Kreistag beschließt Kostenbremse fürs neue Kreishaus in Künzelsau
Die Kreisverwaltung soll bis Februar 2025 prüfen, wie ein Generalübernehmer die aus dem Ruder gelaufenen Ausgaben drosseln kann. Dann entscheidet der Kreistag über die Ausschreibung.

Die Pläne zum Neubau des Landratsamts sollen noch einmal gründlich überprüft werden. Der Kreistag ist sich einig, dass die aktuell geschätzten Kosten für den ersten Bauabschnitt viel zu hoch liegen. Am Montag beauftragte er die Verwaltung bei einer Enthaltung, die Vergabe aller weiteren Planungs- und Bauleistungen an einen Generalübernehmer zu prüfen. Dieser Dienstleister soll dafür Rechnung tragen, dass der Neubau nicht mehr als maximal 70 Millionen Euro kostet – womöglich auch weniger.
So schaukelte sich der Konflikt hoch
Die aktuellsten Schätzungen gingen von 76,6 Millionen Euro aus. Im Sommer 2021 waren 75 Millionen Euro für den ersten und zweiten Bauabschnitt genannt worden – inklusive Abriss des B-Baus. Die Verwaltung hielt sich danach bedeckt, bis im Herbst 2023 die Bombe platzte und plötzlich 69,6 Millionen Euro nur für den ersten Verwaltungstrakt genannt wurden, in dem alle zentralen Bürgerdienste vereint sind. Das sorgte für erheblichen Unmut bei vielen Kreisräten. Deren Ärger wurde noch größer, als die Verwaltung im April 2024 kund tat, dass der Trakt nicht im Frühjahr 2027 fertig wird, sondern erst 2029.
Was das Fass zum Überlaufen brachte
Die neuerliche Kostensteigerung brachte das Fass schließlich zum Überlaufen. Landrat Ian Schölzel musste den Punkt am 4. November von der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung nehmen. Eigentlich hätte der Kreistag entscheiden sollen, von den 76,6 Millionen Euro Baukosten Kenntnis zu nehmen und die Einreichung des Baugesuchs auf den Weg zu bringen. Der Baustart war für Juli 2025 vorgesehen.
Kreistag fordert von potenziellen Partner klare Optimierungsvorschläge
Daraus wird jetzt nichts. Statt dessen wird die Verwaltung die Entwurfsplanung bis Ende Januar 2025 abschließen und parallel sondieren, welcher Generalübernehmer in Frage käme, die Kosten zu drücken und die Bauzeit festzuschreiben. Beide Vorgaben würden vertraglich garantiert. Im Rahmen dieser „Markterkundung“ wird die Verwaltung die Vergabe prüfen und das Ergebnis im Februar 2025 präsentieren. Dann entscheidet der Kreistag über die Ausschreibung. Er fordert von potenziellen Partnern, „Optimierungsvorschläge aktiv“ einzubringen.Landrat Ian Schölzel beteuert, es sei klar artikuliert worden, „dass wir die 70 Millionen Euro nicht überschreiten wollen“. Eine Steuerungsgruppe aus der Mitte des Kreistags wird diesen Prozess begleiten. Schölzel macht außerdem deutlich, dass dabei „auch noch substanziell in das Projekt eingegriffen“ werden und es somit auch „andere Ansätze geben könnte“ als die bisherigen.
Andere Kreise haben solche Bauprojekte ganz gestoppt
Der Landrat kann erstmal durchatmen. Denn: „Es gibt auch Kreise, die haben solche Projekte ganz gestoppt wegen der Finanzsituation.“ CDU-Chef Michael Foss betont: „Dass wir in nicht-öffentlicher Absprache in solch großem Einvernehmen daran festgehalten haben, ist alles andere als selbstverständlich bei der aktuellen wirtschaftlichen Lage.“ Aber: Man müsse jetzt vorankommen. Umso wichtiger sei, die Kosten viel strenger im Blick zu behalten. Weil: „Je teurer der erste Bauabschnitt wird, desto unrealistischer ist, dass wir in näherer Zukunft den zweiten Bauabschnitt angehen können“, der „ganz klar Teil dieses Konzepts ist“.
Daran will sich der Hohenlohekreis jetzt orientieren
Bei den Kosten will man sich jetzt am Landratsamtsneubau in Esslingen orientieren, der als Referenzprojekt dienen soll. Der wird ebenfalls mit einem Generalübernehmer umgesetzt. FDP-Kreisrat Michael Schenk meint, man solle sich lieber an dem Beispiel der neuen Kreisverwaltung in Ingelheim ausrichten: Die schlage bei ganz ähnlichen Raumgrößen mit Gesamtkosten von nur 46,5 Millionen Euro zu Buche.
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