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Meisterin bei Bürkert

Von der Hauptschule zur Hochschule: Junge Handwerkerin lässt sich nicht aufhalten

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Larissa Wohlfarth hat nicht nur ihre Ausbildung beim Hohenloher Unternehmen Bürkert gemacht. Nach ihrer Meisterprüfung steckt sie mitten im Dualen Studium „Maschinenbau“.

Larissa Wohlfarth setzt ein neues Werkzeug in die Maschine ein. Bei Bürkert hat sie ihre Ausbildung gemacht und nun auch ihr duales Studium.
Larissa Wohlfarth setzt ein neues Werkzeug in die Maschine ein. Bei Bürkert hat sie ihre Ausbildung gemacht und nun auch ihr duales Studium.  Foto: Landes, Klara

Der Weg zu ihrem Maschinenbau-Studium war ungewöhnlich. Larissa Wohlfarth aus Ingelfingen machte nach ihrem Hauptschulabschluss die Mittlere Reife. Die 23-Jährige wusste zunächst nicht, wie es weitergeht – und entschied sich für die gewerbliche Schule in Künzelsau. Dort wählte sie den mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt. Das heißt: Auch Elektronik und Metall waren fortan ihr Metier.

Junge Handwerkerin startet nach Meister Maschinenbau-Studium bei Bürkert

Und dann? „Die Firma Bürkert ist hier in der Gegend schon sehr präsent“, meint Wohlfarth. Und informierte sich, welche Ausbildungen es dort gebe. Eines war sonnenklar: Sie wollte keinen Bürojob. Also bewarb sie sich für die Ausbildung zur Werkzeugmechanikerin – und wurde als Industriemechanikerin genommen. Sie bestand die Lehre, aber damit war es noch nicht getan. Nun darf sie sich Meisterin nennen.

Hohenloherin lässt sich nicht aufhalten: Von der Hauptschule zur Hochschule

Denn: Neben ihrer Arbeit in der Abteilung für Qualitätssicherung am Bürkert-Standort Gerabronn absolvierte Wohlfarth die Meisterschule. Das hört sich anstrengend an. „Und das war es auch“, sagt die junge Handwerkerin. Viel Unterstützung habe sie in dieser Zeit von ihrer Mutter und ihrem Freund bekommen. Sie hätten unter anderem dafür gesorgt, dass sie – auch wenn es spät wurde – noch ein Abendessen bekam. „Es sind schon ein paar Hobbys draufgegangen“, bedauert sie. Abends in der Schule zu sitzen sei aber nicht schlimm gewesen, sie habe dabei neue Freunde gefunden.

Junge Meisterin startet duales Studium bei Bürkert in Hohenlohe

Als beste Jungmeisterin des Jahrgangs 2024/2025 schloss sie die Prüfung ab und gewann den mit 1000 Euro dotierten Frauenpreis der IKK Classic. „Meine Familie ist schon stolz auf mich.“ Sie habe sich Mühe gegeben, gute Noten seien ihr wichtig, erklärt Wohlfarth. Auf Sprüche wie „Du bekommst nur eine gute Note, weil du eine Frau bist“, kann sie nun entgegnen, dass sie durch ihren Willen und ihre Mühe etwas gewonnen hat.

Ist es als Frau schwerer in diesem männerdominierten Beruf? Große Probleme habe es nicht gegeben, „Bürkert zieht einen da echt gut durch.“ Sie sei die einzige Frau in ihrem Lehrjahr gewesen, sei aber von den Männern unterstützt worden – das habe sie so nicht erwartet. „Die haben da gar keinen Unterschied gemacht“, sagt Wohlfarth.

Fertigungstechnik und Werkstoffkunde, Handwerkerin profitiert im Studium von praktischen Erfahrungen

In ihrem jetzigen dualen Studiengang „Maschinenbau“ seien mehr Kommilitoninnen als gedacht. Manche hätten schon an ihrer Wahl gezweifelt. Das gilt nicht für sie: „Jetzt wird das durchgezogen“, ist sie entschlossen. In ihrem Umfeld kenne sie wenige Frauen, die sich für technische Berufe interessieren. „Das finde ich schade, dann wird es ja nie besser.“ Sie vergleicht das mit dem Beruf des Erziehers: Davon gebe es auch viel zu wenig, meint Wohlfarth.

Für den Meister entschied sich Wohlfarth damals, um im Berufsleben mehr Chancen zu haben. „Und so ging es dann weiter“, sagt sie. Als frisch gebackene Meisterin trat sie 2024 direkt das Maschinenbau-Studium an der DHBW Mosbach an. Es sei nicht so, dass die furchtbar gerne lerne, aber es falle ihr leicht. „Ich mag es, praktische Sachen zu verstehen und mitreden zu können“, erklärt die 23-Jährige. Ohne Abitur sei es schwierig zu studieren, vor allem Mathematik fordere sie heraus. In Nebenfächern wie Fertigungstechnik und Werkstoffkunde habe sie dafür mehr praktische Erfahrung als viele ihrer Kommilitonen. „Allein, dass ich studiere, macht mich stolz“, da sie auf der Hauptschule war, habe das keiner erwartet. „Irgendwie finde ich das cool.“

Ausbilderin oder Abteilungsleiterin: Junge Meisterin will Job, der ihr gut gefällt

Das Studium besteht aus Unterrichts-Blöcken in Mosbach und Arbeits-Blöcken bei Bürkert. Dort ist Wohlfarth derzeit am Standort in Ingelfingen in der Abteilung Forschung und Entwicklung eingesetzt. Hier entwickelt sie gemeinsam mit den Kollegen Ventile weiter und überlegt sich neue Produkte. Das alles passiert vor allem am Schreibtisch, die Werkstatt vermisse sie schon, erklärt die Studentin.

Wie es nach dem Studium 2027 weitergeht, das weiß Wohlfarth noch nicht. „Ich will nicht stehen bleiben.“ Ihr ist es wichtig, einen Job zu haben, der ihr zu 100 Prozent gefällt, sagt die 23-Jährige. Vielleicht als Ausbilderin oder Abteilungsleiterin.

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