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Künzelsau

40 Jahre auf dem Bau: Wie sich die Arbeit verändert hat

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Rolf Härtweg, Klaus Gramlich und Gerhard Wurst sind seit vier Jahrzehnten auf Baustellen im Einsatz. Die Arbeit macht ihnen Spaß. Wenn sie an die Zukunft denken, machen sie sich aber teilweise Sorgen.

Von Christoph Feil
Blicken zurück und nach vorne (von links): Rolf Härtweg, Klaus Gramlich und Gerhard Wurst, die seit vier Jahrzehnten auf Baustellen im Einsatz sind. Foto: Mario Berger
Blicken zurück und nach vorne (von links): Rolf Härtweg, Klaus Gramlich und Gerhard Wurst, die seit vier Jahrzehnten auf Baustellen im Einsatz sind. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Einschalen, mauern, betonieren. "Immer wieder kann man was anderes machen. Der Beruf ist abwechslungsreich. Deswegen macht er uns Spaß", sagt der Maurer und Maschinist Rolf Härtweg. Kollege Gerhard Wurst ergänzt: "Jede Baustelle hat eine andere Struktur." Mal habe man dort zum Beispiel viel Platz zur Verfügung, mal gehe es relativ eng zu - dann müsse genau koordiniert werden, erklärt der Maurer und Werkpolier.

Seit 40 Jahren schon arbeiten Härtweg und Wurst auf dem Bau. Am 1. August 1978 haben sie gemeinsam bei der Firma Wolff und Müller am Standort Künzelsau angefangen - nur wenige Tage nach Klaus Gramlich.

Wie die drei zu ihren Jobs kamen

"Ich war Einzelhandelskaufmann in Künzelsau, und das war einfach langweilig", erzählt Gramlich. Weil dem Abtsgmünder das Handwerkliche fehlte, entschied er sich damals für eine Umschulung zum Maurer. Gerhard Wurst hingegen wäre vielleicht Landwirt auf dem heimischen Hof geworden. Aber: "Die Scheune ist weggebrannt. Dann hat es geheißen: Irgendwo muss der Bub hin, muss was lernen", erinnert sich der Dörrenzimmerner. Über einen Verwandten kam er zu seinem heutigen Arbeitgeber.

"Zu dieser Zeit war es als Hauptschüler ein bisschen ein Problem, einen Job zu kriegen", berichtet Rolf Härtweg. Wie Gramlich und Wurst wurde aber auch er schließlich in Künzelsau fündig. "Ich habe es nicht bereut, dass ich bis jetzt noch dabei bin, außer dass ich schon ein wenig Schmerzen habe in den Knochen", sagt der 55-Jährige.

Maschinen haben die Arbeit erleichtert

Denn einige Arbeiten seien im Alter natürlich anstrengender. "Ein Arbeitskollege von mir hat mal gesagt, mit 50 geht es rückwärts. Ich habe das am Anfang nicht geglaubt. Aber jetzt merke ich das schon", berichtet Gramlich, der 58 Jahre alt ist. Und Härtweg merkt an: "Den ganzen Tag mit schweren Kalksteinen zu arbeiten, von denen einer schon bis zu 30 Kilo wiegt, ist schon schwierig." Da sei man am Ende des Tages eigentlich fertig, sagt der Braunsbacher, der in den vergangenen Jahren vermehrt Kran gefahren ist und Maschinen bedient hat.

Weil es von den Maschinen inzwischen übrigens mehr gebe, die man auf dem Bau einsetzen könne, sei die Arbeit in den vergangenen vier Jahrzehnten leichter geworden, wie Härtweg erklärt. "Oder wenn Du Mörtel kriegst, kriegst Du fertigen Mörtel. Früher hast Du halt viel von Hand anmachen müssen", sagt er.

Der Termindruck hat zugenommen

Andererseits habe die Bürokratie zugenommen. "Der Aufwand davor und danach ist ein ganz anderer", erzählt Wurst. Und: Der Termindruck habe zugenommen. "Wenn der Bauherr sagt, da will ich einziehen, dann guckst Du, dass da eingezogen wird. Und wenn Du das nicht schaffst, hast Du verloren", so der 56-Jährige. Also gehe es auch bei Wind und Wetter raus.

So viel Spaß ihm die Arbeit auch macht, wenn Rolf Härtweg an die Zukunft denkt, macht er sich schon Sorgen. "Wenn wir zu früh in Rente müssen, weil wir nicht mehr können, dann bekommen wir Abzug", befürchtet er. Und Gerhard Wurst, der erst kürzlich seinen Rentenbescheid bekommen hat, ergänzt: "Da schreiben die bei mir rein: bis 2029. Dann habe ich 52 Jahre auf dem Bau geschafft." Mit der Zahl, so scheint es, kann er sich nur schwer anfreunden.

Was die drei vermissen werden, wenn sie in Rente gehen

Eines werden aber alle drei vermissen, wenn sie tatsächlich einmal ihren Ruhestand antreten. "Die Kameradschaft. Wir treffen uns ja auch außerhalb der Arbeit", sagt Gramlich. "Wenn man auswärts arbeitet, weiter weg ist und nicht heimkommt, aber mit guten Kameraden zusammen ist, dann lässt sich das leichter ertragen", fügt Härtweg hinzu.

Zu Hause dann hinsetzen und Daumen drehen wollen Härtweg, Gramlich und Wurst aber nicht. Dafür, so erzählen sie, haben sie noch einiges vor - etwa für ihre Kinder und Enkel.


Beruf Maurer: Die Azubizahlen sind rückläufig

"Die Baubranche hat nach wie vor einen enormen Nachwuchsbedarf", sagt Kerstin Lüchtenborg, Abteilungsleiterin für Berufsbildung bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Das zeige sich auch in der Entwicklung der Azubizahlen im Beruf Maurer für die letzten zehn Jahre. "Der Rückgang um ein Drittel der Azubis ist immens", so Lüchtenborg. 2017 gab es 62 Azubis im Bezirk.

 

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