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GEW-Aktion in Kupferzell 
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Lehrer klagen: Ziehen zu viel zusätzlichen Ballast

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Zettel einsammeln, Schullandheim organisieren, Gespräche mit Eltern, Sozialarbeitern und Jugendamt führen, Vertretungen übernehmen, Dokumentationen erstellen, IT-Beauftragter spielen: Lehrer klagen, dass zu viele Aufgaben neben dem eigentlichen Kerngeschäft, dem Unterricht, zu erledigen sind. 

Die Zahl, die Daniela Weber nennt, lässt aufhorchen: In der Woche berate sie aktuell ein bis zwei – meist sogar jüngere – Kollegen, die aus dem Lehrdienst aussteigen wollen. „Das hatten wir so noch nie“, bedauert die stellvertretende Bezirksvorsitzende von der GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft). Die Kollegen fühlen sich überlastet. Würden gerne Teilzeit arbeiten. Das solle aber nur in Ausnahmefällen auf weniger als ein 75-Prozent-Deputat reduziert werden, erklärt Jana Kolberg, GEW-Vorsitzende in der Region Hohenlohe. 

GEW-Aktion in Kupferzell

Lehrer überlastet. Das veranschaulichen die GEW-Kollegen bei ihrer Aktion in Kupferzell: Die junge Kollegin zieht einen Berg Aufgaben, die den Lehrern zusätzlich zur eigentlichen Aufgabe, dem Unterrichten, aufgeladen wurden: Interne und externe Kommunikation, Fortbildungen, Kooperationen mit außerschulischen Partnern, Dokumentationen, Aufsichten, Vertretungen, Klassenfahrten, Schulentwicklungskonzepte und mehr kosten Energie und Zeit. Daniela Weber berichtet von einer Kollegin, die in der Zeit zwischen September und Dezember an keinem Tag den zuvor vorbereitet Unterricht gehalten habe: „Sie musste ständig zusätzliche Vertretungen übernehmen.“

GEW: Lehrer haben zu viele zusätzliche Aufgaben

Lena Amler (40) ist Lehrerin an der Johann-Friedrich-Mayer-Schule Kupferzell. Sie berichtet Ähnliches: Die vergangenen zwei Wochen seien so viele Kollegen krank gewesen, dass ständig Vertretungen gemacht werden mussten. Dann sollen hier Zettel ausgeteilt, dort Geld eingesammelt, die Auswahl der Wahlpflichtfächer organisiert und ein Katastrophentag vorbereitet werden. Der gehe aber nicht nur wie die Schule bis 16 Uhr, sondern von 14 bis 17 Uhr. „Also muss auch der Transport der Schüler organisiert werden.“ Dazu kommt: An ihrem eigentlich freien Tag habe sie erst mit einem Kinderarzt und in der Folge mit Jugendamt und Sozialarbeit zu tun gehabt.

Dabei, stellt Lena Amler klar, arbeite sie nicht Teilzeit, weil sie das Geld nicht brauche, sondern um die eigene Familienarbeit zu organisieren. Bei ihr sind es zwei Kinder. „Zunehmend haben wir aber auch Kollegen und Kolleginnen, die nach der eigenen Familienphase nun die alternden Eltern betreuen müssen“, verweist Gabriele Brenner, ebenfalls stellvertretende GEW-Bezirksvorsitzende, auf ein weiteres demografisches Problem.

GEW: Unterrichtsqualität leidet

Lena Amler bedauert: Der Blick auf die Ergebnisse von Kompass, einem Test, der in Klasse vier geschrieben wird, habe gezeigt: Bildungsgerechtigkeit und Bildungserfolg hängen von vielen Faktoren ab. „Auch die Schulleitung hat viele zusätzliche Aufgaben“, weiß Lena Amler. „Ganz zu schweigen von der Technik. Da bräuchte es einen eigenen IT-Beauftragten.“ Lehrer müssten zwischenzeitlich zu viel Schulfremdes organisieren, ergänzt Jana Kolberg.

„Das System Schule funktioniert nur dank der vielen Teilzeitkräfte“, sagt Daniela Weber. Würden alle verfügbaren Köpfe umgerechnet in ganze Stellen, „dann wären es zu wenige Lehrkräfte, um alle Klassen zu leiten“, sagt Daniela Weber. Selbst Kollegen mit nur sieben Stunden würden als Klassenlehrer gebraucht.

Ein ganz dringlicher Wunsch der Lehrer in Kupferzell: multiprofessionelle Teams. Mit IT-Spezialisten, Sozialarbeitern und Sonderpädagogen in ausreichender Zahl an den Schulen könnten die Lehrkräfte entlastet und die Qualität des Unterrichts verbessert werden. Das gelte ganz speziell auch mit Blick auf die Ganztagsbetreuung, die ab kommendem Schuljahr sukzessive in Klasse eins beginnend ausgebaut werden muss.

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