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Künzelsau

Künzelsauer Hospiz will ein Zuhause für den letzten Weg sein

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So sieht es aktuell auf der  Baustelle des neuen St. Elisabeth Hospiz in Künzelsau aus. Welche Ideen für Raumgestaltung und Pflegekonzept es schon gibt und wann die Eröffnung geplant ist.

Silke Feinauer, die künftige Leiterin des Hospizes, ist zufrieden mit den Fortschritten auf der Baustelle. Sie hat schon ganz klare Vorstellungen davon, wie das Ganze einmal aussehen soll.
Silke Feinauer, die künftige Leiterin des Hospizes, ist zufrieden mit den Fortschritten auf der Baustelle. Sie hat schon ganz klare Vorstellungen davon, wie das Ganze einmal aussehen soll.  Foto: Ludwig, Tamara

Ein Schleifgerät heult auf, rhythmisches Hämmern hallt durch die noch leeren Zimmer und Flure. Aus einer Ecke dröhnt Rock ’n’ Roll Musik aus einer Lautsprecherbox. Auf dem von Baustaub bedeckten Betonboden geht es hinein in das Gebäude, das künftig Menschen auf ihrem letzten Weg ein Zuhause sein soll. Noch ist es wenig heimelig, die Mauern roh und rau, ein Loch im Boden gibt freie Sicht in den Keller, der Schacht für den geplanten Aufzug gleicht noch einem überdimensionierten grauen Kamin, Bauarbeiter queren die Flure, kommen aus der einen, verschwinden in der anderen Ecke. Die Arbeiten am Rösleinsberg in Künzelsau sind in vollem Gange, damit das St. Elisabeth Hospiz im kommenden Jahr eröffnen kann.

Betonboden und blaue Wände? Noch herrscht hier fast Rohbauzustand.
Betonboden und blaue Wände? Noch herrscht hier fast Rohbauzustand.  Foto: Ludwig, Tamara

Silke Feinauer, die künftige Leiterin der Einrichtung der BBT-Gruppe, hat dennoch schon ganz genau vor Augen, wie es hier einmal aussehen wird. Wo Bett, Schrank, Tisch oder ein großes Bild platziert werden, welche Farben die Wände zieren sollen, damit sich die Gäste wohlfühlen und ein „warmer, guter Ort mit einem guten Geist entsteht“, wie sie sagt. „Hier kommt eine Holzstatue hin“, sagt Feinauer und gestikuliert vor einer kahlen Wand im Flur, „daneben ein Regal mit einem Gedenkbuch“. Zum Einzug bekomme außerdem jeder Gast eine Rose geschenkt. Ist der Aufenthalt zu Ende, sollen die Blätter der Rose in einer Vase gesammelt und schließlich in einer Art Abschiedsritual verbrannt werden. Im Aufenthaltsraum mit seiner großen Fensterfront wünscht sich Feinauer ein Klavier. Hier hoffe man noch auf eine Instrumenten-Spende.

An solchen Details wird deutlich, wie genau Silke Feinauer weiß, was für ein Ort „ihr“ Hospiz werden, welches Gefühl hier herrschen soll. Die Gestaltung der Räumlichkeiten ist keine reine Frage der Optik, sie ist Teil eines pflegerischen Gesamtkonzepts, das den sterbenskranken Menschen bis zum Ende Lebensqualität und ihnen und ihren Angehörigen einen würdevollen Abschied ermöglichen soll.

Gestaltungsbeirat engagiert sich

Auch der Gestaltungsbeirat, bestehend aus vier Frauen, sei sehr aktiv und engagiert, bringe viele Ideen ein, sagt Ute Emig-Lange, Sprecherin der BBT-Gruppe. So soll in der Vorweihnachtszeit ein Adventsbasar veranstaltet werden zugunsten des Hospizes. Denn das Hospiz ist auf Spenden angewiesen. „95 Prozent der Kosten werden von den Krankenkassen übernommen, die restlichen fünf Prozent jedoch muss die Einrichtung selbst aufbringen“, erklärt Emig-Lange.

Uwe Schenkel bereitet das Verlegen von Stromkabeln vor.
Uwe Schenkel bereitet das Verlegen von Stromkabeln vor.  Foto: Ludwig, Tamara

Modernere Optik und notwendige Bauschritte

Bis es soweit ist, sind auf der Baustelle aber noch viele Schritte notwendig. „Aktuell werden Elektro- und Sanitärarbeiten durchgeführt“, erklärt Bauleiterin Kathrin Moll von der Firma Gauer Bau. Und als wäre das sein Zeichen gewesen, steigt Uwe Schenkel von Elektro Rappold aus Mulfingen in einem der künftigen Gästezimmer eine Leiter hinauf. Gut gelaunt zückt er den Akku-Bohrschrauber und befestigt Halterungen an den freiliegenden Holzbalken. Hier sollen Stromkabel entlanggeführt werden.

Draußen im Flur blickt durch das untere Drittel eines bodentiefen Fensters Rainer Bort herein – wohlgemerkt im zweiten Stock. Doch weder schwebt der Mitarbeiter von Holzbau Mögerle aus Künzelsau, noch muss er gerettet werden. Er steht auf dem Gerüst, das das Gebäude derzeit einmal komplett einfasst, und schaut konzentriert in die Baupläne. „Wir arbeiten gerade an der Unterkonstruktion der Fassade“, erklärt er. Insgesamt etwa sieben Wochen, schätzt er, werden die Arbeiten an der 470 Quadratmeter großen Außenfassade dauern, die im nächsten Schritt gedämmt werden soll.

Sein Gesicht hat das Gebäude aber auch so schon verändert. Das Satteldach ist verschwunden, stattdessen sitzt dort ein weiteres Vollgeschoss und verleiht dem Ganzen ein modernes Antlitz. Auch der Anbau steht bereits und der Haupteingang befindet sich nun im hinteren Bereich des Hauses, nicht mehr an der Stirnseite in Richtung Rösleinsbergstraße. Und wenn im allerletzten Schritt die Rosen vor dem Gebäude blühen und der Garten zum Verweilen einlädt, dann ist es fertig, das Zuhause für den letzten Weg.

Hospiz sucht noch Unterstützer

Rund vier Millionen Euro kostet der Bau des St. Elisabeth Hospiz, das derzeit gegenüber dem Ärztehaus Medi-Kün in Künzelsau entsteht. Dazu wird das Gebäude an der Rösleinsbergstraße 29, in dem zuvor der Pflegestützpunkt des Hohenlohekreises untergebracht war, saniert und durch einen Anbau erweitert. Bauherrin ist die Hohenloher Krankenhaus gGmbH mit der BBT-Gruppe als Mehrheitseignerin.

Bis zu acht sterbenskranke Menschen sollen dort künftig betreut werden können.Einige Pflegekräfte habe man bereits gefunden und eingestellt, so BBT-Sprecherin Ute Emig-Lange. Man suche aber weitere. Auch im Bereich Hauswirtschaft brauche man noch Personal, ergänzt die pflegerische Leiterin der Einrichtung, Silke Feinauer.

Die hauptamtlichen Mitarbeiter sind darüber hinaus auch auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen. Interessierte wenden sich an Silke Feinauer unter 0151 25250919, Email: s.feinauer@bbtgruppe.de. Infos zum Hospiz gibt es unter www.hospiz-hohenlohe.de

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