Hohenlohekreis auflösen statt Landratsamt erneuern? Ex-Personalchef des Krankenhauses fordert genau das
Der 74-jährige Willi Kopp verteilt bei der jüngsten Sitzung des Kreistags ein Flugblatt und fordert eine Kreis-Fusion. Genutzt hat es nichts, denn der erste Bauabschnitt des neuen Hohenloher Landratsamts in Künzelsau wurde trotzdem beschlossen.

Willi Kopp aus Bretzfeld glaubt nicht an die Zukunft des Hohenlohekreises. Deshalb hält er es für keine gute Idee, das Landratsamt zu erneuern. Stattdessen wirbt er dafür, dass sich der Hohenlohekreis sowie der Kreis Schwäbisch Hall zu einem „echten“ Hohenlohekreis zusammenschließen. Dies sei die „naheliegendste“ Variante. Die langfristige sei ein „Regional-Kreis Heilbronn-Franken“, dem noch der Kreis Heilbronn und eventuell der Main-Tauber-Kreis angehören sollen. „Er übernimmt dann auch die Aufgaben des Regierungspräsidiums und die Gemeinden bekommen viel mehr Gestaltungsspielraum.“
Einsamer Rufer in der Wüste
Genau so steht es auf einem Flugblatt, das der 74-Jährige am 20. April im Kreistag verteilt hat. Das Gremium traf sich in Sindringen und beschloss später, den ersten Bauabschnitt auf den Weg zu bringen: deutlich abgespeckt von 76,6 auf 51,5 Millionen Euro gegenüber den letzten Schätzungen im Herbst 2024. Doch auch diese reduzierte Summe kann Kopp nicht in seinem Eifer zähmen, den Neubau zu stoppen. Auch andere sind der Meinung, dass der Kreis die Finger davon lassen sollte. An diesem Nachmittag ist er aber – abgesehen von zwei Kreisräten, die dagegen stimmen – ein recht einsamer Rufer in der Wüste.
Kopp war bis 2014 bei der kreiseigenen Klinik-GmbH angestellt
Sein Einwurf ist durchaus pikant, denn Willi Kopp war von 2000 bis 2014 bei der kreiseigenen Hohenloher Krankenhaus gGmbH angestellt, unter anderem als Personalchef. Jetzt befürchtet er, das neue Landratsamt werde nicht nur 50 Millionen Euro, sondern wohl „150 Millionen Euro an Steuergeldern“ verschlingen, wenn man die „beiden folgenden Bauabschnitte“ dazurechne. Diese stehen aber noch gar nicht zur Debatte und werden womöglich überhaupt nicht kommen.
„Die Aufrechterhaltung des Hohenlohekreises verschlingt Unsummen“
Trotzdem meint Kopp: Das ist zu viel. Der Hohenlohekreis ächze unter hohen Personalkosten, die Verschuldung steige bis 2029 von 30 auf 60 Millionen Euro, und „für das Krankenhaus müssen aktuell jährlich sechs Millionen Euro zugeschossen werden“. Die „künstlich gedrückte Kreisumlage“ der Gemeinden werde „Richtung 50 Prozent“ und die Zinsaufwendungen von aktuell 0,6 auf zwei Millionen Euro jährlich steigen. Deshalb: „Die Aufrechterhaltung des Hohenlohekreises verschlingt Unsummen. Wegen seiner Kleinheit ist er nicht lebensfähig und nimmt den Gemeinden die Luft zum Atmen.“ Fazit: „Wenn wir das Gute erhalten wollen, dann müssen wir jetzt die Verwaltungsstrukturen grundlegend zukunftsfähig aufstellen.“
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