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Rettung in letzter Sekunde: Brüder ziehen 93-Jährige aus Kocher in Künzelsau

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Entschlossen und couragiert haben die Ejmad und Kastriot Demaku bei einem Notfall in Künzelsau gehandelt. Sie sprangen in den Kocher und retteten einer älteren Frau das Leben.


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Zwei Brüder haben am späten Montagnachmittag in einer Gemeinschaftsaktion eine 93-Jährige aus dem Kocher in Künzelsau gerettet. Zuvor hatte ihnen ein älterer Mann mitgeteilt, dass eine Frau im Fluss treibe. Mit ihrem entschlossenen und couragierten Handeln retteten Ejmad (37) und Kastriot Demaku (34) ihr das Leben.

Aus Kocher gerettet: Männer ziehen Frau in Künzelsau aus dem Fluss

Ejmad Demaku schildert einen Tag nach der Rettungstat, wie das Geschehen abgelaufen ist. Sein Bruder Kastriot, von allen kurz „Oti“ genannt, und er seien mit ihren vier Söhnen im Alter von zwei bis neun Jahren zum Fußballspielen auf dem Minifeld im Frankenweg am Kocher gewesen.

Die Brüder Ejmad und Kastriot Demaku retteten eine 93-jährige Frau aus dem Kocher
Die Brüder Ejmad und Kastriot Demaku retteten eine 93-jährige Frau aus dem Kocher  Foto: Hoffmann, Adrian

Als der ältere Mann ihnen von seiner Wahrnehmung berichtet hatte, seien sie losgerannt. Etwa 20 Meter entfernt habe ein Rollator an der Uferböschung gestanden, neben einer Sitzbank. Beim Rennen hätten sie bereits ihre Jacken ausgezogen, sagt Demaku. Dann hätten sie auch schon die Frau im Wasser gesehen, etwa drei, vier Meter vom Ufer entfernt.

Kastriot Demaku springt in den Kocher: „Da war ich im Schock, das Wasser war sehr kalt.“

Kastriot Demaku war etwas schneller am Fluss als sein Bruder und sprang gleich hinein. „Es hat etwas flacher ausgesehen, als es war“, sagt er. Nach dem Sprung sei er gleich untergegangen, habe nicht mehr stehen können. „Da war ich im Schock, das Wasser war sehr kalt, ich konnte mich erstmal kaum bewegen.“ Er sei an die Frau herangeschwommen, habe sie mit beiden Händen gepackt und an Land gezogen.

Am Ufer angekommen, schaffte Ejmad Demaku erst einmal etwas freie Fläche im Gestrüpp, damit die Frau dort liegen konnte bis zum Eintreffen der Rettungskräfte. In der Nähe habe sich eine Jacke befunden, mit der sie die Frau zudecken konnten. Inzwischen hatten weitere Zeugen mitbekommen, dass sich eine Frau in Not befindet. Ein 33 Jahre alter Mann habe den Notruf gewählt, heißt es in einem Polizeibericht von Dienstag.

Aus dem Kocher in Künzelsau gerettet: Brüder hoffen, dass es der Frau bald wieder besser geht

Die Brüder Demaku berichten, in diesem Bereich am Kocher gingen häufig ältere Menschen spazieren. In nächster Nähe befindet sich ein Pflegeheim. Ejmad Demaku erzählt, Altenpflegerinnen hätten sich anschließend bei ihnen bedankt und auch der Polizist, der hinzukam und den er privat vom Fußballspielen kenne, habe erfreut gesagt: „Ach, dass du Leben retten kannst: Hochachtung.“ Es sei selbstverständlich für sie gewesen, hier zu handeln, sagt Kastriot Demaku. Sie hätten gar keine andere Wahl gehabt. „In dem Augenblick, da denkst du nicht nach.“ Es sei zum Glück gerade noch hell gewesen, wenige Minuten später sei es dunkel geworden.

Er hoffe sehr, dass es der Frau wieder besser gehe und sie damit zurechtkomme, was passiert sei. Die Frau habe bereits zuvor eine Schulterverletzung gehabt, ihr Oberarm sei bandagiert gewesen, und sie habe wohl Schmerzen gehabt, als er sie aus dem Wasser gezogen habe, sagt Kastriot Demaku. „Die Frau hat uns sehr leid getan“, meint sein Bruder.

Retter spingt in den Kocher: Zweijähriger Sohn war verunsichert und bangte um seinen Vater

In einer solchen Situation seien sie zum ersten Mal gewesen. Er habe erst später gemerkt, dass sein zweijähriger Sohn geweint und gedacht habe, der Krankenwagen komme wegen Papa. Die Jungs habe er gleich wieder zurück auf das Fußballfeld geschickt, bis sich die Situation geklärt hatte. Völlig durchnässt kamen die Männer am Abend nach Hause. Ejmad Demaku lebt mit seiner Familie in Künzelsau, er arbeitet als Maschinenanlagenführer bei KSMA in Bieringen. Kastriot Demkau lebt mit Familie in Weißbach als Maschinensteller bei Arnold Umformtechnik in Dörzbach. Die beiden sind kosovarischer Herkunft und in Deutschland aufgewachsen.

Rettungskräfte brachten nach ihrem Eintreffen am Kocher eine Trage ans Ufer, berichten die Brüder. Erst dann hätten sie die Frau die Böschung hinaufbekommen. Im Polizeibericht heißt es, die Frau sei nach der Rettung bei Bewusstsein gewesen und zur weiteren Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht worden. „Wir sind einfach nur froh, dass wir da waren“, sagt Kastriot Demaku. Er glaube, wenige Minuten später wäre nichts mehr zu machen gewesen.

Nach Rettung in Künzelsau: Anerkennende Worte für die Retter von Polizeipräsident Frank Spitzmüller

Angesichts der vielen schlechten Nachrichten, die jeden Tag überbracht werden, freut man sich auch bei der Polizei über den Verlauf des Geschehens in Künzelsau. „Es ist ein außergewöhnlicher Fall, bei dem sich alle Beteiligten in einer kritischen Situation selbstlos für andere eingesetzt haben“, sagt Polizeipräsident Frank Spitzmüller.

„Den Rettern gilt meine Anerkennung, denn ihr mutiges Handeln hat ein Menschenleben gerettet.“ Dieses Verhalten erinnere sie daran, wie wichtig Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft seien, so Spitzmüller.

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