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Wettkampf der Bürgermeister

Kochertaler Weinsommer: Warum es dieses Weinfest unbedingt braucht

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Der Kochertaler Weinsommer etabliert sich bei seiner zweiten Auflage, selbst in dieser schwierigen Zeit für Winzer. Beste Unterhaltung durch drei Bürgermeister macht ihn besonders. Ihr feucht-fröhliches Spiel zum Auftakt hat einen überraschenden Sieger

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Die Gäste stoßen an mit Kochertaler Wein. Am späteren Abend werden die Bänke voll, nachdem der Regen pünktlich zu Festbeginn aufgehört hat. Deutlich mehr als 500 Gäste sind es am Ende auf jeden Fall.
, Die Gäste stoßen an mit Kochertaler Wein. Am späteren Abend werden die Bänke voll, nachdem der Regen pünktlich zu Festbeginn aufgehört hat. Deutlich mehr als 500 Gäste sind es am Ende auf jeden Fall.  Foto: Büchele, Torsten

Forchtenberg hat Grund zu feiern – einmal mehr. Fünf Wochen nach dem Wasenfest steigt an gleicher Stelle – der Festwiese vor den Toren des Städtchens – der Kochertaler Weinsommer. Die GVV-Kommunen Niedernhall, Weißbach und Forchtenberg planen mit diesem dreitägigen Event, das seit Samstag zum zweiten Mal nach der Erstausgabe im vergangenem Jahr in Weißbach in einem Ort des Gemeindeverwaltungsverbands stattfindet, einen Wiederaufschwung des Weinbaus im Kochertal.

Kochertaler Weinsommer: Warum es Kochertaler Winzer derzeit besonders schwer haben

Krisen kennen die Winzer derzeit zuhauf. Auch in den hiesigen Weinbergen klaffen immer größere Lücken. In Weißbach gibt es kaum noch welche. In Niedernhall hat die Stadt drei Hektar gekauft, um Brachen zu verhindern. In Forchtenberg ist Fröscher der Einzige, der noch Haupterwerb betreibt. Die anderen Mitglieder des Weinbauvereins wirtschaften im Nebenberuf. Vollerwerb rechne sich für sie nicht, altersbedingt haben viele reduziert, erklärt Bianca Noller vom Verein. Die meisten geben ihre Trauben der Genossenschaft Weinkellerei Hohenlohe. Ihr Rebensaft gehe „größtenteils in einen großen Tank“ – auf keinem Etikett steht, wo Kochertaler drin ist. Nur der Niedernhaller „Distelfink“ verrät seine Herkunft.

Immerhin: Die Ernsbacher Jens Gebert, der relativ neu dabei ist, und Herbert Pecho, „das wahrscheinlich kleinste Weingut Württembergs“, vermarkten unter eigenem Namen – ebenso Jägers Landhaus Rössle aus Niedernhall. Mit Gaufer aus Ingelfingen, der Lagen in Niedernhall besitzt, kommt so doch eine beachtliche Vielfalt an Tropfen zusammen, die es an Ständen rings um die Wiese zu kosten gibt.

Kochertaler Weinsommer: Wettkampf der Bürgermeister nimmt eine überraschende Wendung

„Dass die Leute heimischen Wein trinken“ und die Winzer eine Absatzmöglichkeit erhalten, seien zwei Ziele des Weinsommers, gibt Forchtenbergs Bürgermeister Michael Foss zu. Das erhalte die Kulturlandschaft. Die anderen heißen: Geselligkeit zelebrieren und die Zusammenarbeit im GVV feiern. Denn Letztere ist einmalig. Foss, Niedernhalls Stadtoberhaupt Achim Beck und Weißbachs Bürgermeister Rainer Züfle rocken zum Auftakt die Bühne: In einem feuchtfröhlichen Buttenlauf bestimmen die drei, welcher Ort im kommenden Jahr das Fest ausrichtet. Ein „Gerücht“ sei es, dass Beck bereits als Sieger feststehe, weil das Fest noch nie in Niedernhall war.

Auch wenn das Knie ziept: Rainer Züfle hat gut lachen. Weißbachs Bürgermeister gewinnt den Wettlauf mit der Butte vor seinen Amtskollegen aus Niedernhall und Forchtenberg.
Auch wenn das Knie ziept: Rainer Züfle hat gut lachen. Weißbachs Bürgermeister gewinnt den Wettlauf mit der Butte vor seinen Amtskollegen aus Niedernhall und Forchtenberg.  Foto: Büchele, Torsten

Nachdem sie den Hohenloher Weinhoheiten Simela Koyunseven und Luna Dietle augenzwinkernd erläutert haben, wie sie eher das Trinken als das Laufen trainiert hätten, müssen sie eine Butte voller Wasser durch die Bankreihen tragen und dabei Hindernisse überwinden. Während Foss mit der Last und Züfle mit dem Knie kämpft, ist Beck klar der Schnellste – kommt aber nur mit der Hälfte des Inhalts zurück. Den Rest hat er verschüttet, das meiste über sich selbst. Nach reger Beratung küren die Hoheiten überraschend Weißbachs Weißwein-Liebhaber Züfle zum Sieger. Bei dieser Wahl hat wohl ein Blick in die Festkalender des nächsten Jahres geholfen, die in Forchtenberg und Niedernhall bereits voll sind.

Dem Publikum, das vom Mitfiebern ganz trockene Kehlen bekommen hat, kredenzt Foss nun 20 Liter Rosé als Freiwein von einem Fässchen auf der Bühne.


Kochertaler Weinsommer: Braucht es wirklich noch ein weiteres Weinfest? Besucher haben eine eindeutige Meinung

Jedes Fest mit den drei Kochertaler Bürgermeistern, die sich bestens verstehen und leidenschaftliche Spaßmacher und Schauspieler sind, ist eine Gaudi. Ihre „spannenden Spiele“ haben Besucherin Mara Ehret aus Friedrichsruhe am besten gefallen. Doch auch sie gibt zu: „Es gibt wirklich viele Feste hier.“ Braucht es ein weiteres Weinfest in einer Region, die bereits so viele hat? Ja, sind sich alle einige. Weinprinzessin Luna findet es „schön, wenn jeder Ort selbst eine Veranstaltung hat“. Königin Simela freut sich über ihr Heimspiel, schließlich kämen ihre Eltern aus Weißbach und Niedernhall. Man könne hier gemeinsam eine neue Tradition erschaffen, ermuntert sie.

Besucher Julian Hugg, der eine Freundin in Neuenstein besucht, versteht die Frage gar nicht: „Ich komme vom Bodensee, auch ein Weinanbaugebiet – da ist jeden Freitag Weinfest.“ Außerdem seien es die Weine aus dem Kochertal wert, gewürdigt zu werden: „Sie sind viel fruchtiger und lieblicher“, lobt er den Rosé von Gebert in seinem Glas.

Warum der Kochertaler Weinsommer familienfreundlicher ist als viele andere Weinfeste

Und es geht ja nicht nur um den Wein. Die Vereine stellen etwas auf die Beine und zeigen so Zusammenhalt und Engagement. Was das angeht, sei Forchtenberg „vorne dran“, findet Einwohner Klaus Ottenbach. Und dann ist da der Geist des GVV, der nicht nur am Waffelstand zu schmecken ist, den die Bediensteten des Gemeindeverwaltungsverbands betreiben.

Beispielhaft versprühen ihn Marina Egner und Heike Walter, die mit ihren Familien aus Weißbach hergekommen sind: „Das ist vom GVV, das ist eine Pflichtveranstaltung. Das gehört für uns dazu“, erklärt Walter. Obwohl am Sonntag erst Familientag ist, feiern sie bereits den Samstagabend mit ihren Kindern im Alter von sieben Monaten bis vier Jahren – und die fühlen sich pudelwohl. „So sparen wir uns schon, zu Hause Abendessen machen zu müssen“, erklärt Egner lachend. Hier sei es heimelig und viel familiärer als bei den großen Weinfesten, mit dem Spielplatz daneben und fernab der Straßen.

 

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