Hans-Jürgen Saknus wusste von nichts: Seine Partei-Genossen überraschten ihn bei Neujahrsempfang der Kreis-SPD mit der Ehrung.
Foto: Ludwig, Tamara
Hans-Jürgen Saknus brennt für die Demokratie. Der Gedanke, sich beteiligen und gemeinsam mit anderen etwas bewegen zu können, beflügelt ihn. „Ich bin ein Gruppenmensch, bin überzeugt vom Erfolg der Gruppe“, sagt er. Nun wurde er mit der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet. Der höchsten Ehrung, die die SPD an Menschen vergibt, die sich in hohem Maße um die Sozialdemokratie verdient gemacht haben. Damit überraschten ihn die Genossen beim Neujahrsempfang des Hohenloher Kreisverbands. „Mir war es immer wichtig, andere zu ehren“, sagt Saknus. Für sich selbst hatte er „das überhaupt nicht auf dem Schirm“, habe auch nichts geahnt. Dennoch freue er sich natürlich, so der 68-Jährige.
Jugendliche an Politik heranführen
Sein überdurchschnittliches Engagement prägt seine berufliche wie seine ehrenamtliche Laufbahn. So macht der gebürtige Schwarzwälder zunächst eine Schreinerlehre, um Geld zu verdienen. Er legt Geld zurück und – zusammen mit der Bafög-Förderung – schafft er es, eine Ausbildung zum Jugendreferenten zu machen. „Ich hatte immer den Wunsch, mit Menschen zusammenzuarbeiten“, erklärt Saknus. 1984 kommt er nach Künzelsau, wird Bezirksjugendreferent. „Das Kochertal hat mich vom ersten Augenblick an begeistert – der Fluss, die Hügel. Ich habe mich gleich heimisch gefühlt“, sagt er lächelnd.
Von der kirchlichen Arbeit wechselt er schließlich zur Stadtverwaltung Öhringen. Hans-Jürgen Saknus ist es dabei immer ein Anliegen, Grundwerte unserer Gesellschaft zu vermitteln, Jugendliche auch in neuen Formaten wie der Kinderspielstadt oder der europäischen Jugendkonferenz an politische Themen heranzuführen. Schließlich ist er selbst ein hochpolitischer Mensch. Unter anderem „Gleichheit, Gerechtigkeit, Friedfertigkeit“ seien Werte, die er aus seinem kirchlichen Engagement in der SPD wiedergefunden habe.
Kandidatur für den Landtag nicht von Erfolg gekrönt
2016 ist er Landtagskandidat für die SPD Hohenlohe. Von Erfolg gekrönt ist die Kandidatur nicht. Als Sozialdemokrat hatte man es im „schwarzen“ Hohenlohe historisch gesehen noch nie leicht. Entsprechend grämt ihn die Niederlage nicht, allenfalls habe ihn das damals schlechte Abschneiden seiner Partei im Land generell verwundert, da man in der Regierungskoalition seiner Ansicht nach „gute Arbeit geleistet hat“. Rational lasse sich manches eben nicht erklären, sagt er. Für einen, der die Dinge akribisch durchdenkt, sich informiert und in hohem Maße analysiert, ist das jedoch schwer nachzuvollziehen.
Die ersten Gratulanten zur Willy-Brandt-Medaille waren (von rechts) Bundestagskandidat Kevin Leiser, Katja Mast (MdB), Eva Neubert sowie Martin Probst.
Foto: Ludwig, Tamara
Seit 2014 war Saknus Mitglied des Künzelsauer Gemeinderats, 2019 wird er Hohenloher Kreisrat. „Ich bin ein überzeugter Kommunaler“, sagt er. Entsprechend tief arbeitet er sich in die Themen ein, will verstehen, um verbessern zu können, um Kommune und Kreis weiterzubringen. Als der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Künzelsau kurz davor ist, sich aufzulösen, übernimmt er die Verantwortung, wird Vorsitzender.
Auch das Miteinander von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund lag und liegt ihm am Herzen. Die Fluchterfahrung seiner Eltern, die im Zweiten Weltkrieg aus dem preußischen Königsberg flohen, prägt ihn. „So etwas darf es nie wieder geben“, betont er mit Blick auf den Krieg und die Schrecken des Nationalsozialismus. Dass heute rechte Kräfte wieder mehr Zulauf erfahren, besorgt ihn: „Das ist unvorstellbar für mich, dieses Rückwärtsgewandte“, sagt er. Innovationen erreiche man, indem man vorwärts denke und gehe.
Diese Zielstrebigkeit mit einem klaren Plan vor Augen, hat den begeisterten Läufer und ehemaligen Jugend-Fußballtrainer ganz nebenbei dazu befähigt, drei Marathons zu absolvieren. Sport kann Saknus aktuell keinen treiben, in der Kommunalpolitik muss er aufgrund einer schweren Erkrankung kürzer treten, ist aus dem Gemeinderat ausgeschieden. Doch auch hier richtet er den Blick mit Zuversicht nach vorne. Das Erfolgsrezept seines Lebens.
Zur Person
Hans-Jürgen Saknus ist 1956 in Nagold im Schwarzwald geboren. Seit 17 Jahren ist er in der SPD aktiv. Er war viele Jahre Vorsitzender des Ortsvereins Künzelsau, war im Kreisvorstand Beisitzer und dann stellvertretender Vorsitzender. Er vertrat Hohenlohe als Delegierter bei Parteitagen, war 2016 Landtagskandidat im Wahlkreis. Er war Sprecher der Fraktion SPD/Grüne im Künzelsauer Gemeinderat und ist Mitglied im Kreistag. Saknus ist verheiratet, hat drei Kinder und drei Enkelkinder.
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