Rathaussturm in Krautheim: Lemia-Narren fesseln Bürgermeister Insam
Ein als Cäsar verkleideter Bürgermeister Andreas Insam übergibt Stadtsäckel und Rathausschlüssel an die Narren der Lemia Krautheim. In der Rede zum Rathaussturm klingt Kritik an.

Es ist eine gut gelaunte Meute, die gelb-blau kostümiert das Rathaus stürmt, während bei den draußen wartenden Schaulustigen die Krautheimer Stadtkapelle „Hey! Das geht ab, wir feiern die ganze Nacht!“ anstimmt.
Ohne Hindernisse erreichen an diesem Freitagabend der Elferrat, die Soldaten, Amtmann Stumpf und Götz, der zuvor die Gruppe auf den hölzernen Lemia-Arsch einen Narren-Eid hat schwören lassen, das Amtszimmer des Bürgermeisters Andreas Insam. Im weißen Gewand und mit goldenem Lorbeerkranz gekrönt empfängt er die Horde. Der „Cäsar“ hat den überdimensionierten Schlüssel zum Rathaus und den Stadtsäckel schon bereit gelegt.
Narren übernehmen das Rathaus
Nach einem kurzen scherzhaften Gefecht zwischen Sitzungspräsidentin Sibylle Weisl und Insam – und einem kurzen Begrüßungsgetränk – übergibt der Bürgermeister beides an sie: Wie es die Tradition will, übernehmen die Narren an diesem Abend die Rathaus-Geschäfte, bis Aschermittwoch.
Imperator Insam wird mit einem Strick gefesselt und muss sich nun vor den Schaulustigen vor dem Rathaus verteidigen – im Zwiegespräch mit Weisl. Die äußert dabei anfänglich Skepsis: Allzu leicht hätten die Narren ins Rathaus vordringen können. „Bis jetzt ham sich alle Bürgermeister dagegen gewehrt, was das Unterfangen meist extrem erschwert“, reimt sie.
Leere Kassen: Imperator will mit Raubritter gemeinsame Sache machen
Ihr Riecher, dass der Bürgermeister etwas im Schilde führe, ist der richtige: Der gefesselte Cäsar gibt zu: „Ich brauch euren Götz um ihn zu spannen vor meinen Karren. Denn ich, der Imperator, und ein echter Raubritter: Da werden unsren Feinden die Knie zittern“. Dafür schmeiße er „euch die Stadtkass’ in den Rachen“. Aber „wie halt immer: Sie ist leer.“ Gemeinsam könnten die beiden Feldherren Krautheim wieder „zu neuem Glanz“ bringen.

Cäsar befiehlt: Kolosseum soll auf ZG-Areal gebaut werden
Und da haben sie viel zu tun, wirft Weisl vor, die in den folgenden Versen einige Dinge aufzählt, die wenig glänzen, in der Stadt an der Jagst: Das ZG-Gelände, auf dem das neue Zentrum der Stadt entstehen sollte: „Außer Schotter und Automaten gibt’s da nix zu sehen“. Was der Imperator da für eine Vision habe? Ein Kolosseum! Wagenrennen soll es geben und er bilde Ortsvorsteher und Stadträte zu Gladiatoren aus: „Das beschert uns bei Stadtratssitzungen wieder volles Haus.“ Der Eintritt werde allerdings gebührenpflichtig.

Weisl zählt weitere Probleme auf: Krautheim brauche mehr Besucher. Vielleicht mit einer Therme, „Kuharsch und Tretbecken langt nicht mehr“. Der Bauhof sei schon mit Bohrungen beauftragt, antwortet Cäsar. Aber wo sollen die Touristen „buche? Kraude is ne Diaspora in der Hotelzimmersuche“, wirft Weisl vor – Cäsar verspricht: Die Stauferburg werde zum Hotelbetrieb, mit Sterneköchen, mit kulinarischen Genüssen wie. Zuletzt nennt Weisl das „Areal vom Menrath, gleich neben Wöhrle an der Jagst da drunne“, Cäsar träumt vom „Hafen größer wie in Hamburg“, gebaut vom Biber – „da werden wir auch durch die Gesetze vom Amtsschimmel nicht geknebelt“.
Versöhnung am Freibierfass
Weisl mahnt: „Vergesse Sie aber bloß net, Förderanträge zu stellen. Das hatten wir in der Vergangenheit zu genüge“. Dann übernehmen die Narren das Amt – und lassen den Bürgermeister das Freibier-Fass für die folgende Feier anstechen.
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