wie Gäckle erklärt.

Mit 55 den Meister machen? Alle in der Klasse waren jünger

Doch weshalb beschloss er, mit 55 Jahren noch den Meister zu machen? "Ich wollte schon immer ausbilden", erklärt er. Dass in seiner Klasse alle jünger waren, war für ihn kein Problem. "Ich glaube, für die war es gut, dass ich da war, ich konnte viel aus der Praxis erzählen." Obwohl er das meiste Wissen schon besaß, war die Meisterschule für ihn kein Kinderspiel. "Ich bin ja nicht mehr der Jüngste", sagt Gäckle.

So musste er im praktischen Teil der Prüfung kiloschweres Material zum Reinigen in den vierten Stock schleppen. Schwer war auch der theoretische Teil. "Da ging es nur ums Auswendiglernen, etwa von Formeln von Salz- und Zitronensäure", berichtet er. Doch er hat es geschafft und kann in Zukunft andere zum Gebäudereiniger ausbilden. Das Wissen weiterzugeben, ist Gäckle wichtig.

"Gebäudereinigung ist schon lange nicht mehr einfach nur ,putzen"", erklärt der 55-Jährige. "Man kann viele Fehler machen beim Reinigen", weiß er und erzählt von aufgequollenem Holz und sich lösenden Teppichklebern. "Oft werden wir von Firmen angerufen, um auszubügeln, was andere kaputtgemacht haben beim Putzen." So ist das Sanieren auch eines der Spezialgebiete seiner Firma. Achim Gäckles Lieblingsaufgabe ist es, Linoleumböden zu modernisieren. "Da können wir zum Beispiel in Schulen richtig schöne Muster reinmachen, etwa eine Spielstraße oder Zahlen auf den Boden - und der Boden hält dann wieder zehn Jahre."

Umweltschutz beim Putzen als unterschätztes Thema

Auch auf einem anderen Gebiet möchte er sein Wissen gerne weiter geben: dem Umweltschutz. Denn daran liegt Gäckle viel. "Es gibt 700.000 Putzkräfte in Deutschland. Jede kippt das genutzte Wasser mit den Reinigungsmitteln am Ende in die Kloschüssel. Da landet ein Haufen Chemie in den Kläranlagen, die das nicht immer aussieben."

Deshalb ist ihm wichtig, so wenig Chemie wie möglich einzusetzen, seine Mitarbeiter regelmäßig zu schulen und zu zeigen, dass man nicht alles neu machen muss, sondern oftmals schon sanieren hilft. Inzwischen ist der Stress der 22-monatigen Meisterschule vergessen - und Gäckle ist stolz auf sich. Vor seiner Tür hängt bereits das neue Schild, das auf den Meisterbetrieb hinweist. "Das gab es als Überraschungs-Geschenk von meinen Mitarbeitern", erzählt er mit einem Lächeln im Gesicht.

 
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