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Altablagerungen im Fokus
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Drei Deponien in Kupferzell könnten abrutschen und werden noch genauer untersucht 

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Vor allem bei Starkregen könnte der alte Müll aus den Klingen geschwemmt und mitsamt dem Erdreich talwärts gespült werden. Forchtenberg musste dafür nach dem Mai-Unwetter 2016 teuer bezahlen. Was könnte auf Kupferzell zukommen?    

Auslaufrohr im Bachgerinne des Goggenbachs unterhalb der Altablagerung Buchwald bei Trockenwetterabfluss.
Auslaufrohr im Bachgerinne des Goggenbachs unterhalb der Altablagerung Buchwald bei Trockenwetterabfluss.  Foto: privat

Im Hohenlohekreis gibt es noch 343 alte, teils vergessene Deponien. Dort wurde bis weit in die 1970er Jahre Müll abgelagert. Sie liegen oft in engen Klingen, der Abfall schlummert vor sich hin - bis Starkregen ihn womöglich ausspült und er mitsamt dem Erdreich abrutscht. So geschehen beim Unwetter vom 29. auf den 30. Mai 2016, als vor allem im Kochertal verheerende Schäden zu beklagen waren. In Folge dessen wurde das Landratsamt aktiv und nahm Altablagerungen, deren Standorte bei Starkregen besonders gefährdet sind, näher in Augenschein.

Drei Deponien müssen näher untersucht werden

In Kupferzell wurden die Altablagerungen Ölmühle bei Ulrichsberg, Klingenwiese bei Rüblingen und im Bereich des ehemaligen Flurstücks der Firma Fuchs als unkritisch eingestuft und nicht weiter betrachtet. Jetzt hat das Landratsamt drei weitere Standorte aufgespürt, die möglichweise Probleme bereiten könnten, wenn zu viel Wasser auf einmal in die Klingen strömt: bei Goggenbach, Feßbach und Eschental. Dort fanden jetzt „orientierende Untersuchungen“ statt, wie in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats zu erfahren war.

„Bis es uns wirklich Geld kostet, sind wir im Jahr 2030 angekommen“

Die Bewertung habe ergeben, dass in allen drei Fällen eine aufwendigere „Sanierungsuntersuchung“ nötig ist. Was kommt da auf die Gemeinde zu? „Zunächst wird geprüft: Was liegt wo? Ist das bezahlbar und umsetzbar?“, erklärt Bürgermeister Christoph Spieles. „Wir rechnen 2027 mit den ersten Ergebnissen. Frühestens 2028 wissen wir dann, was konkret zu tun ist. Bis es uns wirklich Geld kostet, sind wir im Jahr 2030 angekommen.“ Uwe Wied, der Leiter des Technischen Amts, präzisiert: „Es geht darum, die Altdeponien zu sichern, damit sie nicht abrutschen. Ziel ist nicht, deren Inhaltsstoffe zu analysieren oder diese zu beseitigen.“

Altablagerung Buchwald nordöstlich von Goggenbach am heikelsten

Am „herausforderndsten“ sei die nordöstlich von Goggenbach gelegene Altablagerung Buchwald. Wied zieht einen Vergleich zu den Deponien am Flatterberg und Engelbach nahe Forchtenberg, die bei dem Mai-Unwetter 2026 freigespült wurden. „Wir wollen verhindern, dass genau so etwas passiert.“ Die Stadt Forchtenberg kam dieser Vorfall teuer zu stehen. Es gab zwar Zuschüsse seitens des Landes. Trotzdem blieben für die Beseitigung des Schadens insgesamt fast 1,9 Millionen Euro an der Kommune hängen: 1,5 Millionen Euro für die Arbeiten am Flatterberg und 370.000 Euro für jene am Engelbach.

Zwei Räte favorisieren pragmatische Zwischenlösungen 

Das ruft FWV-Rat Volker Baumann auf den Plan: „Können wir hier auch selber aktiv werden, um mit pragmatischen Lösungen zu verhindern, dass es später sehr teuer wird?“ Wied erklärt: „Die Flächen sind alle im Privatbesitz, die Gemeinde muss sich aber als Rechtsnachfolgerin um die Altablagerungen kümmern.“ Die „erste Idee“ sei gewesen, „das Wasser aus dem Goggenbach auf eigene Rechnung auszuleiten“. Der Haken: „Dafür gibt es keine Förderung.“ Auch UWG-Rat Peter Lemke plädiert für ein „Provisorium, das nicht viel kostet“. Bürgermeister Spieles verspricht: „Wir schauen uns das gerne vor Ort noch einmal an. Wenn es einfach zu lösen ist, würde ich das nicht ausschließen.“

Altablagerung nördlich von Künsbach ist weniger problematisch

Weniger problematisch ist laut Uwe Wied die nördlich von Künsbach gelegene Altablagerung Schnäue, während man die nordöstlich von Eschental gelegene Altablagerung Au genauer in den Blick nehmen müsse. 

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