Schlitzohriger Wahl-Hohenloher
Kreisarchiv zeigt Karikaturen von Heinz Knaus im Landkreis-Pavillon am Cappelrain
Der echte Hohenloher hat einen Schlitz im Ohr. Auch wenn er, der Hohenloher, so echt gar nicht ist. Wie beispielsweise Jochen K. Kübler, Helmut M. Jahn oder Volker Lenz: Schwaben sind sie alle miteinander. Als vor 25 Jahren der unzweifelhaft schwäbische Ministerpräsident Erwin Teufel nach Hohenlohe zu Besuch kam, hielten sich die Amts- und Würdenträger die Hand aufs rechte Ohr, um den Schlitz zu verbergen.
So jedenfalls zeichnete sie der Karikaturist Heinz Knaus, und der musste es schließlich wissen. War er doch, der aus Bietigheim gebürtige Schwabe, einer der schlitzöhrigsten Wahl-Hohenloher überhaupt, die in den vergangenen Jahrzehnten im öffentlichen Leben standen.
Recht eigentlich war es nicht der stets überaus bescheidene Knaus selbst, der im öffentlichen Leben stand. Es waren die unverwechselbaren Gesichter und Szenen seiner Karikaturen, die im Öhringer Faschingsblatt Hamballe und in der Hohenloher Zeitung über gut sechs Jahrzehnte zu dem wurden, was man heute eine Marke nennen würde.
Nachlass Nachdem Heinz Knaus im Sommer 2013 im Alter von 88 Jahren verstorben war, übergab seine Witwe Annelie rund 2500 Karikaturen aus seinem Nachlass als Schenkung an das Kreisarchiv. Die fragilen Kompositionen aus Papier, Tusche und Farbe sollten für die Nachwelt fachgerecht aufbewahrt und, bei passender Gelegenheit, öffentlich präsentiert werden. Die erste Gelegenheit ist nun die Landesgartenschau.
Da hängen sie hinter Glas, die Knaus’schen Karikaturen. Er selbst hatte seine Druckvorlagen meist, sorgsam in DIN-A4-Umschläge verpackt, persönlich in der HZ abgegeben. Wenn dann der Redakteur das Werk aus der Hülle zog und anerkennend grinsend die neueste gezeichnete Schlitzohrigkeit betrachtete, dann war dies für Heinz Knaus Ansporn genug, seine schier unerschöpfliche Fantasie für die nächste Zeichnung in Bewegung zu setzten.
Sortiert Nun also hinter Glas und thematisch sortiert: Hohenlohe und die Hohenloher, Lebensmittelpunkt Öhringen, die Kreisstadt Künzelsau, Verkehr und wenig anderes mehr. Die Auswahl ist sehr übersichtlich, allein schon wegen der auf sieben Stellwände beschränkten Menge. Mehr als eine kurze Einführung, die thematischen Stichworte und die von Knaus verfassten Unterzeilen bekommt der Betrachter nicht zu lesen. Für Jüngere wäre mehr vielleicht hilfreich. Nicht jedes bekannte Gesicht von einst ist heute noch im kollektiven Bewusstsein verankert. Und sei es nur, weil die Falten im Lauf der Jahrzehnte stark zugenommen haben. Aber es wird dies ja hoffentlich nicht der letzte Blick in den schier unerschöpflichen Knaus’schen Fundus sein.
Die Ausstellung "Mit spitzer Feder und sanftem Spott" ist bis zum letzten Laga-Tag, Sonntag, 9. Oktober, im Landkreis-Pavillon zu besichtigen, danach von Dienstag, 11., bis Freitag, 28. Oktober, im Foyer des Landratsamtes Künzelsau.

Stimme.de
Kommentare