Ehrenamtliche sorgen für mehr Mobilität
Immer mehr Bürger nutzen Seniorenmobil in Pfedelbach - Ehrenamtliche Fahrer absolvieren regelmäßig Fahrtrainings

Stolz auf ihre Vorbildfunktion sind sie schon, geben die Fahrer des Pfedelbacher Seniorenmobils etwas verlegen lächelnd zu. Immerhin war das Seniorenmobil, das in diesen Tagen schon auf sein zehnjähriges Bestehen zurückblickt, mit das erste Mobilitätskonzept dieser Art in Hohenlohe, erzählen Hans Wolf und Klaus Mayer. Beide sind Fahrer der ersten Stunde und noch immer engagiert dabei.
Donnerstag ist reserviert
Jeden Donnerstag können sich ältere Menschen anmelden und werden von ehrenamtlichen Fahrern zum Arzt oder zum Einkaufen gebracht. Und die Fahrgäste werden immer mehr. Zum Start vor zehn Jahren waren es jährlich 292 Menschen, die das Angebot genutzt haben. 2022, nach Corona, waren es 330, im Jahr 2024 sogar 415 Personen, im vergangenen Jahr etwas weniger. Die Zahl, so wissen die Fahrer, schwanke natürlich auch, je nachdem wie agil die Senioren noch sind. Voraussetzung für das Mitfahren sei, dass man alleine ins Auto steigen könne.
Stammgäste und Anekdoten
Die Gemeinde ist froh, dass so viele Ehrenamtliche sich für die Senioren einsetzen, lobt Bürgermeister Torsten Kunkel und erinnert an die Anfänge. Die Gemeinde hat aus dem Nachlass eines Bürgers ein Erbe erhalten. Das sollte ausschließlich für die Seniorenarbeit eingesetzt werden. Gesagt, getan. Davon wurde das Fahrzeug finanziert. „Am Anfang sind wir noch mit dem alten Gemeindebus gefahren“, fügt Hans Wolf hinzu.
Grundsätzlich haben Arztbesuche Vorrang, doch meistens gelingt es den Fahrern, alle Anliegen der Fahrgäste unter einen Hut zu bekommen, auch wenn der Fahrplan manchmal ganz schön eng werden kann. Im Schnitt werden sechs Personen pro Fahrt mitgenommen. „Wir schauen, dass Menschen vorwiegend bei uns in der Gemeinde einkaufen“, erklärt Mayer. „Aber wenn eine Dame etwa seit 40 Jahren beim selben Friseur in Öhringen ist, dann fahren wir sie natürlich dorthin.“ Und wer die vielen Anekdoten der Fahrer hört, dem wird klar: Für viele ältere Menschen spielt auch der persönliche Kontakt eine große Rolle. Wolf sagt: „Wenn ich in einem vollen Auto frage, wer zuerst nach Hause möchte, sind sich alle einig, dass man zuerst den weitesten Standort anfährt.“ Viele Pfedelbacher Senioren genießen eine Fahrt durchs Gemeindegebiet. Wolf sagt: „Ich habe noch nie ein Tätigkeit gehabt, bei der ich so viel Dankbarkeit erlebt habe.“ Die Fahrer üben diese unentgeltlich in ihrer Freizeit aus.
Spenden nur für Benzin genutzt
Viele wollen ihren Dank mit einer Spende ausdrücken. Doch die werde nur für den Sprit genutzt, so Mayer. Nur ein weiblicher Fahrgast bekommt eine Sonderregelung, erklären die Fahrer lachend. Sie bringt nämlich jedes Mal Eier von den eigenen Hühnern. Und auch sonst bringt das Fahren nicht nur eine Portion Unterhaltung, sagt Mayer lachend: „Ich habe das Gefühl, im Laufe der Jahre habe ich ein kleines Medizinstudium absolviert.“ Die meisten Fahrten führten zu Ärzten und darüber tausche man sich fleißig aus.
Gerhard Bartenschlager hat ebenfalls eine Anekdote parat. Während seiner Tour haben sich zwei Cousinen zufällig wiedergesehen, die zuvor jahrelang keinen Kontakt hatten.
Sicherheitstraining für Fahrer
Was auffällt: Auch die ehrenamtlichen Fahrer sind durchaus betagter, bringt es Mayer auf den Punkt. Um auf Nummer sicher zu gehen, absolvieren die Senioren regelmäßig ein Fahrsicherheitstraining in Weinsberg und einen Erste-Hilfe-Kurs - und bis jetzt würden alle Fahrer das Training meistern. Neun sind es an der Zahl, die sich donnerstags abwechseln. Am Dienstag davor gestalten sie ihre Route selbst. Vielleicht ist das auch mit ein Grund, warum bis jetzt kein Fahrtag ausgefallen sei.
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