Stimme+
Lebenskünstler aus Hessenau
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Hohenloher Musiker Kurt Rösch ist tot – „eine Ikone der Einfachheit“

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Liedermacher, Kabarettist und Lebenskünstler Kurt Rösch ist tot.  Der Hohenloher wurde nur 68 Jahre alt. Berühmt wurde er mit dem „Mouschdblues“ – und seinem Lebensstil. 

Von Holger Ströbel
Kurt Rösch, ein Hohenloher Original: nur echt mit Seehundschnauzer und Mähne. Dieses Foto entstand beim Privatkonzert für Ministerpräsident Winfried Kretschmann.
Kurt Rösch, ein Hohenloher Original: nur echt mit Seehundschnauzer und Mähne. Dieses Foto entstand beim Privatkonzert für Ministerpräsident Winfried Kretschmann.  Foto: Christine Hofmann

Schone Dich nicht! Auf einem Schild über der Bar hinter dem Haus von Kurt Rösch stand das geschrieben. Diese Maxime galt für die vielen Partys, Konzerte, Zusammenkünfte und vom Hausherren gerne „Armenspeisung“ genannten Kochabende in Hessenau bei Kirchberg/Jagst.

Es galt aber sicher auch für den Menschen, der hier nahe der Jagst und direkt unterhalb von Leofels eine Heimat gefunden hatte. Viele kennen das charakteristische Pferdegerippe im Garten oder die „Biertankstelle“ im Hof. Noch mehr kennen den Hausherrn Kurt Rösch. Jetzt ist der Liedermacher, Kabarettist, Texter, Gastwirt, Schreinermeister und Lebenskünstler gestorben. Er wurde nur 68 Jahre alt.

Musiker Kurt Rösch ist tot – bekannt für hohenlohische Texte

Schnell ist man mit Begriffen wie Original oder Legende bei der Hand, wenn es um Menschen wie Kurt Rösch geht. Weil der Mann mit dem Seehundschnauzer und der zuletzt schnell ergrauten Mähne sein Leben ganz anders gelebt hat als viele andere. Weil er sich in seinem Stil und Wesen von niemandem beirren ließ. Weil ihm etliches ziemlich wurscht war, was für die meisten seiner Zeitgenossen essenziell ist. Dafür haben ihn manche verlacht, andere beneidet, viele bewundert.

Kurt Rösch hat mit der Band Praxis als Erster Rockmusik mit hohenlohischen Texten gemacht (ohne, dass es peinlich gewesen wäre), später mit „Johkurt und Paulaner“ eine Art augenzwinkernd-derbe Form von Musik-Comedy erfunden, mit der „Ochsenbrut“ einen ganz speziellen literarischen Kosmos geschaffen, bei den Burgschauspielen Leofels die Kinder als „Tapferes Schneiderlein“ und „Räuber Hotzenplotz“ begeistert. Er hat mit Songs wie dem „Mouschdblues“ oder dem „Muswiesagribbl“ Hohenloher Hymnen geschrieben, deren Verse viele auswendig hersagen können.

Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Ein Highlight in seiner Karriere war ein Privatauftritt für Ministerpräsident Winfried Kretschmann: Im Jahr 2015 spielte er in Langenburg seinen „Mouschdblues“ für den Landesherrn, als dieser auf Wandertour durch Hohenlohe war. Der Ministerpräsident fand’s amüsant, trank aber doch lieber Apfelschorle.

Ton, Steine, Scherben und Udo Lindenberg: Welche Vorbilder Kurt Rösch geprägt haben

Besonders wichtig genommen hat sich Kurt Rösch beileibe nicht. Aufgewachsen ist er in Langenburg, als siebtes von neun Kindern. In Gerabronn ging er zur Schule, Zivildienst hat er in Weckelweiler gemacht, später eine Schreinerlehre und es in diesem Beruf zum Meister gebracht. Geschreinert und gewerkelt hat er immer gerne – und sein Meisterstück, einen Schreibtisch, stets in Ehren gehalten.

Aber seine eigentliche Liebe war eindeutig die Musik: am liebsten laut, krawallig, ungehobelt und aufrührerisch. Das „Rocktheater Praxis“, gegründet 1981, bot Rösch die passende Plattform. Das Musiktheater „Ein Tag aus dem Leben des Arbeiters Schulze“ wurde von der Band 1982 in der Langenburger Stadthalle uraufgeführt. Das roch ein bisschen nach Ton, Steine, Scherben und auch ein wenig nach Udo Lindenberg.

Bescheidenheit, Humor, Hohenloher Lebensart: Das bewundern Musiker-Kollegen an Kurt Rösch

Rösch und „Praxis“ entwickelten eine Art On-off-Beziehung, es gab Trennungen, Comebacks, auch mal Streit. Als Mitspieler Jürgen Gierke vom Tod seines alten Weggefährten gehört hat, sagt er, habe ihn das „Scho a weng troffa“. Im Hohenlohischen heißt das so viel wie: tief schockiert. „Kurt war immer ein Eigenbrötler“, sagt Gierke, „mit einem schrägen Humor und guten Ideen“.

Paul Grönsfelder, Inhaber des „Löwen“ in Bartenstein, hat mit Kurt Rösch das Duo Johkurt und Paulaner gebildet. Zusammen haben sie gut 30 Jahre lang die Bühnen der Region bespielt. „Wir hatten denselben Humor, ein ähnliches Hohenloher Grundverständnis und natürlich viel zu wenig Ehrgeiz“, sagt Grönsfelder. In Sachen Lebensstil sei Rösch „eine Ikone der Einfachheit“ gewesen. Statussymbole seien ihm völlig egal gewesen.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben