Gesundheitsministerin Nina Warken: Auch Kliniken in der Fläche erhalten
Die CDU-Frau stammt aus dem Taubertal und wurde im Bad Mergentheimer Krankenhaus geboren. Es ging bei dem Termin aber nicht um Erinnerungen, sondern um knallharte Finanzierungsfragen - auch angesichts der bevorstehenden Klinikreform. Denn vor allem kleineren Krankenhäusern fehlt das Geld.

Es war ein Termin mit persönlicher Note und politischer Relevanz: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) besuchte am Samstag das Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim – das Haus, in dem sie geboren wurde und das ihr als Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Odenwald-Tauber vertraut ist.
Caritas-Management ist auch Mehrheitseigentümer der Öhringer Klinik
Doch im Mittelpunkt ihres Besuchs standen nicht Erinnerungen, sondern die aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen – vor allem die Krankenhausreform, die Finanzierung kleinerer Kliniken und die Entlastung des medizinischen Personals. Auch aus Hohenloher Sicht war die Visite interessant, weil die in Bad Mergentheim federführende BBT-Gruppe Mehrheitseigentümerin des Hohenloher Krankenhauses in Öhringen ist.
Finanzierung, Personalentwicklung und die medizinische Versorgung im Blick
In einem 50-minütigen Gespräch mit der BBT-Geschäftsführung sowie den Mitgliedern der Gesellschafterversammlung der Gesundheitsholding Tauberfranken – Landrat Christoph Schauder, Oberbürgermeister Udo Glatthaar, Bürgermeister Frank Menikheim und Landtagsvizepräsident Prof. Dr. Wolfgang Reinhart – ging es um Finanzierung, Personalentwicklung und die medizinische Versorgung im Main-Tauber-Kreis.
BBT-Geschäftsführer zeigt finanzielle Grenzen auf
Dr. Frank Zils, Sprecher der Geschäftsführung der BBT-Gruppe, betonte die Verantwortung kirchlicher Träger. Diese stoße an Grenzen, wenn es an finanzieller Planungssicherheit fehle. Besonders die „Vorhaltung“ – also das dauerhafte Bereitstellen von Personal und medizinischer Infrastruktur – sei kostenintensiv. „Die Fallzahlen in ländlichen Regionen sind geringer, die Kosten jedoch vergleichbar mit städtischen Kliniken“, so Zils. Um die Versorgung zu sichern, forderte er eine verlässliche Gegenfinanzierung sowie eine spürbare Entbürokratisierung.
Ministerin versteht Sorgen der Bad Mergentheimer Klinik
Die Ministerin zeigte Verständnis für die Sorgen: „Wir wollen nicht nur die großen Zentren stärken, sondern auch die Häuser in der Fläche erhalten.“ Gerade die Vorhaltevergütung müsse so gestaltet werden, dass kleinere Krankenhäuser wirtschaftlich arbeiten können. Ein weiteres Anliegen sei der Ausbau eines Primärarztsystems, bei dem Hausärzte eine stärkere koordinierende Rolle übernehmen. „Wir wissen, dass wir zu wenige Hausärzte haben. Deshalb müssen wir die Niederlassung attraktiver machen, Studienplätze schaffen, Bürokratie abbauen“, so Warken.
2025 soll das Betriebsdefizit bei vier Millionen Euro liegen
Regionalleiterin Dr. Ulrike Heesemann äußerte sich zur angespannten wirtschaftlichen Situation des Hauses: Für das laufende Jahr wird ein Defizit von rund vier Millionen Euro prognostiziert. „Wir sind breit aufgestellt und müssen Leistungen vorhalten.“ Dieses Defizit sei keineswegs ein Einzelfall in Deutschland, sondern Ausdruck einer chronischen Unterfinanzierung. Der Antrag auf Prüfung nach §14 Krankenhausfinanzierungsgesetz sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, man arbeite intensiv an Prozessoptimierungen. Die Vertreter der BBT-Gruppe gaben der Ministerin Empfehlungen mit auf den Weg – darunter eine fallzahlunabhängige Finanzierung versorgungsrelevanter Bereiche sowie die Förderung sektorenübergreifender Projekte.
Digitale Neuerungen sind wichtig
Auch das Thema Digitalisierung spielte eine Rolle: Sabine Anspach, Mitglied der BBT-Geschäftsleitung, sprach sich für eine stärkere Einbindung von Telemedizin, Robotik und IT-Lösungen aus. Digitale Technologien müssten fester Bestandteil eines zukunftsfähigen Gesundheitswesens sein. Gleichzeitig betonte sie, dass innovative Ansätze direkt aus den Krankenhäusern kämen. Es brauche die passende Rahmenbedingungen, um diese wirksam umzusetzen.
Weitere Station auf Warkens Tour war Wertheim
Im Anschluss an das Gespräch mit den Verantwortlichen des Caritas-Krankenhauses besichtigte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken bei einem Rundgang ausgewählte Bereiche der Klinik. Besonders beeindruckt war sie von der Kinderintensivstation. Danach ging die Tour weiter nach Wertheim ins dortige Bürgerspital. Die einstige Rot-Kreuz-Klinik musste geschlossen werden, obwohl sie zuvor erneuert wurde. Warken sagte: „In Wertheim ist ein Weg gefunden worden. Ich sehe viele positive Beispiele, wie Krankenhäuser sich neu aufstellen. Wichtig ist, dass immer geschaut wird, was eine Region wirklich braucht.“
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