Niedernhaller Kelter für 4,3 Millionen umgebaut: Neue Nutzung „mit vielen Emotionen verbunden“
Mit einer monumentalen und humorvollen Einweihung feiert die Stadt Niedernhall den zum größten Teil abgeschlossenen Umbau der Kelter. Gewürdigt werden auch die ehemalige Weinbaugenossenschaft und die Weinköniginnen.
Der Anfang von „2001 – Odyssee im Weltraum“ ist ein Monument der Filmgeschichte: eine Kamerafahrt im Weltall, hinter dem Mond, nach oben, die Erde taucht auf, dahinter das Licht der Sonne. Der Rhythmus der Bilder und der eingeblendeten Titel passt zum Crescendo der feierlichen Musik „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss, mit langen Fanfaren-Tönen und Paukenschlägen.
Modernisierte Kelter eingeweiht: Ein Monument für Niedernhall
Nach 20 Monaten Bauzeit spielt die Niedernhaller Stadtkapelle zur Einweihung der Kelter dieselbe Musik. Statt auftauchender Erde, Sonne und Filmtitel gehen in dem neuen Veranstaltungsraum mit dem Crescendo die Lichter an. Zuerst die an den seitlichen Rändern etwa alle vier Meter im Boden eingelassenen länglichen Leuchten, die ihr Licht auf die Keltermauern werfen und durch die Schatten die Struktur der Steine sichtbar machen. Danach das Bühnenlicht und dann die Saalbeleuchtung: Es bedeutet wohl, dass auch in Niedernhall ein Monument entstanden ist. 4,3 Millionen Euro kostete der Umbau der Kelter – sie wird künftig ein Ort für Veranstaltungen sein.
Dem Intro in „2001“ folgt eine Szene in der Steinzeit, in der Primaten Knochen als Werkzeuge entdecken und sie direkt zum Töten nutzen. Zwar gibt es auch nach dem Intro im Festprogramm für die Einweihung eine Zeitreise, aber nicht gewalt-, sondern unterhaltsam: Als Abt Knittel verkleidet, begrüßt Bürgermeister Achim Beck die Menschen in dem vollen Veranstaltungssaal. So viele Leute sind „gekommen, wegen meiner Kelter, die ich vor 313 Jahren gebaut hab’“.
Dank an Niedernhalls Ex-Bürgermeister Kalmbach
Er zieht einen Leiterwagen voller Distelfink-Weinflaschen. In dieser Begrüßung verbindet Beck es elegant, die Geschichte der Kelter und ihres Umbaus zu erzählen, unterschiedliche Leute zu begrüßen und den Menschen zu danken, die an den Arbeiten beteiligt oder davon betroffen waren – und einigen, als Vertretern der Gruppe eine Weinflasche zu überreichen. Ein direkter Nachbar der Kelter, zum Beispiel, oder ein Vertreter des Landesdenkmalamts, „mit dem wir gut zusammengearbeitet haben“.
Und Becks Vorgänger Emil G. Kalmbach bekommt Wein: „Er hat gut gehandelt, als die WG Niedernhall aufgelöst wurde.“ Allein weil die Stadt damals die Kelter gekauft hat und durch das von Kalmbach angeleierte Sanierungsgebiet Altstadt sei der Umbau möglich gewesen – aus dem Programm seien 2,1 Millionen Euro für den Umbau geflossen.
Kelter saniert: Galerie mit allen Weinköniginnen aus Niedernhall
Die Kelter stehe heute so da, wie sie Abt Knittel 1713 gebaut habe, sagt Beck dann in seinem Grußwort. „Ich weiß, die neue Nutzung ist mit vielen Emotionen verbunden.“ Dass das Innenleben der von der Weinbaugenossenschaft (WG) genutzten Kelter „dem Erdboden gleichgemacht wurde“, tue manchen Weingärtnern weh. Das Gebäude diene jetzt „der Geselligkeit, der Weinvermarktung und dem Miteinander der Menschen in und um Niedernhall“. Als Erinnerung an die Zeit der WG ist an der Wand eine Galerie aller Weinköniginnen aus Niedernhall angebracht worden. Bis auf eine sind alle zur Feier gekommen.
Beck sei oft gefragt worden: „4,3 Millionen Euro für dieses Projekt?“ Seine Antwort: „Ja“. Es sei ein Kulturdenkmal geschaffen worden, das weitere 100 Jahre halte und spätere Generationen können „mit neuen Ideen und Perspektiven damit weiter arbeiten“.
Leere Weinflaschen im Dachstuhl der Niedernhaller Kelter gefunden
Architekt Demuth beschreibt in seinem Grußwort einige Punkte des Baus. Einer der wohl eindrücklichsten: Die Balken im Dachstuhl sind frei gelegt worden und von vorn bis hinten zu sehen. Beim Freilegen seien viele alte leere Weinflaschen und ein Feierabendziegel mit der Gravur „1929“ gefunden worden. Auch eine Zigarettenschachtel und weiteres. Das Architekturbüro hat einige Gegenstände gesammelt und in einer Vitrine der Stadt überreicht.
Jürgen Kerl, als Vertreter der Niedernhaller Weinbauern, überreicht eine Flasche Distelfinken-Geist: ein Kolben, in dessen Bauch ein gläserner bunter Distelfink eingeblasen ist. Die Geschenke sollen in der Kelter künftig ausgestellt werden.
Außenanlagen bis zum Stadtfest abgeschlossen
An diesem Wochenende feiert die Stadt auf dem Gelände ein Maifest. Dabei sind die Arbeiten an den Außenanlagen noch nicht abgeschlossen. Bis zum Stadtfest am 13. Juni soll es so weit sein, sagt Beck.
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