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Noch keine Kreditaufnahme

So geht es Ingelfingen im Jahr 2026

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Im dritten Jahr in Folge steht vor dem Ergebnis des Ingelfinger Haushalts ein Minus. Die Einnahme durch die Gewerbesteuer ist so niedrig wie schon lange nicht mehr.

Die Gewerbesteuereinnahmen gehen auch in Ingelfingen weiter zurück.
Die Gewerbesteuereinnahmen gehen auch in Ingelfingen weiter zurück.  Foto: Götz Greiner

Eine Kommune kann nicht pleite gehen, betont Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer. Von einem Bankrott ist die Stadt Ingelfingen zwar ohnehin noch weit weg. Aber wenn es so weit käme, könne sich die Stadt – wie jede andere Kommune – nur retten, indem sie Gebühren und Steuern für die Bürger anhebt.

Bauer antwortet damit auf die Frage von Stadtrat Holger Kunze. Der hat nach der Vorstellung des Haushaltsplans durch Kämmerin Carolin Sahm und den Bürgermeister bemerkt: „So wie uns, geht es ja allen Gemeinden.“ Er fragt: „Kann man da den Staat nicht verklagen, gibt es nicht irgendeine Handhabe?“ Klagen gehe nicht, antwortet Bauer. Eben nur, die Einnahmenseite zu verbessern indem jedem „Bürger ans Portemonnaie“ gegangen werde.

Rücklagen in den guten Jahren gebildet

Allerdings, betont Bauer, habe die Stadt Rücklagen gebildet. „Da war ich immer dem Gemeinderat dankbar, dass er mitgemacht hat“, wenn nicht jedes gewünschte Projekt durchgeführt wurde, sondern Geld beiseite gelegt worden sei. Mit diesem Geld wird nun das Minus ausgeglichen, das im Jahr 2026 unterm Strich des Haushaltsplans steht: Ein Gesamtergebnis von gut -2,5 Millionen Euro – das dritte Jahr in Folge ist der Ergebnishaushalt negativ. Aber auch in diesem Jahr sei keine Kreditaufnahme nötig, betont Kämmerin Sahm. Die größte Einnahmequelle sind dabei die Steuern und ähnliche (etwa 11,8 Millionen Euro). Bei der Gewerbesteuer rechnet die Kämmerin jedoch mit dem niedrigsten Betrag seit zehn Jahren – 4,7 Millionen Euro.

Die Zuweisungen und Umlagen betragen etwa 2,5 Millionen Euro. Darunter fallen zum Beispiel Gelder nach dem Finanzausgleichsgesetz, wie rund 75.000 Euro für die knapp 30 Kilometer Straßen, und Fördermittel, wie etwa 37.000 Euro vom Bund für klimaangepasstes Waldmanagement. Die Entgelte für öffentliche Leistungen und Einrichtungen – zum Beispiel Verwaltungsgebühren (rund 70.000 Euro) und Abwasserwassergebühren (knapp 1,5 Millionen Euro) – betragen fast 2,3 Millionen Euro. Die ordentliche Erträge betragen damit fast genau 18,5 Millionen Euro.

Umlagen an Kreis und Land und Personalkosten am höchsten

Auf der Ausgabenseite stehen Transferaufwendungen von knapp 7,5 Millionen Euro. Dazu gehören unter anderem die Kreisumlage von gut vier Millionen Euro und die Finanzausgleichsumlage an das Land (etwa 2,8 Millionen Euro). Zweitgrößter Posten sind die Personalkosten: etwa 5,6 Millionen Euro. Insgesamt betragen die ordentlichen Aufwendungen gut 21 Millionen Euro.

Diese Projekte stehen in Ingelfingen an

Die Stadt muss und will aber weiter investieren. Zu den größten Posten gehören der barrierefreie Umbau von Bushaltestellen. Dafür sind Ausgaben von 437.000 Euro eingeplant – die Stadt rechnet aber auch mit einer Förderung von knapp 266.000 Euro. Für die teilweise Sanierung und den Bau eines barrierefreien Eingangs zum Dorfgemeinschaftshaus Weldingsfelden sind 475.000 Euro eingeplant. Das Projekt wird mit einer ELR-Förderung bezuschusst, die knapp 136.000 Euro beträgt. 

Regenüberlaufbecken müssen mit Elektro-, Mess-, Steuer- und Regeltechnik ausgestattet sein. Die Verwaltung rechnet für Ingelfingen mit Kosten von 1,3 Millionen Euro. Eine Förderung von etwa 522.000 Euro wurde bewilligt – beide Posten sind in den Haushaltsplänen von 2026 und 2027 aufgeteilt. 

Gebäudesanierungen fürs Dorf und Wohnungen

Das Dorfgemeinschaftshaus Dörrenzimmern wird voraussichtlich in diesem Jahr fertig umgebaut und saniert sein. Voraussichtlich werden die Arbeiten insgesamt 2,4 Millionen Euro gekostet haben. Für das Jahr 2026 sind dafür noch 525.000 Euro eingeplant. Gefördert wird das Projekt mit knapp 746.000 Euro, davon stehen laut Haushaltsplan noch 385.070 Euro aus. Die Alte Volksschule in der Schlossstraße wird zum Teil zur Flüchtlingsunterkunft, zum Teil für weitere Wohnungen ausgebaut. Die Flüchtlingsunterkunft kostet voraussichtlich insgesamt 570.000 Euro in den Jahren 2024 bis 2026. Die Förderung von etwa 87.000 Euro wird wohl in diesem Jahr abgerechnet. Von den etwa zwei Millionen Euro, darunter die weitere Sanierung des Gebäudes im Rahmen des Sanierungsgebietes Mariannenvorstadt, sind im Jahr 2026 Ausgaben von etwa 1,4 Millionen Euro eingeplant, der Zuschuss beträgt knapp 769.000 Euro.

Glasfaserausbau mit Förderung

Bürgermeister Bauer betont in der Diskussion, dass die Stadt neben anderen Projekten den Breitbandausbau nun  mit Förderung angehe, „obwohl das eigentlich keine kommunale Sache ist“. Bauer ergänzt ironisch: „In der Stadt überbieten sich die Anbieter, dass sie das machen dürfen.“ In diesem Jahre stehen Planungskosten und Kosten für die Ausschreibung in Höhe von 120.000 Euro an. 

Die Stadt muss sparsam mit seinen Mitteln umgehen, sagt Bauer, und darauf hoffen, dass sich die politische Stimmung und die wirtschaftliche Lage wieder bessern.

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