Mobilitätsmesse "Künmobil" in der City: Junge Leute halten Verbrenner für "überholt"
Bei der Mobilitätsmesse "Künmobil" in der Künzelsauer Innenstadt stehen E-Autos hoch im Kurs. Seit April halten die Kunden aber ihr Geld zusammen.

Volles Scheinwerferlicht aufs E-Auto. Der Verbrenner steht eher im Schatten, auch, weil unklar ist, wie sich die Benzinpreise entwickeln. Den Eindruck vermitteln Autohändler bei der Mobilitätsmesse Künmobil in der Innenstadt von Künzelsau am Wochenende 18. und 19. April.
„Künmobil“-Messe in Künzelsau: "Gebrauchtes E-Auto steht bei uns nicht lang"
„Ein gebrauchtes E-Auto steht bei uns nicht lang. Das geht ganz schnell weg“, sagt Dieter Hügel, Geschäftsführer der Autowelt Binder, die zur Hagelauer-Gruppe gehört. Viele Kunden hätten eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Sie wollten den überschüssigen Strom nutzen. Viele seien Eigenheimbesitzer, nicht die Ärmsten, dank der Weltmarktführer-Unternehmen in der Region, sagt Verkäufer André Kloss. Aber: „Bis Ende März liefs gut. Jetzt spüren wir Zurückhaltung.“
Weltmarktführer hin oder her: Peter Schlunski nebenan hat Mitsubishis im Angebot. „Je schlechter die Wirtschaft läuft, desto mehr kommen die Leute zu uns.“ Viele „Fremdfahrer höherpreisiger Marken“ macht er unter den Interessenten aus, die seine Modelle begutachten. Dazu die hohen Spritpreise. „Taxis, Busreiseunternehmen: da kann ja niemand mehr kalkulieren.“
Über die Alpen mit dem E-Auto: Was junge Leute bei der „Künmobil“ suchen
Die Frage, ob die gesenkte Mineralölsteuer an den Verbraucher weitergegeben wird oder nicht, tangiert Niklas und Mareike Royar nicht. „Den Verbrenner halten wir beide für überholt,“ sagt die 30-jährige Mareike Royar. Reichweite ist für sie kein Problem, genauso wenig wie die Ladeinfrastruktur in Italien, Österreich oder Frankreich. „Wir fahren über die Alpen in Urlaub mit dem vollgepackten E-Auto.“ Reichweite: bis zu 400 Kilometer.
Quads, E-Bikes, Fahrräder, E-Scooter und Elektro-Roller sind auf der Mobilitätsmesse zu finden, die die Sparkasse Hohenlohe, die Stadtverwaltung Künzelsau mit dem Verein Kün aktiv, Autohäuser und regionale Partner nun zum vierten Mal Samstag und Sonntag auf die Beine gestellt haben. Am 19. April ist verkaufsoffener Sonntag.
Im ländlichen Raum schwören manche trotzdem auf Diesel
„Wir bewerben das E-Thema“, sagt Peter Müller, Verkaufsleiter Nutzfahrzeuge beim Autohaus Widmann. Der Prozentsatz an E-Mobilität liegt bei ihm bei bis zu 18 Prozent in der Region. „Trotzdem gibt es im ländlichen Raum auch Kunden, die sich konservativ entscheiden, für Diesel.“
Mobilitätsmesse "Künmobil": Mancher fährt ein E-Bike für 13.000 Euro
Andere nutzen das Fahrrad. Bei Wind und Wetter. „Spikereifen, das ist bei uns in der kalten Jahreszeit nachgefragt“, sagt Manuel Winkhardt, Filialleiter bei E-Box, einem E-Bike-Händler. „Radfahren im Winter macht Spaß, man gewöhnt sich an die Kälte.“ Wobei so ein E-Bike preislich an ein Auto herankommen kann. Mit Anschaffungskosten ab 1500 Euro ist die Skala nach oben hin offen, sagt Winkhardt. Ein Kollege habe ein Schmuckstück für 13.000 Euro.
Nach Neu-Kupfer fährt kaum ein Bus
Auch der öffentliche Nahverkehr wirbt in der Künzelsauer City mit einem Stand für sich. Herbert Tschöpl (72) aus Neu-Kupfer hat zwar gerade beim Gewinnspiel mitgemacht. Doch er zuckt die Schultern. „Heute zum Beispiel bin ich mit meiner Frau mit dem Auto hier. Weil gar kein Bus fährt.“
Seine Schulkameradin (73), die dabei steht, schwört auf den Nahverkehr in Spanien, wo sie gerade überwintert hat. „Tolle Zug- und Busverbindungen, für 1,60 Euro das Ticket.“ Zurück in Künsbach geht’s aufs E-Bike, weil der öffentliche Nahverkehr „in unserem Kaff“ schwierig sei. „Das liebe ich heiß und innig. Und schneller da bin ich auch.“
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