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Neues Landratsamt in Künzelsau wird deutlich günstiger – 25 Millionen Euro abgespeckt 

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Der Kreistag hat einen Generalübernehmer beauftragt, der den ersten Bauabschnitt des neuen Landratsamts schlüsselfertig zu einem pauschalen Festpreis erstellen soll. Nachdem die Baukosten bis 2024 explodiert waren, sind jetzt fast alle zufrieden. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen. 


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Der Hohenlohekreis will das neue Landratsamt in Künzelsau für 51,5 Millionen Euro bauen. Die Ed. Züblin AG wird als Generalübernehmer beauftragt, den ersten Bauabschnitt bis zum zweiten Quartal 2029 schlüsselfertig zu einem pauschalen Festpreis von 44,6 Millionen Euro zu erstellen. Die übrigen Ausgaben in Höhe von 6,9 Millionen Euro entfallen auf den Grundstückskauf und sonstige Nebenkosten.

Der Kreistag fasste diesen Beschluss am Montag mit großer Mehrheit, es gab nur zwei Gegenstimmen und eine Enthaltung.

Neues Landratsamt in Künzelsau: Kosten sinken deutlich auf 51,5 Millionen Euro

Damit liegen die Gesamtkosten um 25,1 Millionen Euro niedriger als bei der letzten Schätzung im November 2024. Damals wurden 76,6 Millionen Euro aufgerufen, nachdem der Kreistag im Oktober 2023 den Baubeschluss eigentlich schon gefasst hatte mit einem Preisschild von 69,6 Millionen Euro.

Wobei: Anfangs hätten sogar der erste und zweite Bauabschnitt zusammen nur 60 bis 75 Millionen Euro kosten sollten. Im Herbst 2024 zog das Gremium dann die Reißleine, deckelte die Kosten zunächst auf 70, später auf 60 Millionen Euro und rollte das Vergabeverfahren für die Planung und den Bau noch einmal völlig neu aus. Dieser Prozess ist jetzt zu Ende. 

Das Hauptgebäude des Landratsamts in Künzelsau muss dringend ersetzt werden. Jetzt machte der Kreistag den Weg frei für einen Neubau.
Das Hauptgebäude des Landratsamts in Künzelsau muss dringend ersetzt werden. Jetzt machte der Kreistag den Weg frei für einen Neubau.  Foto: Reichert\, Ralf

Baustart und Zeitplan für das neue Landratsamt in Künzelsau bis zur Fertigstellung 2029

Wann ist der Baustart?

Im zweiten Quartal 2027 soll es losgehen. Im Dezember 2026 soll der Bauantrag eingereicht werden.

Wie lange dauern die Bauarbeiten?

Rund zwei Jahre sind dafür vorgesehen, sodass der Neubau im zweiten Quartal 2029 betriebsbereit ist. 

Wo wird der Neubau entstehen?

Auf der Fläche zwischen dem bestehenden Landratsamt und dem Kauflandgebäude in Künzelsau. 

Welche Vorteile bringt der Neubau?

Zentrale Dienstleistungen werden an einem Standort gebündelt. Dazu zählen die Kfz-Zulassung, das Baurechtsamt oder das Sozialamt. Der Bürgerservice soll dadurch genauso gestärkt werden wie die digitale Infrastruktur. Die Beschäftigen erhalten moderne Arbeitsplätze mit flexiblen Büros und Teamzonen. Die Abläufe sollen so noch effizienter werden. Baulich soll der Verwaltungstrakt neuesten Standards genügen: in puncto Sicherheit wie Nachhaltigkeit.   


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Neues Landratsamt in Künzelsau für weniger Geld: Warum nicht schon früher?


Warum eine Sanierung des alten Landratsamts in Künzelsau nicht infrage kam

Warum kann das alte Landratsamt nicht saniert werden?

Das wäre Experten zufolge zu aufwendig und unwirtschaftlich. Alle Untersuchungen haben ergeben, dass ein Neubau die beste Lösung darstellt – zumindest, um das Hauptgebäude A in der Allee zu ersetzen. Es ist am ältesten und baufälligsten und genügt den baulichen Standards schon länger nicht mehr. 

Wird es noch weitere Neubauten geben?

Das ist völlig unklar. Es existieren zwar Pläne, das Landratsamt um einen zweiten oder möglicherweise sogar dritten Bauabschnitt zu erweitern. Diese sind aber auf Eis gelegt. Der Kreis konzentriert sich vorerst auf diesen ersten neuen Verwaltungstrakt: vor allem wegen der prekären finanziellen Lage.   

Kann sich der Kreis ein neues Landratsamt überhaupt leisten?

Die Verwaltungsspitze und große Mehrheit des Kreistags sagen: Ja. Vor allem jetzt, da die Kosten so massiv gedrückt werden konnten. Die Alternative wäre, ein Gebäude anzumieten, was noch mehr kosten würde. Dass der Kreis ein neues Landratsamt benötigt, steht schon seit 15 Jahren fest. Deshalb hat er in den guten Jahren genügend Rücklagen gebildet, die dafür angelegt wurden. Insgesamt 25 Millionen Euro finanziert er so mit eigenen Mitteln. Das sind fast 50 Prozent der Gesamtkosten von 51,5 Millionen Euro. 

Finanzierung des Neubaus: Eigenmittel, Darlehen und Fördergelder im Überblick

Wie viel muss der Kreis über Kredite finanzieren? 

20 Millionen Euro schöpft der Kreis aus einem Darlehen, das er sich bereits im Sommer 2023 zu einem Zinssatz von 2,4 Prozent gesichert hat. Hinzu kommen fünf Millionen Euro aus einem Bausparvertrag. Die restlichen 1,5 Millionen Euro stammen aus einem Zuschuss des KfW-Förderprogramms „Klimafreundlicher Neubau - Kommune“, der bereits bewilligt wurde.  

Wie stark wird der Neubau den Kreishaushalt in den Folgejahren belasten?

Abschreibungen machen jährlich rund eine Million Euro aus, das Darlehen kostet 479.600 Euro und der Bausparvertrag 59.100 Euro pro Jahr. Somit wird der Ergebnishaushalt pro Jahr mit 1,57 Millionen Euro belastet. Hinzu kommen Tilgungszahlen im Finanzhaushalt in Höhe von 1,22 Millionen Euro, sodass im ersten Jahr in Summe 2,8 Millionen Euro herauskommen. Der Betrag wird mit der Zeit aber weniger.  

25,1 Millionen Euro weniger im Vergleich zu den letzten Schätzungen: Wo wurde am meisten gespart?

Die zwei Untergeschosse wurden gestrichen. Sie zu bauen wäre wegen des schwammigen und schwierigen Untergrunds sehr aufwändig gewesen. Die Parkplätze für Pkw und Fahrräder fallen damit komplett weg und werden nun in das Parkhaus der Stadt Künzelsau namens „Elsa“ verlagert, das direkt daneben entstehen wird. Die komplette Technik wandert vom Untergeschoss aufs Dach. Und: Weder gibt es das Atrium noch den Holz-Hybrid-Bau in der vormals geplanten Variante, weil der Brandschutz zu teuer gewesen wäre. An ihre Stelle treten ein Innenhof und Massivbauweise.   

Diese Einsparungen wurden beim Bau des Landratsamts in Künzelsau gemacht

Was ist der größte Unterschied zwischen der alten und neuen Planung?

Die alte Planung basierte auf einem städtebaulichen Wettbewerb, der in einen Architektenwettbewerb mündete. Architektonische und ästhetische Faktoren schlugen dabei viel stärker zu Buche als finanzielle Aspekte. Außerdem wären die Vergaben der Gewerke nicht in einem Paket möglich gewesen, sondern nur einzeln. Das öffentliche Vergaberecht kennt eigentlich auch nur diese Lösung, die per se immer teurer ist. Die jetzt gefundene Variante ist bislang die Ausnahme. Dabei managt ein Generalübernehmer den gesamten Bauprozess von der Planung bis zur Fertigstellung aus einer Hand, was unterm Strich viel günstiger ist. In der Regel werden Baukosten und Bauzeiten dabei vertraglich garantiert. Ob dies erlaubt ist, muss im Einzelfall rechtlich geprüft werden.   

Wie viele Interessen gab es?

Zunächst 15. Im Laufe des komplexen Bewerbungs- und Auswahlverfahrens trennte sich die Spreu vom Weizen, wodurch am Ende nur noch vier Bieter im Rennen waren, von denen die Ed. Züblin AG die Nase vorne hatte. Sie hatte  das wirtschaftlichste und qualitativ hochwertigste Angebot abgegeben und 91 von 100 möglichen Punkten geholt. Die finalen Mitbewerber lagen zwischen 4,77 und 14,46 Punkte dahinter.   

Wann erfährt die Öffentlichkeit weitere Details? 

Nach dem Kreistagsbeschluss gilt eine Stillhaltepflicht von zehn Tagen. Erst danach kann der Planer mit seiner Arbeit beginnen und der Kreis die Bevölkerung über nähere Details informieren. Dies soll am 7. Mai der Fall sein. 

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