Urteil in Heilbronn: Fünf Jahre Haft nach Messerangriff auf Sohn in Kochertaler Unterkunft
Ein Streit ums Taschengeld eskaliert in einer Flüchtlingsunterkunft im Kochertal. Ein Mann sticht auf seinen Sohn ein. Jetzt stand er vor dem Heilbronner Landgericht und wurde verurteilt.

Richter Martin Liebisch findet deutliche Worte: „Wir haben Sie als egozentrisch und voller Selbstmitleid erlebt, Schuld waren immer die anderen, auch am Messerstich“, sagt der Vorsitzende Richter der Ersten Schwurgerichtskammer am Landgericht Heilbronn. Und verkündet das Urteil: fünf Jahre Haft wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Wie zur Bestätigung der richterlichen Einschätzung zückt der 50-Jährige sein Taschentuch und wischt sich Tränen aus den Augen.
Der 18 Jahre alte Sohn des Angeklagten hätte am 19. Februar 2024 durch den Stich mit dem Küchenmesser auch sterben können, begründet Richter Liebisch, warum die Kammer mit dem Urteilsspruch der Forderung von Oberstaatsanwalt Harald Lustig folgt. Drei Zentimeter tief stecke das Messer im Oberkörper des jungen Mannes, verletzte seine Milz. Grund für den Streit war eine Lappalie: Die beiden Söhne wollten Taschengeld von ihrem Vater. Es kam zum Streit, in dessen Verlauf auch der Angeklagt Schläge von seinem ältesten Sohn einstecken musste.
Der hat ihm auch das Netzteil des Wasserkochers auf den Kopf geschlagen. Das entschuldige nicht die folgende Tat, die der Richter so schildert: Der Angeklagte stürmte mit gesenktem Kopf und Messer in der Hand auf seinen Sohn zu und verletzte ihn. Statt Erste Hilfe zu leisten, beseitigte er Spuren. Nachbarn in der Flüchtlingsunterkunft im Kochertal riefen um Hilfe, stillten die Blutung.Er habe nicht aus Notwehr, sondern aus Wut und Ärger zugestochen, habe derjenige bleiben wollen, der in der Familie das Sagen habe, deutet Richter Liebisch die Zeugenaussagen. In der aus Afghanistan geflohenen sechsköpfigen Familie sei Gewalt normal gewesen. Auch die beiden Söhne seien durch gegenseitige Gewalt und Gewalt gegen die Mutter auffällig geworden. Die Frau hat sich zwischenzeitlich scheiden lassen.
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