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Tempolimit 30

Warum im Hohenlohekreis gerade auf so vielen Straßen Splitt gestreut wird

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Autofahrer sind genervt: Auf zahlreichen Kreisstraßen in Hohenlohe ist derzeit nur Tempo 30 möglich, weil Baukolonnen dort Splitt gestreut haben. Was bringt das, und wie lange dauert das?

Auf zahlreichen Kreisstraßen in Hohenlohe ist derzeit nur Tempo 30 möglich, weil Baukolonnen dort Splitt gestreut haben - wie hier nördlich von Öhringen zwischen Unter- und Obermaßholderbach.
Auf zahlreichen Kreisstraßen in Hohenlohe ist derzeit nur Tempo 30 möglich, weil Baukolonnen dort Splitt gestreut haben - wie hier nördlich von Öhringen zwischen Unter- und Obermaßholderbach.  Foto: Büchele, Torsten

Nichtsahnend fährt man irgendwo in Hohenlohe über eine Landstraße, und plötzlich heißt es: Tempo 30. Kaum hat man begonnen, kräftig abzubremsen, da ahnt man auch schon, wieso: Splitt knackt und rauscht unter den Rädern, spritzt hoch und trommelt gegen den Unterboden. So ergeht es derzeit vielen Autofahrern, denn zahlreiche Kreisstraßen im Hohenlohekreis erhielten in den vergangenen Wochen eine sogenannte „Oberflächenbehandlung“ mit Splitt. Und nicht wenige Autofahrer werden sich gefragt haben: Was bringt das eigentlich?

„Oberflächenbehandlungen“, so die Antwort des Landratsamts Hohenlohekreis, sind eine übliche Form der Instandsetzung. Freilich werden dabei nicht einfach Steinchen auf die Straße geworfen, sondern zuvor bitumenhaltiges Bindemittel als Emulsion, also in flüssiger Form, auf die Fahrbahn aufgebracht. Dann wird Splitt darüber gestreut und das ganze festgewalzt. Für diese Arbeiten wird die Straße für einige Tage voll gesperrt.

Splitt auf den Straßen im Hohenlohekreis: So lange bleibt er liegen

Was übrig bleibt und was die Autofahrer spüren, ist quasi nur der Abfall des Ganzen: übriggebliebene Steine, die es nicht in die klebrige Masse gedrückt hat. Gewiss, auch die Autos der Verkehrsteilnehmer drücken nochmal einige der restlichen Steinchen in den Fahrbahnbelag hinein. Deshalb lassen die Straßenmeistereien oder die beauftragten Straßenbaufirmen, die diese Arbeiten erledigen, den Splitt auch drei bis vier Tage liegen, bis sie ihn zum ersten Mal abkehren. Nach zwei bis drei Wochen wird dann der Rest gründlich zusammengekehrt. Dafür wird die Straße meist noch einmal für ein paar Tage gesperrt. Zwischendrin darf man über die Steine drüberfahren – aber meist nur in reduzierter Geschwindigkeit, zum Teil mit 50 Stundenkilometern, oft auch nur mit 30 Sachen.

Eine derartige Art der Oberflächenbehandlung sei ein anerkanntes Verfahren der Fahrbahninstandsetzung, erklärt Katharina Löblein von der Pressestelle des Landratsamts. Das aufgebrachte Material soll die Fahrbahn vor Zerstörungen durch eindringende Feuchtigkeit schützen. Außerdem soll das Splitten die Straße griffiger und damit verkehrssicherer machen und nicht zuletzt das Erscheinungsbild und die Sichtbedingungen bei Nacht und Nässe verbessern.

Splitt auf den Hohenloher Straßen: Diese Gesteinsarten werden verwendet

„Ein vergleichbares Verfahren“, auch im Hinblick auf das Verhältnis von Kosten zu Nutzen, gebe es nicht. Gesplittet werden könne in jeder beliebigen Größenordnung: von kleinen hitzebedingten Schäden über Teilflächen bis zur Auffrischung des Belags auf ganzer Straßenbreite, über mehrere Kilometer. Verwendet werde sogenannter „Edelsplitt“, also besonders hartes Gestein wie Basalt, Granit oder Diabas, in einer Körnchengröße von zwei bis acht Millimeter. Wenn sich Gestein und die klebrige Bitumen-Masse darunter berühren, gebe es eine chemische Reaktion, die das Gestein binde und die Masse richtig fest mache.

Splitt-Einsatz in Hohenlohe: Was kostet diese Schnell-Sanierung – und was spart sie?

307.000 Euro hat der Hohenlohekreis dieses Jahr für solche „Oberflächenbehandlungen“ mit Splitt eingeplant. Inklusive Nebenkosten koste ein Quadratmeter Straße splitten etwa 5,50 Euro. Im Vergleich zu einer neuen Deckschicht aus Asphalt lägen die Kosten einer „Oberflächenbehandlung“ etwa bei rund 20 Prozent. Dafür halte das neu aufgebrachte Material etwa halb so lange wie eine neue Asphaltschicht, je nach Beanspruchung durch Verkehr und Witterung. Wenn sauber gearbeitet werde, sei das Risiko laut Landratsamt „relativ gering“, dass das Splitten diese Ziele verfehle.

Der Nachteil des Splittens: Weise eine Straße schon erhebliche Unebenheiten auf, könne man diese damit nicht ausbügeln.

Verkehrsteilnehmer mussten in der vergangenen Wochen auf einigen Strecken langsam fahren, weil dort Splitt gestreut worden war. Vollflächig gesplittet wurden die K2360 von Schuppach zur Kreisgrenze (1200 Meter) und die L1050 vom Kreisverkehr Friedrichsruhe bis zur Kreuzung mit der K2354 (1300 Meter). Hitzebedingt nachgesplittet wurde auf der K2301 Steinbach-Hermuthausen (500 Meter), K2364 Eschental-Kreisgrenze (700 Meter), K2318 Criesbach-Crispenhofen (3500 Meter), die L1045 von der Hochschule Künzelsau bis zur Ortseinfahrt Morsbach und vom anderen Ortsausgang Morsbach bis zur Etzlinsweiler Klinge (zusammen etwa 2700 Meter). Auf folgenden Strecken müssen Verkehrsteilnehmer noch mit Behinderungen rechnen – hier will das Landratsamt im August Splitt ausbringen: K2303 Bodenhof-Buchenbach, K2310 Hohebach-Hohenrot, K2311 von Abzweig L1022 bis Weldingsfelden, K2325 vom Abzweig L1046 bis Aschhausen, K2332 Untermaßholderbach-Obermaßholderbach und K2383 Kocherstetten-Vogelsberg.

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