Jeden Dienstag um 22 Uhr verkörpern Marcus Neuweiler und seine Bühnenpartnerin Birgit Pfeiffer in der SWR-Sendung „Comedy-Scheune“ das schwäbische Ehepaar Elsbeth und Alois Gscheidle. Seit über 30 Jahren steht ihm seine Partnerin zur Seite, die einst als Zuschauerin in seinem Publikum saß.
Dialekt-Comedian Marcus Gscheidle im Interview: "Philosoph des Alltags"
Vom Bankschalter ins Rampenlicht schafft es Marcus Neuweiler alias Alois Gscheidle aus Schöntal. Mit seinem schwäbischen Comedy-Kabarett gewinnt er in diesem Jahr drei Preise.

Die meisten kennen ihn als den lustigen Schwaben Alois Gscheidle – doch Marcus Neuweiler hat auch eine ernsthafte Seite. Der 58-jährige Schöntaler und zweifache Vater erzählt im Interview, wie er den Weg vom Bankkaufmann zum erfolgreichen Komiker fand.
Herr Neuweiler, wie kamen Sie zur Comedy?
Marcus Neuweiler: Ich hatte schon immer Interesse an allem, was witzig ist. Im Freundeskreis war ich bekannt als der Lustige. Da hieß es immer: „Mach mal ihn oder ihn nach“. Beispielsweise Jürgen von Manger als Adolf Tegtmeier, in dessen Stimmlage ich dann gesprochen habe. Auf meinem Abi-Ball durfte ich dann das erste Mal auftreten – ich habe den Rektor parodiert. Später kam jemand aus dem Publikum auf mich zu und meinte, er wolle mich für die Hochzeit seines Bruders buchen. Und so fing das Ganze an, erst mal nur neben meiner Ausbildung zum Bankkaufmann, später hauptberuflich.
Hatten Sie denn keine Probleme während der Pandemiezeit?
Marcus Neuweiler: Doch. Während Corona ging wirklich gar nichts mehr in der Unterhaltungsbranche. Ich musste wieder Vollzeit bei der Bank anfangen. Zwei Jahre habe ich dort dann gearbeitet, bis einschließlich 2022. Dann kam die Kultur wieder auf die Bühne zurück und ich durfte die Leute wieder zum Lachen bringen.
Und das sehr gut. Sie haben in diesem Jahr drei Preise gewonnen. Den Sebastian-Blau-Preis in den Kategorien Jury, Publikum und Online-Voting. Was bedeutet das für Sie?
Marcus Neuweiler: Darauf bin ich sehr stolz, besonders auf den Publikumspreis. Denn das ist es ja, was ich am Ende des Tages erreichen möchte. Die Fachjury hat immer bestimmte vorgelegte Kategorien, die achten auf ganz andere Dinge als die wirklichen Zuhörer. Aber genau die sind es ja, für die ich den Job so gerne mache.
Was ist, denken Sie, der Grund dafür, dass Sie das Publikum so begeistern?
Marcus Neuweiler: Ich habe eine Fähigkeit, die viele andere nicht haben – das Improvisieren. Ich kann das Publikum spontan mit einbeziehen. Ich hole mir Gäste auf die Bühne. Damit muss man umgehen können, da muss man schlagfertig und flexibel sein. Und das mache ich gerne, das macht mir Spaß.
Sie wurden von der Jury als „Philosoph des Alltags“ bezeichnet. Warum?
Marcus Neuweiler: Weil ich in meinem Programm Themen aus dem Alltag aufgreife, die ich wortgewandt präsentiere, wie beispielsweise „Zehn Worte in der Ehe“. Mein Motto ist „zrücklehna und lacha“. Die Leute sollen von negativen Nachrichten aus der Welt einfach abschalten und sich amüsieren können. Daher versuche ich auch kein großartiges politisches oder gesellschaftskritisches Kabarett zu machen. Mein Antrieb ist es, die Leute aus ihrem stressigen Alltag rauszuziehen, indem ich in eine Rolle schlüpfe, zu der sie auch einen Bezug haben. Zum Beispiel in meiner Rolle als Alois Gscheidle, der auf Mallorca Urlaub macht oder in den Bergen wandern geht. Wenn aus dem Publikum ein „Ja, das ist uns auch passiert“ oder „Das kennen wir!“ kommt, ist das sehr lustig.
Schwäbische Mundart spielt eine große Rolle in Ihrem Programm. Was fasziniert Sie daran?
Marcus Neuweiler: Ein Dialekt ist eine schöne Verbindung zueinander. Es herrscht direkt eine gewisse Vertrautheit untereinander, wenn man durch den Dialekt hört, dass man aus der gleichen Region kommt. Mein Publikum ist im Schnitt 50 Plus Jahre alt. Da kennen viele noch die alten schwäbischen Wörter der Oma, die ich auf der Bühne wieder aufleben lasse. Das gefällt mir und auch dem Publikum.
Sie sind nicht nur auf der Bühne im Ländle erfolgreich, sondern auch regelmäßig im Fernsehen zu sehen. Fühlt sich das anders an?
Marcus Neuweiler: Es fühlt sich toll an. Trotzdem ist es für mich schwieriger vor der laufenden Kamera als auf der Publikumsbühne. Man muss auf ganz verschiedene Dinge achten, wie zum Beispiel in die Kamera gucken, in der das rote Licht aufblinkt, vorgegebene Abstände einhalten, auf genaue Zeitangaben achten. Da sind die Anspannung und der Druck schon anders. Aber es macht sehr viel Spaß.

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