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E-Car-Sharing im ländlichen Raum 
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E-Carsharing: Stromer stocken nochmals auf 

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Carsharing in Zweiflingen: Verein Stromer erweitert Angebot nochmals um ein Fahrzeug. In Friedrichsruhe steht nun das erste eigene Fahrzeug bereit

Viele Beteiligte ziehen beim Verein Stromer an einem Strang. In Friedrichsruhe wurde ein neues Fahrzeug übergeben. Foto: privat
Viele Beteiligte ziehen beim Verein Stromer an einem Strang. In Friedrichsruhe wurde ein neues Fahrzeug übergeben. Foto: privat  Foto: Jani, Stefanie

Die Stromer kommen ihrem Ziel immer näher: Bei seiner Gründung hatte sich der rührige Verein aus Zweiflingen vorgenommen, in jedem Teilort ein Fahrzeug bereitzustellen. Nun, neun Jahre nach der Gründung, ist fast die Hälfte geschafft. Neben dem Hauptort Zweiflingen und Orendelsall ist nun auch im Teilort Friedrichsruhe ein E-Auto zum Carsharing zur Stelle – es ist das erste gekaufte Fahrzeug des Vereins. Die anderen sind geleast. 

Schlosshotel hat kräftig unterstützt 

Ohne Unterstützung wäre das nicht möglich gewesen, betonen die Stromervorstände Andrea Specht und Horst Häberlen gegenüber der Hohenloher Zeitung. Ebenfalls im Vorstand ist der Zweiflinger Bürgermeister Klaus Gross. Dieses Mal kam das Geld sogar aus zwei verschiedenen Töpfen. Zum einen kam ein Teil aus dem Leader-Förderprogramm der Limesregion Heilbronn-Hohenlohe. Bei jenem werden Kleinprojekte bis 20 000 Euro gefördert. Der andere Teil kam durch eine Kooperation mit dem Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe zusammen.

Stromer für junge Menschen

Das Prinzip der Stromer ist simpel, erklärt Andrea Specht: Jedes Mitglied und deren Familienangehörige können ein Auto buchen. Das können Privatpersonen oder auch Firmen sein. Zeit und Strom werden berechnet. Das Wald- und Schlosshotel ist als Firma Mitglied und deshalb können auch Mitarbeiter das Auto buchen. Das Angebot richte sich natürlich an alle Friedrichsruher Bürger. Geparkt wird beim Hotel. Die Ladesäule habe das Hotel zur Verfügung gestellt. „Dort arbeiten auch viele Auszubildende und Fachkräfte, die dort wohnen und zum Teil mit dem Taxi nach Öhringen gefahren sind“, hat Häberlen schon mitbekommen. Der damalige Hoteldirektor Rolf Brönnimann hatte die Zusammenarbeit in die Wege geleitet, hebt Häberlen nochmal hervor. Er hatte schon bei seinem Amtsantritt betont, er wolle den Kontakt zu den Bürgern intensivieren. Vor allem für junge Auszubildende sei das optimal, findet der Vorstand. Gerade junge Leute will man noch mehr für das E-Car-Sharing gewinnen, betont Specht. Und: Die drei Fahrzeuge werden für Fahrten der Bürgerstromer genutzt. Dieses Angebot, das 2020 ins Leben gerufen wurde, unterscheidet sich von dem allgemeinen Stromer. Hier wird eine Nutzung angemeldet und ein Fahrer über die Gemeinde gebucht. Derzeit wird der Bürgerstromer vor allem von Senioren genutzt. Aber: Der Bürgerstromer sei kein reines Seniorentaxi, wie es mittlerweile in vielen Gemeinden gibt, betont Specht. 

Ideen für Nutzung 

Ideen gibt es viele. Denkbar wäre auch, dass Familien das Angebot in Anspruch nehmen, falls mehrere Kinder zu fahren sind. „Wenn sich ein Fahrer findet, könnte man auch mal junge Menschen ins Kino bringen oder von einer Party abholen“, überlegt Specht.Mit diesem Angebot Familien dazu zu bringen, ihr Erstauto aufzugeben, davon träumen die Vereinsmitglieder nicht. Realistisch wäre, mit den Stromern das Zweitauto zu ersetzen. Bei zwei Familien in der Gemeinde, das wisse man im Verein, sei das bereits geglückt. Auch die Nutzungszahlen nähmen zu, „immer ein bisschen“, so Specht. Die Menschen auf dem Land seien eben gewohnt, dass man immer selbst fahren müsse. Dass man diese Fahrdienste auch abgeben könne, dafür müsse man ein Bewusstsein schaffen. Gleiches gilt auch für den Verein, der derzeit um die 15 sehr aktive Mitglieder hat. Auch hier sucht man noch Menschen, die sich einbringen, damit die restlichen vier Teilorte irgendwann auch noch mit einem Mobilitätsangebot abgedeckt werden. Das Stromer-Fahrzeug in Zweiflingen steht am Rathaus, wo es geladen werden kann. In Orendelsall wird es derzeit einfach mitgenommen und zu Hause geladen. In Friedrichsruhe steht es am Hotel.

Wie der Stromer genutzt wird 

Seit 2017 ist das erste Stromer-Fahrzeug unterwegs. Stand Februar 2025 gab es 2400 Buchungen. Über 100 000 Kilometer sind zurückgelegt worden. Der Bürgerstromer wurde seit 2020 406 Mal für Fahrten gebucht. Über die Jahre verteilt, sind die Zahlen immer stetig gestiegen. Der Bürgerstromer kann unter der Telefonnummer 07948 94 19 222 gebucht werden. Nutzen kann ihn jeder Zweiflinger Bürger. Bürgerstromer-Fahrer kann jeder werden. Voraussetzungen dafür sind jedoch ein Mindestalter von 21 Jahren und der Führerschein der Klasse B.

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