Wie viel vom Jeans-Hersteller Mustang steckt noch in Künzelsau?
Im Jahr 2020 zog das Textil-Unternehmen Mustang nach Schwäbisch Hall: Wie sichtbar ist es noch an seinem Gründungsort Künzelsau?

Alles begann mit Luise Hermann: 1932 gründet sie die L. Hermann Kleiderfabrik in Künzelsau. Anfangs waren sechs Näherinnen dort beschäftigt. Sie stellten Arbeitskleidung her. Der Grund: Der Holzhandel von Luises Mann steckte in der Krise. Sie versuchte, ihn finanziell zu unterstützen. Nach dem Krieg im Jahre 1948, heiratete Albert Sefranek die Tochter des Ehepaars Hermann. Er soll damals mit den amerikanischen Soldaten sechs Flaschen Hohenloher Schnaps gegen sechs Paar original „Yankee“-Jeans getauscht haben. Auf deren Grundlage begann das Unternehmen, eigene Jeans herzustellen. Ende der 1950er Jahre benannte man sich in Anlehnung an den „Wilden Westen“ der USA in „Mustang“ um.
2020 versprach Mustang, in Künzelsau präsent zu bleiben
Ähnlich wie Schrauben und Ventilatoren gehören Jeans zur Geschichte der Stadt Künzelsau. Doch die Marke mit dem Wildpferd im Logo ist 2020 davon galoppiert: Damals sind die letzten Beschäftigten in die neue Zentrale nach Schwäbisch Hall-Hessental umgezogen. Aus der Geschäftsleitung von Mustang hieß es damals, man werde in der Herkunftsstadt dennoch präsent bleiben.

Wie stellt sich die Situation vier Jahre später dar? Auf dem einstigen Firmen-Areal in der Lindenstraße waren längst die Abrissbirnen zugange. Wo in Hochzeiten pro Tag bis zu 16.000 Jeanshosen genäht wurden, befinden sich inzwischen ein Drogerie- und ein Supermarkt sowie Büroräume und der zugehörige Parkplatz.
Bei einer Umfrage unter Passanten just auf diesem Gelände und in der Künzelsauer Innenstadt stellt sich heraus: Von 20 angesprochenen Personen wusste die Hälfte, dass Mustang seine Wurzeln in Künzelsau hat. Sieben Personen wussten das nicht, drei gaben an, sich auf Nachfrage „zu erinnern“, das schon mal gehört zu haben.
Drei der Sieben, die über die Verbindung Künzelsaus zu Mustang nichts wussten, gaben an, zugezogen zu ein. Auffällig ebenso: Vor allem jüngere Personen kannten zwar die Marke und den Outlet-Store im Künzelsauer Gewerbegebiet, wussten aber nichts über die Firmen-Historie.

So präsent ist Mustang im Gründungsort Künzelsau
Der Outlet-Store ist das sichtbarste Überbleibsel des Unternehmens in Künzelsau. Auf Nachfrage der HZ bei der Stadt Künzelsau heißt es: „Mustang gehört weiterhin zu Künzelsau und pflegt eine enge Verbundenheit zu unserer Stadt. Diese Verbundenheit drückt sich durch die Präsenz des Mustang-Outlet in der Würzburger Straße aus, das ein wichtiger Magnet für Künzelsau ist.“
Präsent sei Mustang auch in anderen Bereichen, etwa als Sponsor beim „Theater im Fluss“. Auch die Pressestelle von Mustang hebt das hervor: „Unsere Verbundenheit zur Region zeigt sich ebenfalls in unserem Engagement für lokale Kulturprojekte. So sind wir bereits seit Jahren Sponsor des Theater im Fluss und unterstützen mit großer Freude die jährlich stattfindenden Aufführungen.“

Ebenso ein kultureller Ort ist das Museum im einstigen Wohnhaus von Firmengründerin Luise Hermann. „Wir halten unsere Präsenz in der Region lebendig, unter anderem durch unser Museum – ein zentraler Ort der Erinnerung und Identifikation. Besucher, darunter auch neue Mitarbeiter, tauchen hier in die faszinierende Geschichte unserer Marke ein und gewinnen dabei Einblicke in unsere Wurzeln sowie die Entwicklung Mustangs im Laufe der Jahre“, betont Pressesprecherin Annalena Ludwig.
Allerdings, das bestätigt die Stadt Künzelsau, hat das Museum schon längere Zeit geschlossen. Wenn man das Museum in einer Internet-Suchmaschine eingibt, ist dort unter Öffnungszeiten zu lesen: „Dauerhaft geschlossen“. Verirrt man sich, dem Wegweiser an der Konsul-Uebele-Straße folgend, als Tourist dorthin, findet man darauf allerdings keinen Hinweis. Die Stadt betont in dem Zusammenhang, dass es sie besonders freuen würde, „wenn das Mustang-Museum in der Austraße wieder seine Türe öffnet.“
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