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Reaktivierung der Kochertalbahn: Kosten, Nutzen und Bürgermeinungen im Fokus

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Bei den jüngsten Beteiligungswerkstätten zur Kochertalbahn in Waldenburg, Kupferzell und Künzelsau waren die Stimmungen völlig konträr. Im Frühjahr 2027 sollen die Gemeinderäte entscheiden, ob der Streckenabschnitt wieder in Betrieb genommen wird.   


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Kann die Kochertalbahn reaktiviert werden? Diese spannende Frage wird die Bevölkerung und Gemeinderäte der drei betroffenen Kommunen noch mindestens ein Jahr lang intensiv beschäftigen. Im zweiten Quartal 2027 soll die endgültige Entscheidung in den Gremien fallen. Die Stadt Künzelsau hat bei dem Projekt den Hut auf und wirbt um Unterstützung. Zentrales Ziel ist, die Gemeinderäte von Kupferzell und Waldenburg von der Wiederinbetriebnahme zu überzeugen. Deshalb sollen die Bürger umfassend beteiligt werden.

Am 21. Januar war der Startschuss mit einem Info-Abend. An diesem Wochenende folgten drei „Beteiligungswerkstätten“: am Freitagabend in Waldenburg, am Samstagvormittag in Kupferzell und am Samstagnachmittag in Künzelsau. Die Stimme fasst die wichtigsten Erkenntnisse aller drei Veranstaltungen zusammen.

Wie groß war das Interesse an den Kochertalbahn-Beteiligungswerkstätten?

In Waldenburg waren nur fünf Bürger anwesend, in Kupferzell rund 25, in Künzelsau rund 30.

Die dritte Beteiligungswerkstatt am Samstagnachmittag im Künzelsauer Rathaus zog das meiste Interesse auf sich. Die Stimmung war dort am positivsten.
Die dritte Beteiligungswerkstatt am Samstagnachmittag im Künzelsauer Rathaus zog das meiste Interesse auf sich. Die Stimmung war dort am positivsten.  Foto: Ralf Reichert

Reaktivierung der Kochertalbahn: Wie war die Stimmung in Waldenburg?

Der Blick der Waldenburger richtet sich vor allem auf die ebenfalls geplante Elektrifizierung der Hohenlohebahn zwischen Cappel und Hessental und damit einhergehender Verbesserungen – auch und vor allem für den Bahnhof in Waldenburg. Der würde zu einem weiteren Knotenpunkt, wenn die Kochertalbahn nach Künzelsau reaktiviert würde, was für die Bergstadt aber eher von sekundärem Interesse ist.

Reaktivierung der Kochertalbahn: Wie war die Atmosphäre in Kupferzell?

Völlig anders, weil viel kritischer. Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann nannte sie „sehr kurzweilig, intensiv und detailverliebt“. Klar wurde: Die Kreisstadt muss noch viel Überzeugungsarbeit leisten, die Mehrheit steht dem Verkehrsprojekt nach wie vor ablehnend gegenüber, weil der Nutzen für Kupferzell nicht ersichtlich sei, dafür aber einige Nachteile in Kauf zu nehmen wären: vor allem ein partieller Verlust des aktuell sehr gut funktionierenden Busnetzes und die Sorge, dass die jüngst modernisierte Radwege-Infrastruktur leiden könnte. Wie sollen die Bürger aus den vielen auch weiter entfernten Teilorten zur Kochertalbahn im Hauptort gelangen? Diese offene Fragen umtreibt viele.

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Wie kamen die jüngsten Kochertalbahn-Konzepte in Künzelsau an?

Viel besser. Die Grundstimmung war ausnahmslos positiv. Wie in Waldenburg und Kupferzell, scharten sich die meisten Bürger um die Tische mit den möglichen Trassenführungen. Tunnel in Gaisbach: Ja oder Nein? Das ist ein großes Thema. Nicht nur wegen der Kosten, sondern auch wegen des Naturschutzes. Ohne Tunnellösung müsste die Bahn über eine weitere Strecke komplett durchs „grüne“ Künsbachtal fahren. Mit dem Tunnel wäre die Bahn sechs Minuten schneller, doch die bautechnischen Anstrengungen und Risiken sind um einiges höher.

Am 21. Januar hatten die Bürger noch einige offene Fragen zur Kochertalbahn. Wurden sie klar beantwortet?

Ja. Definitiv fest steht laut Bürgermeister Stefan Neumann, dass auf der reaktivierten Strecke kein Güterverkehr rollen wird und die Züge elektrisch betrieben werden. Es handele sich um eine Straßenbahn und nicht um eine Eisenbahn, weshalb für den Betrieb ganz andere Regeln gelten würden.

Reaktivierung der Kochertalbahn: Was ist mit den Baukosten?

Die letzten Schätzungen der Baukosten lagen zwischen 194,5 und 274 Millionen Euro: je nachdem, ob die Bahn mit oder ohne Tunnel gebaut wird. Bund und Land zahlen bis zu 90 Prozent, die restlichen zehn Prozent bleiben an den drei Kommunen hängen. Künzelsaus Bürgermeister Neumann versicherte, am Ende werde das Projekt nicht an den Investitionskosten scheitern. „Das bekommen wir hin.“ Wie? Zwischen den Zeilen klang durch, dass eine tragfähige Lösung für alle gefunden werde. Oder womöglich auch private Geldgeber – sprich Unternehmen – aktiviert werden könnten.

Und wer bezahlt den Kochertalbahn-Betrieb?

Das ist die viel entscheidendere Frage. Neumann betonte, dass die kommunale Seite den dauerhaften Betrieb nicht finanzieren wolle und könne. Sprich: Das Land müsse dafür zu hundert Prozent aufkommen. Dies wolle man sich auch schriftlich zusichern lassen, bevor die Gemeinderäte im zweiten Quartal 2027 über das Projekt entscheiden. Ob es so kommt, wird sich zeigen. Am 21. Januar hieß es, dass das Land auf jeden Fall bis zu 75 Prozent übernehmen werde. Viel kommt darauf an, wie schnell das Vorhaben voranschreitet. Ist die Kochertalbahn mit ihren 13 Kilometern als eine der ersten fertig geplant und fällt damit unter die ersten 100 Streckenkilometer, die das Land ganz sicher voll zahlt, könnte die Rechnung aufgehen.

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