Stimme+
Kommunaler Haushalt
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Ohne Zuschüsse geht in Krautheim gar nichts

   | 
Lesezeit  2 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Rücklagen schwinden, Schulden steigen: Krautheimer Haushaltsplan 2026 lebt von soliden Vorjahren.

Die Stadt Krautheim wird eines ihrer laufenden Großprojekte bald fertigstellen. Bis zu den Sommerferien soll die Rundumerneuerung von Dorfgemeinschaftshaus und Kindergarten in Klepsau fertig sein. Zwei Jahre hat diese Maßnahme gedauert, noch viel länger hatten die Klepsauer sehnlichst auf sie gewartet und waren wegen der klammen Krautheimer Kasse ein ums andere Mal vertröstet worden. 2,6 Millionen Euro hat die Stadt investiert, dabei kommen 700 000 Euro an Zuschüssen aus dem Ausgleichsstock sowie 750 000 Euro aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR).

Investitionen können in Krautheim nur mit Zuschüssen gestemmt werden

Genau das ist es auch, was alle größeren Investitionen in finanzschwachen Kommunen wie Krautheim eint: ohne Zuschüsse keine Umsetzung. Denn nur wenn man den Eigenanteil so gering wie möglich hält, sind solche Großprojekte überhaupt finanzierbar.

Der Haushaltsplan, den der Gemeinderat Krautheim bereits Ende 2025 beraten (wir berichteten) und nun in seiner Januar-Sitzung einstimmig beschlossen hat, zeigt, dass sich daran absehbar nichts ändern wird. Im Zeitraum 2026 bis 2029 stehen bei der Stadt Krautheim die Sanierung der Graf-Eberstein-Straße, die Dorfflurbereinigung Gommersdorf, der Breitbandausbau, die Anschaffung eines Schulcontainers für die Verlässliche Grundschule sowie die Innensanierung der Realschule auf dem Programm.

Belastungen für Krautheim sind hoch

Finanziert werden muss das größtenteils aus Zuschüssen, außerdem hofft man auf Erlöse aus Grundstücksverkäufen. Reichen wird das nicht. Auch der Griff in den Sparstrumpf lässt ich nicht vermeiden. „Die Rücklage wird auf den Mindestbestand sinken“, ist im Haushaltsplan zu lesen. Zusätzlich sind „Kreditaufnahmen von 800 000 Euro vorgesehen. Ein Anstieg der Schulden wird in den nächsten Jahren unvermeidbar sein.“

Wie hoch die Belastungen sind, lässt sich an zwei der erwähnten Maßnahmen besonders gut beobachten. Die Flurbereinigung Gommersdorf schlug 2025 mit 300 000 Euro zu Buche, 2026 sind es 200 000, in den darauffolgenden Jahren bis 2029 jährlich 1,5 Millionen Euro. Das sind insgesamt fünf Millionen Euro. Dem gegenüber stehen voraussichtlich 3,3 Millionen Zuschüsse von Land und Bund. 10,3 Millionen Euro sind verteilt auf 2025 bis 2029 für den Breitband-Ausbau veranschlagt. Hier werden 8,6 Millionen Euro Fördermittel erwartet. Auch wenn die Förderung üppig ausfällt, muss eine Kommune den Eigenanteil erst einmal stemmen können – neben weiteren wichtigen Pflichtaufgaben wie Schulen, Kindergärten, Straßensanierungen und Feuerwehr.

Solide Vorjahre entlasten, sind langfristig aber keine Lösung

Immerhin, das erklärt Bürgermeister Andreas Insam in seinem Vorbericht zum Haushaltsplan: „Durch die guten Entwicklungen in den Vorjahren haben wir eine solide Ausgangsbasis für das Jahr 2026.“ Bezug nimmt er dabei auf die Jahre 2021 bis 2024, die höhere Steuererträge brachten als kalkuliert. Allerdings, das betonte Insam bereits im Dezember: „Die Wirtschaft muss endlich wieder Fahrt aufnehmen.“ Trete diese Wende nicht ein, müsse man dick den Rotstift ansetzen und Projekte verschieben.

Die Klepsauer können derweil aufatmen. Sie haben die Zeit des Wartens hinter sich.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben