Kupferzeller Kritik an der Kochertalbahn: von Busspur bis Bürgerentscheid

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Warum viele Kupferzeller die Reaktivierung der Kochertalbahn zwischen Waldenburg und Künzelsau weiterhin ablehnen. Welche Alternativen favorisieren sie?

Reaktivierung Kochertalbahn: Beteiligungswerkstatt KupferzellTrassenführung im Blick: Planer Daniel Eller (ganz links) spricht mit Wolfgang Rau, Jürgen Häckel mit Bürgermeister Christoph Spieles (rechts daneben). Alexander Kufner schreibt seine Verbesserungsvorschläge auf gelbe Post-Its (ganz rechts), auch Joachim Deitigsmann (links daneben) hat einige kritische Punkte auf Lager.
Reaktivierung Kochertalbahn: Beteiligungswerkstatt KupferzellTrassenführung im Blick: Planer Daniel Eller (ganz links) spricht mit Wolfgang Rau, Jürgen Häckel mit Bürgermeister Christoph Spieles (rechts daneben). Alexander Kufner schreibt seine Verbesserungsvorschläge auf gelbe Post-Its (ganz rechts), auch Joachim Deitigsmann (links daneben) hat einige kritische Punkte auf Lager.  Foto: Ralf Reichert

Im Frühjahr 2027 soll der Kupferzeller Gemeinderat entscheiden, ob die Kochertalbahn reaktiviert werden soll. Bis dahin muss die Stadt Künzelsau als Projektträgerin noch ganz dicke Bretter bohren. Denn nach wie vor ist die Stimmung in der Gemeinde von breiter Ablehnung geprägt. Deutlich wurde das etwa bei einer Werkstatt am 21. März in der Carl-Julius-Weber-Halle, deren Ziel es war, die Einwohner zu beteiligen. 25 Kupferzeller waren da.

Volker Baumann: Frage nach der „Sinnhaftigkeit“

Was blieb hängen? „Ich habe dort keinen Bürger getroffen, der gesagt hätte, man brauche die Kochertalbahn unbedingt“, resümiert Volker Baumann in der Gemeinderatssitzung drei Tage nach diesem Treffen. „Es gibt noch viele offene Fragen und vor allem die Frage nach der Sinnhaftigkeit“, erklärt der Vorsitzende der FWV-Fraktion.

Jürgen Häckel: „Alternative Verkehre auf der alten Bahntrasse“

Jürgen Häckel war viele Jahre Gemeinderat in den Reihen der UWG. Seit der letzten Wahl im Juni 2024 sitzt er nur noch auf der Besucherbank. Die Stimme spricht mit ihm nach der Sitzung. Auch hier dasselbe Lied: Die Kochertalbahn fährt weitgehend an den Interessen der Kupferzeller vorbei. Keiner weiß, wozu man sie braucht. „Die aktuellen Busverbindungen in Richtung Künzelsau oder nach Waldenburg und Öhringen sind doch ideal“, sagt Häckel. „Auch aus den Teilorten klappt der Bustransfer in den Hauptort.“ Die neue Bahn sei deshalb eine Verschlechterung, weil dadurch parallele Busverkehre gestrichen werden müssten.“ Häckel fände es besser, wenn „alternative und innovative Verkehre auf der alten Bahntrasse fahren würden“, etwa kleinere und autonome Shuttles. „Das könnte ein Pilotprojekt sein.“ Dass nur ein Bahnverkehr gefördert werden könnte, versteht er nicht.

Bahntrasse ganz raus aus dem Ort? 

Viele störten sich zudem daran, dass die Trasse direkt durch die Ortsmitte führen soll. Sein Vorschlag, den auch andere besser fänden, lautet: die Bahntrasse ganz aus dem Hauptort heraus zu nehmen und die sie entlang der B19 zu planen. „Das habe ich Künzelsaus Bürgermeister Neumann bei der Beteiligungswerkstatt mit auf den Weg gegeben.“ Am besten wäre freilich, „man erweitert die B19 um eine Busspur und lässt die Bahn ganz weg“.

Wolfgang Rau: „Woher sollen all die Bahn-Fahrgäste kommen?“

Wolfgang Rau sagt bei dem Termin am 21. März, jeden Tag gebe es „60 Busverbindungen zwischen Kupferzell und Künzelsau“. Die Kochertalbahn solle täglich 3750 Fahrgäste aufnehmen. Rau fragt: „Woher sollen die kommen, dann müssten ja alle Busse voll sein?“ Auch er plädiert dafür, eine Extra-Spur für E-Busse einzurichten und auf einen stärkeren ÖPNV zu setzen. „Wenn die Kochertalbahn von Ohrnberg bis Waldenburg reichen und auch über die Taläcker würde, wäre das ja okay. So aber endet sie in Künzelsau im Tal – wo man riesige Flächen zum Parken bräuchte.“ Und: Dass Güterverkehr auf einer reaktivierten Bahn „kategorisch ausgeschlossen“ werde, kann er nicht verstehen.

Joachim Deitigsmann: „Sache ist prädestiniert für einen Bürgerentscheid“ 

FWV-Gemeinderat Joachim Deitigsmann zählt zu den größten Kritikern. Am liebsten würde er schon „viel früher grundsätzlich Nein sagen“, und nicht erst im zweiten Quartal 2027, wenn die finale Entscheidung ansteht. „Die Dinge liegen so weit auseinander“, dass sie nur noch schwer zusammengebracht werden könnten. „Ich bekomme auf der Straße keinerlei positive Rückmeldung. Alle sagen: Lasst diesen Quatsch bleiben.“ Deshalb: „Die Sache wäre prädestiniert für einen Bürgerentscheid.“ Künzelsau habe das Thema von vornherein falsch angepackt. Allzu oft habe sie „und vor vollendete Tatsachen“ gestellt. Dabei sei es doch so: „Kupferzell boomt seit zwanzig Jahren und ist schon oben. Deshalb brauchen wir die Bahn gar nicht.“

Timo Koeberer vermisst ein Gesamtkonzept

Auch Timo Koeberer, Fraktionschef der UWG, meint: „Den größten Nutzen hat Künzelsau, ansonsten fährt die Bahn durch Kupferzell.“ Er vermisst ein Gesamtkonzept. Ausbau der A6 und der B19, dazu die Elektrifizierung der Hohenlohebahn, die erst 2035 vollendet sein soll. Zu viele Verkehrsprojekte liefen nebeneinander her und seien zu wenig aufeinander abgestimmt.

Alexander Kufner: „Es bringt viel mehr, den Fernverkehr auszubauen“

Alexander Kufner sagt: „Den Fernverkehr auszubauen, eine Busspur einzurichten und auf autonomes Fahren zu setzen, bietet einen viel größeren Mehrwert als eine Straßenbahn zu bauen, die doch wieder irgendwo im Nirgendwo landet.“

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