Weitere Grüngutplätze werden geschlossen – Für geschlossenen Recyclinghof in Künzelsau „laufen Gespräche“
Der Hohenlohekreis bleibt auf dem Kurs, Grüngut- und Reisigplätze zu schließen. Das sorgt für Unverständnis. Gleichzeitig gibt es Änderungen bei den Recyclinghöfen.

Dass der Grüngutplatz in Hermuthausen geschlossen werden soll, hat die Ingelfinger Gemeinderäte überrascht. Bürgermeister Michael Bauer berichtet in der Sitzung Ende März, er habe einen entsprechenden Anruf von der Abfallwirtschaft bekommen. Im Mai werde der Betrieb dort eingestellt – „ich habe meinen Unmut geäußert“.
Auch Mulfingen-Hohenrot wird geschlossen
Anja Kohr, Pressesprecherin der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis (AWH), bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung: „Der Betrieb in Hermuthausen wird am 30. Mai eingestellt“ – außerdem werde „zur gleichen Zeit“ der Betrieb des Grüngutplatzes in Mulfingen-Hohenrot beendet. Damit geht die AWH den Kurs weiter, den sie vor mehr als zehn Jahren eingeschlagen hat. 2014 gab es noch 30 Reisig- und Grüngutplätze. Derzeit sind es noch 13.
Künzelsauer Recyclinghof geschlossen
Auch bei den Recyclinghöfen gibt es Änderungen. Der Künzelsauer wurde „aus abfallrechtlichen Gründen“ geschlossen – sprich: Recyclinghöfe dürfen nicht mehr auf dem Gelände von Kläranlagen betrieben werden, „zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger sowie unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Sie ergänzt: Um einen Platz als Interimslösung zu finden „laufen derzeit konstruktive Gespräche mit der Stadt.“ In Dörzbach stehe derweil ein Neubau an. Der Pachtvertrag für den aktuellen Standort sei abgelaufen – der Recyclinghof werde von der Firma geduldet, solange sie die Fläche nicht benötige. Für den Fall könne die AWH „auf einen kleineren Interimsplatz ausweichen“.
Bei der Annahme von Grüngut und Reisig müsse die Bioabfallverordnung umgesetzt werden. Das ist wohl nicht überall möglich, wie in Hermuthausen. Dennoch herrscht im Ingelfinger Gemeinderat Unverständnis über die Schließung. „Für viel Geld werden neue gebaut“, hebt Bauer an. Jetzt werde ein Platz geschlossen, mit dem es keine Probleme gegeben habe, auch wenn es dort „keinen Zaun, keine Kameras, keine Bewachung“ gebe. Allen voran habe es keine Fehlwürfe gegeben, beteuert der Bürgermeister.
Trennung zwischen Reisig und Grüngut wirkt sich auf Gebühren aus
Allerdings berichtet Kohr durchaus von Fehlwürfen. Ursprünglich sei der Hermuthäuser Platz nur zur Abgabe von Reisig vorgesehen gewesen. Das ist reiner Baumschnitt, also gröbere Äste – diese werden laut AWH zu Brennstoff verarbeitet. Durch diesen Verkauf werden die Abfallgebühren niedriger gehalten. Grüngut ist feiner, zum Beispiel Heckenschnitt, Schnittblumen, Laub oder Gras. Das wird zu Humus verarbeitet. „Da auch immer mehr Grüngut dort abgeladen wurde, stellte die AWH zunächst einen Container für Grüngut auf, später sogar zwei.“ Allerdings „wurde Grüngut aus Bequemlichkeit immer noch direkt auf dem Boden abgeladen“, berichtet Kohr. Das Sickerwasser führe zu Problemen.
Gleiche Gründe für das Ende der Sammelplätze
Hermuthausen und Hohenrot werden aus „den gleichen Gründen eingestellt“, erläutert Kohr. „Für eine gesetzeskonforme Annahme von Grüngut und Reisig im Sinne der Bioabfallverordnung ist eine Sichtkontrolle durch Personal der Abfallwirtschaft vorgeschrieben. Dies funktioniert jedoch nur mit einem eingezäunten Platz mit festen Öffnungszeiten.“
Jeder Platz verursacht Kosten
Außerdem spielen wirtschaftliche Punkte eine zentrale Rolle: „Von Ingelfingen aus sind die Grüngutplätze Dörzbach-Hohebach oder Künzelsau-Amrichshausen innerhalb von maximal 13 Minuten Fahrzeit zu erreichen.“ Die Ingelfinger Räte sehen die Entfernung als sehr weit an, die AWH urteilt: „Die Flächenabdeckung mit Grüngutplätzen ist in diesem Bereich also noch immer sehr gut.“
Im Ingelfinger Weiler Hochholzhöfe gibt es noch einen Reisigplatz, der „vorerst“ erhalten bleibe, wie Kohr sagt. Das Weiterbestehen hänge vom Verhalten der Abfall-Abliefernden und vom Verpächter der Fläche ab. Kohr unterstreicht, dass der Betrieb jedes einzelnen Platzes Kosten verursacht. Die könnten bei „sinnvoller Verteilung der Abgabemöglichkeiten im Hohenlohekreis im Sinne der Gebührenzahler eingespart werden.“
Neuer Platz mit neuen Möglichkeiten wird gebaut
Der Grüngutplatz in Dörzbach-Hohebach ist einer der neuen Plätze, die Bürgermeister Bauer in der Sitzung angesprochen hat. Er wurde Ende 2025 eröffnet. Dort kann aus dem angelieferten Grüngut direkt Humus hergestellt werden. Es sei wirtschaftlich sinnvoll, das Grüngut direkt vor Ort im Hohenlohekreis zu verarbeiten, betont die AWH. Von diesen „modernen“ Plätzen werde der fertige Humus auf die umliegenden Plätze verteilt, die keine für den Prozess notwendige Fläche haben. Ab dem Sommer soll ein neuer solcher Platz entstehen: im Künzelsauer Weiler Schnaihof.
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