Stimme+
Neue Räume, neuer Kurs
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Hospizdienste nun mitten in der Stadt

   | 
Lesezeit  2 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Vom Dekanatsgebäude in der Hunnenstraße sind die ambulanten Hospizdienste in Öhringen in die Bismarckstraße umgezogen. Die neuen Räume sind deutlich größer und dank Aufzug auch besser erreichbar. Das ist gut für die Ehrenamtlichen und für die Betreuten. Im Herbst startet zudem ein neuer Kurs.

Freuen sich über die neuen Räume in der Bismarckstraße: Tanja Gabel, Ute Schwarz und Birgit Bährle (v.l.), die Hauptamtlichen bei den ambulanten Hospizdiensten in Öhringen.
Freuen sich über die neuen Räume in der Bismarckstraße: Tanja Gabel, Ute Schwarz und Birgit Bährle (v.l.), die Hauptamtlichen bei den ambulanten Hospizdiensten in Öhringen.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Lag es am Dauerregen, dass beim Tag der offenen Tür am Pferdemarkt-Montag so viel Betrieb in den neuen Räumen der Hospizdienste war? Möglich. Viel mehr liegt es aber daran, dass die ambulanten Hospizdienste in Öhringen nun gut erreichbar mitten in der Stadt in der Bismarckstraße sind mit Zugang über den Haagweg.

Hell und luftig sind die neuen Räume. Platz genug für die Büros von Birgit Bährle, die den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst leitet und Tanja Gabel, die den Erwachsenenhospizdienst verantwortet. Im Erwachsenenbereich arbeitet auch Ute Schwarz mit einem Stellenanteil von 40 Prozent. Und weil die Arbeit nicht weniger wird, kommt im Bereich der Kinder- und Jugendhospizarbeit absehbar ein weiterer Kopf dazu.

Wie gut die neuen Räume bei den Ehrenamtlichen ankommen, zeigt sich während des Gesprächs: „Ich wollte nur kurz vorbeischauen...“, hört man eine Stimme auf der Treppe. Eine der Ehrenamtlichen kommt kurz nach einem Einsatz bei einer Familie vorbei.

Hospizdiente mitten im Leben

Die Hospizdienste mitten im Leben. Mitten in der Stadt. Das, sagt Birgit Bährle, sei dem Team auch wichtig: Die Arbeit der Sterbe- und Trauerbegleiter sichtbar machen. Das Sterben als Teil des Lebens verstehen. Das, bedauert Tanja Gabel, sei oft leider nicht der Fall: „Die Sterbenden und die Angehörigen nehmen oft erst sehr spät mit uns Kontakt auf.“ Oft werden die Sterbenden und ihre Familien nur noch wenige Tage betreut. Was viele nicht wissen: Auch Menschen, die in einem Pflegeheim oder Krankenhaus im Sterben liegen, können von Ehrenamtlichen der Hospizdienste begleitet werden. 

Was die Hauptamtlichen umtreibt: Gefühlt würden mehr Menschen daheim gepflegt, weil das Geld für eine Heimunterbringung fehle. Bedauerlicherweise wüssten die Angehörigen oft nicht um die Unterstützungsangebote, die es gibt, weder von den ehrenamtlichen des Hospizdienstes noch von den Angeboten der SAPV-Teams. SAPV, das steht für spezialisierte ambulante Palliativversorgung.

Hospizdienste leben vom Einsatz der Ehrenamtlichen

Menschen vernetzen. Menschen begleiten. Menschen für die Aufgaben schulen. All das passiert in den neuen Räumen. Im Herbst soll ein neuer Qualifizierungskurs starten. Aktuell sind rund 65 Menschen für den ambulanten Erwachsenenhospizdienst und den Kinder- und Jugendhospizdienst im Einsatz. Weitere 15 könnten es nach Abschluss des Kurses sein. Im Hohenlohekreis gibt es mit St. Elisabeth in Künzelsau nun auch ein stationäres Hospiz.

„Unsere Arbeit ist bunt und auch fröhlich“, betont Ute Schwarz, die selbst auch gern mal wieder an einem Bett sitzen würde. Sehr aktiv kann es im Kinder- und Jugendhospizdienst zugehen. Von dem werden nicht nur Familie mit lebensverkürzt erkrankten Kindern betreut, sondern auch Kinder begleitet, die einen nahen Angehörigen verloren haben. „Und oft geht es darum, den gesunden Geschwisterkindern das Gefühl zu geben, gesehen zu werden, mit ihnen Hausaufgaben zu machen oder eine Runde Fußball zu spielen“, erklärt Birgit Bährle.

So vielfältig die Aufgaben, so unterschiedlich die Ehrenamtlichen: „Wir haben eine, die ist seit dem ersten Kurs vor 32 Jahren dabei. Sie ist heute 95 Jahre alt und begleitet aktuell wieder eine Familie“, sagt Ute Schwarz. Und Tanja Gabel nennt eine Mitarbeiterin am anderen Ende der Skala: „Sie ist Mitte 30 und hat selbst eine Krise erlebt und möchte nun etwas zurückgeben.“

Gemeinsame Veranstaltung der Hospizdienste

Um das Thema in die Gesellschaft zu bringen, wird es am 13. April eine Podiumsdiskussion im Mehrgenerationenhaus in Öhringen geben. Thema: „Wo Abschied beginnt - Sterbeprozesse frühzeitig erkennen“. Am 26. April wird die Veranstaltung dann noch einmal in St. Paulus in Künzelsau angeboten. Veranstalter sind alle Hospizdienste in Hohenlohe.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben