Landesgartenschau in Öhringen eröffnet
Nobles Weiß im Hofgarten, goldgelbe Blüten an der Schlossbrücke und jede Menge Rot entlang des Limes' - Öhringen hat sich herausgeputzt. Die 26. Landesgartenschau ist eröffnet.
Heilige marschieren nicht ein an diesem denkwürdigen Freitagmorgen. Aber die Atmosphäre ist dennoch himmlisch, als die ersten 600 Gäste der Landesgartenschau um 8.52 Uhr mit dem Sonderzug aus Stuttgart am Hauptbahnhof eintreffen und von den Öhringern mit dem Song „When the saints go marching in“ empfangen werden. Und als die Menschen über die Bahnhofstraße zum Marktplatz schreiten, wirkt das fast wie eine Prozession. Die Laga-Macher hatten ihr grünes Geheimnis gehütet bis zum Schluss. Jetzt dauert es nur noch wenige Minuten, bis es gelüftet wird.
Traum Im kleinen Schlosshof singen Kinder und Schüler den Flöhri-Song. Rathaus-Mitarbeiter stehen an den offenen Fenstern und schwenken Fähnchen. Als Thilo Michler das Tor zum Garten-Paradies öffnet, knallt es laut. Dann regnet es Blütenblätter. Einer von vielen Gänsehaut-Momenten. „Genießen Sie diese Blickachse. Sie ist einfach nur ein Traum“, hat der OB kurz davor versprochen. Die Besucher gelangen über die goldene Treppe in den Hofgarten und kosten den historischen Augenblick voll aus. Der erste Rundgang über den Cappelrain zur Cappelaue wird zum reinen Genuss. Weil das Wetter mitspielt und die Sonne das Gelände in ein angenehmes Licht taucht. Alles leuchtet. Alles blüht. Alles grünt. Die Leute können sich kaum sattsehen an den neuen Eindrücken.
Um 10.30 Uhr beginnt der offizielle Teil, auf der Sparkassenbühne. Der Oberbürgermeister tritt ans Mikro und sagt: „Alle Landesgartenschauen seit 1980 waren gut, viele waren sehr gut. Das, was wir in Öhringen haben, ist einmalig. Ich bin überzeugt: Es wird die schönste Gartenschau, die es je gegeben hat.“ An diesen Worten wird er sich messen lassen müssen. Bis 9. Oktober. „Unser wichtigstes Ziel war die Nachhaltigkeit. Dafür haben wir 28 Millionen Euro investiert. Öhringen wird noch viele Jahrezehnte von dieser Gartenschau profitieren.“ Dann geht der Vorhang auf. Und die Limes-Stelen am Bühnenrand werden mit jeder Minute bunter. Am Ende sind sie mit 40 Blumensträußen bestückt. Sie stehen für die 40 Aussteller, die der OB einzeln vorstellt.
SWR-Moderatorin Ulrike Hagenbuch interviewt anschließend den Vorsitzenden jenes Zusammenschlusses, der wie kein anderer infiziert ist von der Idee der Landesgartenschauen: bw-grün, die Förderungsgesellschaft der Lagas in Baden-Württemberg. Professor Hubert Möhrle erklärt, was der Sinn jeder Gartenschau ist: „Es geht um ein Lebensgefühl und darum, Städte besser zu machen und Freude zu bereiten und mit dem Auge durch die Schauen zu laufen und zu sagen: Mensch, in diesen tollen Städten lebe ich.“ Dieser „städtebauliche Aspekt“ sei immer stärker in den Vordergrund gerückt.
Der Mehrwert für Öhringen ist das eine, der Vorteil für den Kreis und die ganze Region das andere. Denn natürlich strahlt die Laga weithin aus. „Wenn die Besucher nach außen tragen, dass sich im Hohenlohekreis gut arbeiten und wohnen und Urlaub machen lässt, haben wir unseren Auftrag erfüllt“, sagt Landrat Dr. Matthias Neth. Und natürlich reicht der Blick viel weiter, etwa schon auf 2019 und die Buga in Heilbronn. Die Gruppe „Rock and Dance“ stimmt darauf ein.
Alexander Bonde, Minister für ländlichen Raum und Verbraucherschutz, spricht von einer „fantastischen Gartenschau“, sie sei ein „Meilenstein“ für die Stadtentwicklung Öhringens: „Wir hätten keinen besseren Ort für diese Laga haben können.“ Öhringen habe die Idee, eine „grüne Urbanität“ zu schaffen, die „weit über die Laga hinausgeht, mustergültig umgesetzt“. Deshalb seien die 14 Millionen Euro des Landes sehr gut investiert.
Um 11.50 Uhr sagt er den Satz, auf den alle gewartet haben: „Ich erkläre die 26. Landesgartenschau für eröffnet.“ Katjana Schulze, die Botschafterin und damit das „Gesicht“ der Öhringer Laga, singt „One moment in time“. Es hat etwas Heiliges. Die Pfarrer greifen die Stimmung auf und sprechen ihren Segen. Dann brechen die Menschen auf und spazieren: zwischen Cappelaue und Hofgut, Cappelrain und Hofgarten. Und sie spüren das besondere Gefühl dieses Anfangs, dem ja immer ein gewisser Zauber innewohnt.
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