Emil Nolde war eigentlich ein Einzelgänger, erklärt Carla Mannschedel. Zumindest mit Blick auf Künstlerzusammenschlüsse. Ganz alleine scheint es der Künstler aber nicht auszuhalten. Nach Adas Tod 1946 stellt er Personen auf seinen Werken in der Regel nur noch zu zweit dar. Nach zwei Jahren Witwerdasein heiratet Nolde seine zweite Ehefrau. Die 26-jährige Jolanthe Nolde – Emil Nolde war zu dem Zeitpunkt schon 80 Jahre alt – verwaltet bis 2010 den Nachlass des Künstlers mit.
Kräftige Farben, düstere Biografie: Künstler Emil Nolde im Zentrum der 16. Lesersommer-Aktion
Im Museum Würth 2 erfahren 29 Zeitungsleser über Emil Noldes Werke und seine schwierige Vergangenheit im Nationalsozialismus. Neben Werken aus der Sammlung Würths werde auch Leihgaben aus Seebüll gezeigt.
Im Museum Würth 2 blicken 29 Zeitungsleser gespannt auf ein Kunstwerk mit der Inventarnummer drei: „Wolkenspiegelung in der Marsch“. „Das ist der Beginn der Sammlung Würth“, erklärt Carla Mannschedel die kleine Zahl. Sie ist Mitkuratorin der Ausstellung „Emil Nolde – Welt und Heimat“ und führt am Montag die Gewinner des Lesersommers hindurch. In der Ausstellung werden neben Werken aus der würthschen Sammlung auch einige Leihgaben aus dem Nolde-Museum in Seebüll präsentiert. „Emil Nolde macht natürlich sehr viel Spaß“, erzählt die Kuratorin. Aber der Künstler habe auch eine schwierige Biografie.
Lesersommer im Museum Würth 2: Emil Nolde, seine Werke und Biografie
Am 7. August 1867 kam Hans Emil Hansen in einem Ort in Schleswig, nicht weit von der dänischen Grenze auf die Welt. Den Namen Nolde – der Name seines Geburtsorts – nahm er Anfang des 20. Jahrhunderts an. Seine Heimatverbundenheit zeigte sich auch darin, dass er die dänische Staatsbürgerschaft annahm, als sein Geburtsort 1920 an Dänemark fiel.
Kräftige Farben: Impressionistische Werke von Emil Nolde im Museum Würth 2
Nach einer Holzbildhauer- und Zeichnerlehre führte es Nolde an verschiedene Orte. Unter anderem nach Kopenhagen, wo er 1902 seine Frau Ada Vilstrup kennenlernte. Wenig später entstand das Werk „Zwei am Meeresstrand“. Das Bild des eng umschlungenen Pärchens ist impressionistisch, erklärt Mannschedel: Hier erkenne man deutlich, dass die Farbe getupft wurde.
Nach einer schweren Erkrankung Adas macht das Paar eine längere Reise nach Italien. „Hier findet Nolde langsam die Farben.“ Auf einer späteren Reise nach Deutsch-Neuguinea kommt immer mehr Farbe in Noldes Werke. Dabei spiegeln die Farben nicht die Realität wider, sondern zeigen ein Farbgefühl.

Blumenbilder, Meeres- und Landschaftsdarstellungen: Emil Nolde und seine Werke
Mit der Zeit werden die Bilder abstrakter, Farbflächen ergeben erst gemeinsam eine Figur, und vor allem: Nolde nutzt viel Komplementärfarben, die „aufeinander knallen“, das fällt etwa bei seinen Blumenbildern auf. Bei seinen Meisterwerken – Landschafts- und Meeresdarstellungen, für die er bekannt wurde – gelingt es ihm, Perspektiven zu schaffen, ganz ohne Motive im Bildhintergrund. „Das malt keiner außer ihm so.“
Kein Opfer: Emil Nolde im Nationalsozialismus
„Jetzt kommen wir zum nicht so schönen Teil“, kündigt Mannschedel an. „Nolde war ein glühender Anhänger des Nationalsozialismus.“ Der Antisemit, Mitglied des dänischen Pendants der NSDAP, galt aber lange Zeit als Opfer der NS-Zeit. Viele seiner Werke wurden von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und in Ausstellungen von entarteter Kunst gezeigt. 1940 erhielt er ein Berufsverbot. Nach dem Krieg erzählte der Künstler von einem Malverbot und schwärzte seine Biografie. Dass Emil Nolde kein Opfer der Nazis war, wurde vor allem seit 2013 bekannt: Der neue Direktor der Nolde-Stiftung öffnet das Archiv. Man müsse das Werk betrachten, aber auch den Künstler, sagt die Kuratorin.

Interesse an Kunst: Zeitungsleser freuen sich an Lesersommer-Aktion
Beim anschließenden Sektempfang vor dem Museum erklärt Leser Waldemar Reisch (78) mit Blick auf Noldes schwierige Vergangenheit: „Ich kann mir kein Urteil erlauben.“ Das sei die Zeit gewesen und verurteilen sei leicht, aber man wisse nicht, was man selbst getan hätte, stimmt seine Frau Christine (75) zu. Für die beiden Öhringer habe die Veranstaltung genau gepasst, sie seien schon immer interessiert gewesen an Nolde. Die Führung sei wichtig gewesen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Auch Gerhard Herrmann (70) aus Weinsberg wählte diese Aktion, „weil der Nolde interessant ist“. Es ist nicht der erste Lesersommer für seine Frau und ihn. Etwa auf der Heilbronner Gartenschau damals oder bei einer Weinprobe seien sie schon gewesen.
Für Cornelia Feld (66) und Christian Nagel (69) war die Veranstaltung „stimmig“. Aktionen, bei denen man noch etwas lernen kann, gefallen den beiden. „Mein Vater hat selber gemalt“, erklärt Nagel, und er habe ihm etwa Nolde empfohlen. Die Hintergrundinfos bei der Führung seien gut gewesen, Carla Mannschedel habe das gut gemacht. „Jetzt gehen wir nochmal rein“, sagt Feld.

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