Leben retten mit der App
Hohenlohekreis ist jetzt Region der Lebensretter. Rund 220 Helfer haben sich bereits gemeldet

Beim plötzlichen Kreislaufstillstand muss es schnell gehen. Bereits nach drei bis fünf Minuten, erklärt Intensivpfleger Jürgen Bollgönn-Kirch, entstünden Schäden, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Umso mehr Glück hat der, der einen Ersthelfer in der Nähe hat. Damit die noch schneller – schneller als der Rettungsdienst – zur Stelle sind, ist in dieser Woche der Startschuss für die „Region der Lebensretter“ gefallen. Das System alarmiert bei einem Notfall, wie einem plötzlichen Kreislaufstillstand, qualifizierte Ersthelfer in unmittelbarer Nähe. Der DRK-Kreisverband hat die Smartphone-basierte Ersthelfer-Alarmierung eingeführt, doch mit im Boot sitzen noch viele mehr, wie die Auftaktveranstaltung in der Kreissparkasse in Künzelsau zeigt. Allen voran die Berner Stiftung, die als Hauptsponsor, eine Summe von 35 000 Euro gespendet hat.
In Bretzfeld haben sich bisher die meisten Helfer gemeldet
Doch ohne einen beharrlichen Kämpfer – und da sind sich alle Besucher einig – wäre das System noch lange nicht im Kreis. Jürgen Bollgönn-Kirch ist Mitglied im DRK-Ortsverein Bretzfeld und hat dafür gekämpft, dass die Helferalarmierung auch im Kreis etabliert wird.Ende vergangenen Jahres ist die Rettungsleitstelle in Gaisbach angebunden worden. Und nach dem Probestart sind es bis zu dieser Woche rund 220 Helfer, die sich angemeldet haben. Aushängeschild ist Bretzfeld mit aktuell 53 Menschen.Über allem steht der Verein „Region der Lebensretter“, der 2017 in Freiburg gegründet wurde. Geschäftsführerin Judith Joos gibt einen Überblick, wie die App, die deutschlandweit nach und nach zum Einsatz kommt, funktioniert. 19 000 Einsätze gab es bereits, und im Land sind 43 000 Ersthelfer gemeldet – Tendenz steigend.
Wie eine Registrierung funktioniert
Registrieren können sich alle Ersthelfer mit einer medizinischen Qualifikation mit mindestens einer Ausbildung zum Sanitätshelfer. Ein paar Mal am Tag wird mittels der App der Standort des Helfers errechnet. Kommt es dann an einem Ort zum Kreislaufstillstand, wird wie gewohnt der Rettungsdienst unter der Notrufnummer gerufen, der schnellstmöglich losfährt. Zeitgleich sucht die App vier Ersthelfer, die in der Nähe des Unglückorts sind und schneller dort sind als der Rettungsdienst. Nur der Alarm wird aktiviert und die Helfer können zum Ort eilen und schon früh lebensrettende Maßnahmen beginnen.
Überlebenschancen können vervierfacht werden
Die Überlebenschancen können sich laut Verein so verdoppeln bis vervierfachen. Leitlinien empfehlen bereits seit fünf Jahren, dass Ersthelfer über solche Apps alarmiert werden sollten. Auch die Defibrillatoren in der Region werden mit einbezogen. Sie sollen von einem der vier Ersthelfer genutzt werden. Die Aufgaben werden unter vier Helfern verteilt (Reha, Defibrillator besorgen, Rettungsdienst einweisen). Die alarmierten Helfer untereinander sehen ebenfalls, wo sie sich befinden und Kontakt aufnehmen.
Software wird ständig verbessert
Die Software werde ständig aktualisiert und die Zeit bis zum Eintreffen am Unglücksort immer geringer, erklärt Joos. Und damit Helfen einfacher wird, gibt es zur Registrierung eine Tasche mit Handschuhen, Westen und Beatmungsbeutel. Stefan Baier, Vertreter des Präsidiums und Kreisverbandsarzt, betont in seiner Rede, genau das sei „gelebte Solidarität und moderner Bevölkerungsschutz“ und lobt die Sponsoren. Neben Berner sitzen auch die Stiftung des Hohenlohekreises und der Lions Club mit im Boot und übernehmen die Restsumme, die zum Projektstart nötig ist. Die Sparkasse, die Volksbank und die Raiffeisenbank finanzieren das zweite und dritte Jahr.
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