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Flüchtlinge: Vor einem Jahr sind Familien in Unterkunft im Pfedelbacher Löwengarten eingezogen

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Flüchtlingsfamilien leben seit einem Jahr im Löwengarten. Die Befürchtungen vieler Gegner in Pfedelbach waren groß, doch was ist daraus geworden und wie ist die Stimmung im Ort?

Von Stefanie Jani 
Fast 90 Menschen, davon rund die Hälfte Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, leben in der Flüchtlingsunterkunft im Wohngebiet Löwengarten in Pfedelbach. Ihr Einzug jährt sich in diesem Monat. Foto: Archiv/Reichert
Fast 90 Menschen, davon rund die Hälfte Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, leben in der Flüchtlingsunterkunft im Wohngebiet Löwengarten in Pfedelbach. Ihr Einzug jährt sich in diesem Monat. Foto: Archiv/Reichert  Foto: Reichert\, Ralf

Keine Frage: Es ist ordentlich was los in und rund um die Asylunterkunft im ehemaligen Seniorenzentrum im Wohngebiet Löwengarten. Dass es vielfach spielende Kinder sind, die am Pfedelbacher Ortsrand für Leben sorgen, damit hätten die meisten Gegner der Unterkunft nicht gerechnet. Als die Gemeinde bekanntgeben hatte, dass der Kreis das geschlossene Altenheim zur Unterbringung von Flüchtlingen nutzen möchte, war der Protest groß. Ein Bürgerbegehren mit 1200 Unterschriften wendete sich gegen die Pläne. Viele befürchteten, dass vor allem junge, alleinstehende Männer den Frieden und die Sicherheit stören würden. Bei einer Informationsveranstaltung eskalierte die Lage beinahe. Der Landkreis lenkte ein und brachte Familien darin unter. Das war im November vergangenen Jahres. Wie ist die Situation heute?

Eindrücke der Anwohner 

Es ist relativ laut“, lautet das Fazit eines Anwohners. Nachbarn hätten daraufhin das Gespräch mit einem Verantwortlichen gesucht – und in den meisten Fällen sei es ruhiger geworden, gibt er zu. Allerdings erreiche man in letzter Zeit niemanden mehr, bedauert er. „Angst besteht trotzdem, und vor allem die Frauen gehen im Dunkeln nicht mehr alleine raus“, ergänzt der Anwohner – auch wenn ihm noch nicht zu Ohren gekommen sei, dass es einen Vorfall gegeben hätte.

Stimmung im Ort 

Ein paar Meter weiter hat sich die aufgeheizte Stimmung der meisten Bürger abgekühlt. Edith Windau arbeitet im Friseursalon in der Ortsmitte, wo erfahrungsgemäß die lokalen Themen diskutiert werden. „Bevor die Flüchtlinge eingezogen sind, war das ein Riesenthema, seither habe ich gar nichts mehr gehört.“ Auch eine Verkäuferin berichtet, dass es kaum Thema im Ort sei: „Einmal hat eine Stammkundin, die direkt daneben wohnt, erzählt, die Erwachsenen und Kinder würden höflich grüßen.“ Einzig die Lautstärke sei wohl ein Problem. „Ich persönlich bekomme gerade nicht so viel mit“, erklärt auch Marlene Heider, die etwas weiter weg vom Löwengarten wohnt. Ihre Tochter, die direkt in der Nähe des heutigen Flüchtlingsheims lebte, sei bereits umgezogen, als das Thema hochkochte. Und nun? Sie überlegt. „Ich bin selbst Spätaussiedlerin und habe nichts gegen die Leute.“ Sie findet jedoch, dass sich manche sprachlich besser anpassen sollten. „Was mir auffällt, ist, dass sie oft noch ihre Sprache sprechen, wenn sie hier unterwegs sind.“

Helferkreis zieht Bilanz

 „Es gehen alle in ihre Sprachkurse“, betont hingegen Jens Krieg, der Initiator des Helferkreises Löwengarten. „Viele sind sehr motiviert, besonders diejenigen, die Aussicht haben, dass sie bleiben dürfen.“ Möglichst schnell Arbeit finden, das sei vielen wichtig. Bereits nach der damals hitzigen Infoveranstaltung begann das ehemalige Gemeinderatsmitglied mit anderen Helfern die Gruppe aufzubauen – mit Erfolg. Inzwischen wirken rund 30 Ehrenamtliche mit, sagt Krieg: „Allerdings bräuchten wir mehr.“ Die Angebote, vor allem die offenen Treffs, seien sehr gut nachgefragt. „Manchen ist es sogar zu voll“, sagt er lachend. Die Menschen wollen an der Gemeinschaft teilhaben, sich integrieren. Die Wirkungsstätte des Helferkreises befindet sich in einem großen Raum im Untergeschoss des Heims. Dort wird gebastelt, es werden Gesellschaftsspiele gespielt und vor allem Kinder spielen Tischkicker. In einer Werkstatt sind schon gespendete Fahrräder repariert worden.

Lautstärke ist Thema 

Auch der Pfedelbacher sagt, dass sich die Stimmung beruhigt hat, wenngleich vereinzelt Vorfälle in den sozialen Medien hochkochen. Die Lautstärke sei ein Thema, das könne man auch nicht bestreiten. Derzeit leben fast 90 Menschen in dem Heim. Rund die Hälfte sind Kinder unter 18 Jahren. Die Räume sind klein. Die Kinder würden viel auf der Straße spielen. „Das ist doch gut, wenn man bedenkt, dass viele schimpfen, dass Kinder nur noch vor der Konsole sitzen“, so Krieg. Problem sei die Straße, die schlecht einsehbar ist. „Wir sind deswegen mit dem Landratsamt im Gespräch.“

Herausforderung für Schule 

Netzwerken ist auch in der Schule wichtiger denn je. „Wir sind in ständigem Austausch mit den Sozialarbeitern im Löwengarten oder den Helfern“, berichtet Rektorin Ulrike Müller. Seit Beginn des Ukraine-Krieges stellte sich die Pestalozzischule auf mehr Kinder ein. Es gibt zwei Vorbereitungsklassen mit zehn bis 16 Kindern. Nach und nach kommen sie in die Regelklassen. Auch Freundschaften würden sich entwickeln, das brauche Zeit – bei jeder Nationalität. 

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