Der Haushalt für 2026 steht. Für die Bürger am sichtbarsten sind die Investitionen. Was heißt das im einzelnen? Die Stimme rafft die vielen Seiten und Zahlenkolonnen auf wenige Zeilen. Eine Million Euro werden in diesem Jahr fällig, um die letzte Rate des Kindergartenneubaus in Westernach zu bezahlen. Weitere 500 000 Euro stehen für den Neubau des Sebastian-Kneipp-Kindergartens im Hauptort bereit, der 7,4 Millionen Euro kostet und 2027 und 2028 fertig finanziert werden soll. Im Dezember 2025 hat der Gemeinderat entschieden, den Breitbandausbau-Ost im Betreibermodell umzusetzen. Die ersten 500 000 Euro fließen 2026, jeweils 3,0 Millionen folgen in 2027 und 2028. Die Erschließung des Baugebiets „Beckenäcker 1“ in Westernach kostet 2,2 Millionen Euro, davon werden 1,1 Millionen 2026 eingestellt. 2,6 Millionen Euro muss Kupferzell für die neue Großkläranlage des Abwasser-Zweckverbands Hohenlohe-Kochertal beisteuern, 400 000 Euro sind 2026 gebucht. Weiter investiert wird in die Sanierung von Straßen: 900 000 Euro bis 2029, beginnend 2026 mit der Gemeindestraße bei Ulrichsberg. Ebenso abgebildet ist die Generalsanierung des Jugendhauses A-Moll mit Gesamtkosten von 800 000 Euro in 2026 bis 2028. Hinzu kommen Planungsraten für ein Sportstättenkonzept sowie den Neubau eines Dorfgemeinschaftshauses für Neu-Kupfer/Kupfer.
In Kupferzell: Geld für Kitas und Breitband, Baugebiet und Kläranlage
Der Gemeinderat beschließt den neuen Etat. Was bedeutet das für die Bürger? Und warum sind die einen so positiv gestimmt und andere so kritisch, dass sie das Zahlenwerk ablehnen?

Der Gemeinderat von Kupferzell hat am Dienstag den Haushalt für 2026 beschlossen. Was springt für die Bürger dabei heraus? 7,1 Millionen Euro kommen ihnen in diesem Jahr zugute, bis 2029 sind es 28,7 Millionen Euro. Das Geld fließt in die Erneuerung von Kindergärten und in den Ausbau des Breitbandnetzes, in die Erschließung eines neuen Baugebiets und den Bau einer neuen Kläranlage. Straßen werden erneuert, das Jugendhaus wird saniert, die Sportstätten werden modernisiert, ein Dorfgemeinschaftshaus wird neu gebaut.
Kupferzell braucht weiter keine neuen Kredite
Das alles will die Gemeinde jetzt anpacken, und sie kann es sich leisten. Kupferzell bleibt finanziell gut gesattelt. Auch 2026 sind keine neuen Kredite nötig, die Verschuldung wird weiter zurückgeschraubt, der Verwaltungsbetrieb schließt mit einem Plus von 1,6 Millionen Euro. Und die Gewerbesteuer spült weiter gute Einnahmen in die Kasse. 2025 waren es sogar 11,1 Millionen, nachdem nur 6,8 Millionen Euro eingeplant waren. 2026 sollen 7,5 Millionen Euro fließen.
Auch mit liquiden Mitteln ist die Gemeinde gut gesattelt
Außerdem verfügt Kupferzell über ausreichend liquide Mittel. 3,4 Millionen fließen 2026 aus dem Ergebnishaushalt, der die laufende Verwaltungstätigkeit abbildet, in den Finanzhaushaushalt, der die Investitionen beinhaltet. Weitere flüssige Mittel in Höhe von 7,2 Millionen Euro summieren sich zu 10,6 Millionen Euro, die der Gemeinde für Investitionen zur Verfügung stünden. Davon benötigt werden aber nur 2,8 Millionen, so dass Ende 2026 immer noch 7,8 Millionen Euro auf der hohen Kante liegen.
Bürgermeister Christoph Spieles: „Kein Traumhaushalt, aber ehrlich“
Entsprechend zufrieden klingt Bürgermeister Christoph Spieles: „Es ist kein Traumhaushalt, aber ein guter Haushalt. Er ist nicht besonders spektakulär, aber ehrlich.“ Kupferzell halte finanziell Maß, ohne an den falschen Stellen zu sparen. Sein Zukunftsmotto: „Solide planen, weiter konsolidieren und dort handeln, wo es notwendig ist.“
FWV-Chef Volker Baumann: „Haben nicht über unsere Verhältnisse gelebt“
Volker Baumann ist Chef der Freien Wähler Vereinigung (FWV), mit zehn Räten die größte Fraktion. Er spricht sogar von einem „ganz hervorragenden Haushalt“. Denn: „Wir haben in den letzten Jahren verantwortlich gehandelt und nicht über unsere Verhältnisse gelebt.“ Um dies zu verdeutlichen, zieht er einen Vergleich zur Stadt Stuttgart. „Die Kosten für eine neue Schule in Sillenbuch liegen nun bei 187 Millionen Euro. Wir haben unsere Schule für 18,7 Millionen Euro erneuert. Ein Schulplatz kostet dort über 200 000 Euro, bei uns nur 30 000 Euro.“ Dass man beim Breitbandausbau-Ost die „Notbremse“ ziehen musste, sei ein „unschöner Umstand“. Hintergrund: Die Liaison mit der Deutsche Giganetz (DGN) ging in die Brüche, weshalb die Gemeinde das Projekt wieder selbst in die Hand nimmt.
SPD-Sprecher Oliver Gaßner: „Sportstättenkonzept benötigt Gesamtrahmen“
Oliver Gaßner führt die vierköpfige SPD-Fraktion. Er konstatiert: „Wir leben in Kupferzell weiter auf einem hohen Niveau.“ Aber: Man müsse weiter mit Bedacht wirtschaften. Das gelte auch für die Verwendung jener 3,7 Millionen Euro, die der Gemeinde für zwölf Jahre aus dem Sondervermögen des Bundes zustehen, um die Infrastruktur zu erneuern. Was ist der SPD wichtig? Neben Kitas und Breitband, Wohngebieten und Dorfgemeinschaftshäusern das Sportstättenkonzept: „Für dieses Großprojekt brauchen wir einen Gesamtrahmen.“
UWG-Vorsitzender Tim Koeberer: „Es mangelt an der Verlässlichkeit und Kommunikation“
Timo Koeberer ist Vorsitzender der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), die fünf Mitglieder hat. Er schlägt fast nur kritische Töne an. Der Haushaltsplan selbst sei „sachlich solide und sorgfältig erstellt“. Die Defizite der Verwaltung lägen woanders, nämlich in der „Planung und Umsetzung, der Verlässlichkeit und der Kommunikation“. Koeberer nennt etliche Beispiele, wo selbige Punkte zuletzt aus seiner Sicht schief gingen: vom Breitbandausbau-Ost bis zum Seefeldhaus in Westernach, von der Erweiterung des Steinbruchs in Rüblingen bis zu den „regelmäßigen Überraschungen bei der Gewerbesteuer“. Jüngstes Beispiel: Das Plus von 4,3 Millionen Euro bei der Gewerbsteuer, über das der Gemeinderat viel zu spät informiert worden sei. Dass Kupferzell aktuell so gut dastehe, sei weniger auf ein profundes und transparentes Management der Verwaltung zurückzuführen, sondern darauf, „dass Investitionen verschoben und Pläne und Beschlüsse nicht vollständig umgesetzt wurden sowie dafür eingeplante Mittel nicht voll abgeflossen sind“.
Alle vier anwesenden UWG-Räte stimmen gegen den Etat
Am Ende stimmen alle vier anwesenden UWG-Räte gegen den neuen Haushalt, ein FWV-Rat enthält sich, die anderen zwölf Räte aus den Reihen von FWV und SPD sagen Ja.

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