Götzenspruch schafft es nicht aufs Ortsschild von Krautheim
Die Zusatzbezeichnung „Stadt des Götzenspruchs“ erreicht im Krautheimer Gemeinderat nicht die erforderliche Mehrheit. Mancher wollte dann doch nicht mit dem berühmten „Er kann mich im Arsche lecken“ werben.

Soll Krautheim auf seinen Ortsschildern den Zusatz „Stadt des Götzenspruchs“ ergänzen? Ein Antrag des Heimat- und Kulturvereins Krautheim möchte das erreichen. Deshalb beschäftigt sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung damit. Hintergrund ist die historische Anekdote, die in Krautheim wohl fast jedes Kind nacherzählen kann: Götz von Berlichingen soll in der Stadt an der Jagst 1516 dem in der Burg sitzenden Kurmainzer Amtmann Max Stumpf seine Meinung mit dem Kraftausdruck „Er sollt mich hindhen lekhen“ entgegen geschrien haben. Auf diesen berühmten „Götzenspruch“, wie er in abgewandelter Form auch in Johann Wolfgang von Goethes Drama „Götz von Berlichingen“ zu lesen ist, nimmt auch der Name der hiesigen Fastnachtsgesellschaft Lemia Bezug. Lemia ist ein Anagramm für „Leck er mich im Arsche“.
Zusatzbezeichnung auf Ortsschildern braucht Dreiviertel-Mehrheit im Gemeinderat
2020 hat das Land Baden-Württemberg durch eine Änderung der Gemeindeordnung das Verfahren für Kommunen vereinfacht, eine solche Zusatzbezeichnung auf Ortsschildern zu führen. So geschehen beispielsweise in Künzelsau, wo seit 2023 der Zusatz „Hochschulstadt“ zu lesen ist. Die Bezeichnung sollte „eine charakterisierende Aussage über den Status, die Eigenart oder die Funktion einer Gemeinde oder eines Ortsteils in gegenwärtiger oder historischer Hinsicht“ enthalten. „Von besonderer Bedeutung ist insofern jeweils das eigene Selbstverständnis der Gemeinde oder des Ortsteils und der Bevölkerung.“ Um ein solches Vorhaben umzusetzen, muss der Gemeinderat zunächst mit drei Viertel aller Ratsmitglieder dafür stimmen. Das letzte Wort hat dann das Innenministerium des Landes.
Wortbeiträge aus dem Krautheimer Gremium sind überwiegend positiv
Ulrike Hirn spricht sich für die Zusatzbezeichnung aus: „Ich finde, das ist eine Supersache“, man könne zeigen, wer man ist. „Ich finde aber, man sollte als Stadt insgesamt mehr tun in Sachen Tourismus.“ Sie kritisiert: Man müsse auf Social Media präsenter sein und auf der städtischen Webseite sei über die berühmte Geschichte nichts zu finden. „Dort beginnt die Geschichte der Stadt mit der Kommunalreform 1971.“
Frank Fraulob vertritt die Meinung: Im Kernort solle man das gerne machen, zu den Ortsteilen passe das nicht. Und: „Ich finde, das ist eine coole Idee, das darf aber nur der erste Schritt sein.“ Krautheim befinde sich im Zentrum des gut frequentierten Kocher-Jagst-Radwegs, das müsse besser genutzt werden.
Krautheimer Räte wollen Zusatzbezeichnung als ersten Schritt für mehr Werbung für ihre Stadt
Die Redebeiträge aller Befürworter eint, dass sie die Zusatzbezeichnung nicht solitär verstanden haben wollen, sondern als „ersten Schritt“ zu mehr Marketing für die eigene Stadt. Die Kosten von 200 bis 300 Euro pro Schild halten sie für vertretbar. Zumal auch die Verwaltung sich dafür ausspricht, lediglich die Schilder der Kernstadt umzurüsten. Da rede man von vier bis sechs Stück, so Bürgermeister Andreas Insam.

Gremium verfehlt die nötige Mehrheit
Letztlich verfehlt das Anliegen aber die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit aufgrund mehrerer Enthaltungen. Thomas Dubowy begründet sein Stimmverhalten im Nachhinein: „Ich halte es einerseits nicht für sinnvoll, eine Trennung zwischen Ortsteilen und Kernort zu machen.“ Man sei schließlich eine Stadt. Außerdem habe er persönlich ein Problem mit dem Spruch, auch wenn er ein Alleinstellungsmerkmal darstelle: „Götz von Berlichingen war kein Ehrenmann, sondern ein Straftäter, der Spruch selbst eine Beleidigung.“
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