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Einsamkeitsserie

Rikscha-Ausflüge für Senioren in Öhringen: Abwechslung und Lebensfreude im Alltag

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Seit gut zwei Jahren gibt es die E-Rikscha, die Senioren ab 60 kostenlos durch den Öhringer Hofgarten und die Cappelaue fährt. So können auch in der Mobilität eingeschränkte Personen die Veränderungen in Park und Stadt besichtigen.

Für Rosemarie Ulke und Konrad Fröhlich geht die Fahrt in der E-Rikscha des Stadtseniorenrats Öhringen ganz bequem vor der Haustüre der Seniorenheimat los.
Für Rosemarie Ulke und Konrad Fröhlich geht die Fahrt in der E-Rikscha des Stadtseniorenrats Öhringen ganz bequem vor der Haustüre der Seniorenheimat los.  Foto: Anna-Linda Hahn

„Können wir los?“, fragt Walter Weiffenstein seine zwei Mitfahrer. Nach freudiger Antwort geht es für Rosemarie Ulke und Konrad Fröhlich auch schon los in der E-Rikscha in Richtung Hofgarten. Für die Bewohner des Pflegeheims „Seniorenheimat“ ist die 30-minütige Fahrt eine neue Möglichkeit, die Stadt zu erkunden und Neues und Altes (wieder-) zu entdecken, sich gemeinsam auszutauschen und für kurze Zeit aus dem Alltag herauszukommen.

Vorbild kommt von der Buga Heilbronn: E-Rikscha fuhr auch schon auf dem Gartenschaugelände

Die E-Rikscha ist zwischen April bis etwa Oktober ein Angebot des Stadtseniorenrats Öhringen. „Vor ungefähr zwei Jahren kam uns der Gedanke“, sagt Seniorenratsmitglied Gerd Jungk. Inspiriert wurden sie dabei von der Bundesgartenschau in Heilbronn, dort fuhren ebenfalls Rikschas die Besucher über das Buga-Gelände. Allerdings ist die Senioren-Rikscha in Öhringen erst für Senioren ab 60 und „für Leute, die selbst nicht mehr fahren können“, so Jungk. Aber natürlich können auch Senioren, die noch gut zu Fuß sind, in den Genuss der Rikscha kommen.

Vom Seniorenheim über die Straßen geht es rein in den Hofgarten. Es wird erkundet, was teilweise seit Jahren nicht mehr möglich ist. Nicht nur die Fahrt im Hofgarten oder der Cappelaue zählen zu den Highlights. Bereits der Weg dorthin bietet immer wieder neue und spannende Dinge, die sich im Laufe der Jahre verändert haben. „Die Rikscha hat einen Riesenmehrwert“, sagt Diana Hettinger, Betreuungsleiterin der Seniorenheimat. „Wir gehen zwar auch mit den Senioren in den Hofgarten, aber so ist es nochmal etwas anderes“, sagt sie. Außerdem sei es mit Rollstühlen schwierig, in den Hofgarten zu kommen, da sei die Rikscha die bessere Alternative.

Rikscha-Fahrer arbeiten ehrenamtlich – Spenden für die Kaffeekasse sind trotzdem gerne gesehen

Finanziert wurde das Spezialrad zum größten Teil von der Stadt Öhringen sowie durch Spenden des Autohauses Koch und des Hohenlohekreises. Insgesamt hat der Stadtseniorenrat sechs Fahrer, die ehrenamtlich die Senioren durch Öhringen fahren. „Es ist komplett kostenlos, aber gegen eine Spende für unsere Kaffeekasse haben wir natürlich nichts“, sagt Gerd Jungk mit einem Lächeln.

Denn trotz des E-Motors, mit dem die Rikscha bis zu 25 Kilometer pro Stunde zurücklegen kann, braucht es eine gewisse Anstrengung, das 450 Kilogramm schwere Gerät vom Fleck zu bewegen. „Richtig große Steigungen kann man mit dem Rad nicht machen, aber alles andere lässt sich mit dem E-Motor bewerkstelligen“, so Fahrer Walter Weiffenstein. „Und wer kann alles mitfahren? „Wir kriegen fast jeden rein, außer Rollstuhlfahrer“, sagt Jungk, denn für eine Einstiegshilfe ist am weißen Gefährt gesorgt. Für kältere Tage gibt es Decken, damit niemand frieren muss. Und für die Sicherheit wird sich angeschnallt.

Rikscha ermöglicht wieder Orte zu sehen, die lange nicht besucht werden konnten

Wieder zurück freut sich Rosemarie Ulke über die Fahrt: „Es war ganz toll.“ Sie durfte zum ersten Mal bei der Rikscha mitfahren. „Es war früher mein Arbeitsweg, aber ich bin seit Jahren nicht mehr mobil“, sie habe den Hofgarten schon lange nicht mehr gesehen und ist von den ganzen Veränderungen begeistert. Auch ihr Beifahrer Konrad Fröhlich hat die Fahrt genossen. Der gebürtige Franke ist noch nicht lange in Öhringen, konnte aber schon seine zweite Fahrt mit der Rikscha verbuchen.

Er kannte den Hofgarten und die Cappelaue vorher noch nicht, aber hat im Vergleich zur vergangenen Fahrt schon Unterschiede entdeckt. „Es sind noch kahle Stellen im Hofgarten zu sehen, weil da gerade etwas frisch eingepflanzt wurde“, sagt er. Anders als bei der ersten Fahrt ging diese auch länger. „Wir waren sogar an der Scheune, aber leider war sie geschlossen“, lacht der Franke. Trotz längerer Fahrt ist er traurig, dass die Runde schon wieder vorbei ist. „Wenn man einmal drinnen sitzt, kann man auch noch länger bleiben“, sagt er.

Während Rosemarie Ulke und Konrad Fröhlich noch in den gerade erlebten Erinnerungen schwelgen, fährt Walter Weiffenstein schon mit den nächsten Bewohnern los, die Gegend zu erkunden.

Die Seniorenrikscha für alle ab 60 Jahren hat Platz für zwei Mitfahrende und kann bei Gerd Jungk von Montag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 0151 42234752 gebucht werden. Treffpunkte sind der Parkplatz an der Kultura oder vor der Alten Turnhalle. Es ist auch möglich beim Standplatz in Untermaßholderbach zu starten. Für Seniorenheime gibt es die Möglichkeit, direkt vor dem Haus in die Rikscha zu steigen. 

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