Vier Bewerber, ein Ziel: den Chefsessel im Pfedelbacher Rathaus
Wer dachte, das Rennen um den Pfedelbacher Rathaussessel sei längst entschieden, hat sich getäuscht: Bei der Kandidatenvorstellung der Gemeinde gab es viel Applaus für alle vier Bewerber. Wie sie sich geschlagen haben: die Einzelkritik.

Reichen die Plätze in der Nobelgusch? Die Schlange der Wartenden ist lang. Alle wollen sie erleben, wie sich die vier Kandidaten um die Nachfolge von Bürgermeister Torsten Kunkel schlagen. Am Donnerstagabend haben die Kandidaten bei der Bewerberpräsentation der Gemeinde die Chance, ein großes Publikum an einem Abend zu erreichen: 15 Minuten lang dürfen die Bewerber die 900 Zuhörer von sich überzeugen. Der Applaus am Ende jeder Vorstellung zeigt: Die Kandidaten liegen eng beisammen.
Strenge Regeln bei Kandidatenpräsentation
8762. Diese Zahl hallt zu Beginn der Veranstaltung durch den Raum. „Solange ist es her, dass ich hier vorne gestanden bin. Ich weiß, da hat man Fracksausen“, begrüßt Torsten Kunkel die Besucher. Nach 24 Jahren tritt er nicht mehr an. Deshalb führt er souverän durch den Abend mit klaren Spielregeln: 15 Minuten Redezeit, dann wird das Licht erst rot, dann der Ton abgedreht. Für die zehn Minuten möglicher Bürgerfragen an jeden Kandidaten gelten die gleichen Regeln. Und während einer auf der Bühne ist, warten die anderen im stillen Kämmerlein.

„Die Vorrundenspiele sind gelaufen, das ist heute das Halbfinale, wie auch beim HZ-Forum am Montag“, sagt Kunkel. Und „am 8. März werden wir dann sehen, ob es das Finale war oder ob es eine Verlängerung gibt“. Bei vier Kandidaten ist es nicht unwahrscheinlich, dass es keine Entscheidung im ersten Wahlgang gibt.
Bürgermeisterkandidaten präsentieren ihre Ziele
In der Reihenfolge, wie die Bewerber auf dem Wahlzettel stehen, betreten sie die Bühne. Daniel Vogelmann (40) beginnt. Im blauem Anzug mit gelber Krawatte gibt er sich bodenständig, in Hohenlohe verwurzelt, des Dialekts mächtig. Mittendrin. Das gilt nicht nur für den Wohnort seiner Familie im Ortskern von Pfedelbach, sondern auch für sein Engagement in Kirche, Schule, Verein. „Ich packe mit an, das ist mein Credo“, verspricht Vogelmann. Und wenn es im Bauamt klemme, dann auch dort. Aktuell arbeitet er bei der Bahn und will nicht der Karriere wegen Bürgermeister werden, sondern weil er der erste Mann sein will, der sich um die Gemeinde kümmert. Von Zuhörern auf seine Parteimitgliedschaft bei der SPD angesprochen, sagt Vogelmann, dass das seinen Werten entspricht, aber auch Kunkel habe es immer geschafft, trotz seiner CDU-Mitgliedschaft mit allen Fraktionen zu kommunizieren. Ob er sich bei der Kommunalwahl für den Kreistag aufstellen lasse, wisse er noch nicht.
Kandidatin mit viel Rathaus-Erfahrung
„Da wo Sie stehen, da will ich hin“, wendet sich Ina Krone (47), an diesem Abend in beige, an Bürgermeister Kunkel. „Aber ob ich es dann so lange mache wie Sie, das weiß ich nicht.“ Dass das Pult für sie mir ihren 165 Zentimetern zu hoch ist, sie ein kleines Podest braucht, ist der charmante Einstieg, den Zuhörern ihre Person nahe zu bringen. Aufgewachsen in der Gemeinde habe sie auch dort vor über 30 Jahren unter Bürgermeister Jürgen Wecker, der übrigens auch im Publikum sitzt, ihre Ausbildung begonnen. Prägend waren die 18 Jahre in der kleinen Gemeinde Spiegelberg, bei der sie alle anfallenden Arbeiten auf einer Verwaltung kennenlernte. Nun ist sie Kämmerin in Erlenbach, in einer Verwaltung mit vergleichbarer Größe.
„Ich weiß, dass Kämmerer oft die Spielverderber sind“, versichert sie, die Finanzen der Kommune zusammen zu halten und trotzdem die über 30 Vereine zu fördern. „Pfedelbach steht finanziell gut da, das soll so bleiben.“ Auch wenn es viele Herausforderungen gebe, begonnen bei mehr Bürgernähe und Transparenz bis hin zu Quartiersentwicklungen, der Lebensqualität der Menschen vor Ort, dem Ausbau der Freizeitmöglichkeiten und vielem mehr. „Alle Ziele aufzuzählen würde den Rahmen sprengen“, sagt Ina Krone und verspricht: „Ich kann Bürgermeister.“ Das bezweifelt niemand im Saal. Es gibt keine Fragen. Gut, dass sie zuvor schon gesagt hat, überparteilich anzutreten und ihren Wahlkampf selbst zu finanzieren.
Kandidat sammelt Stimmen und Schritte
„Die meisten kennen mich nicht in diesem, sondern im Trainingsanzug“, zupft Mark Dürr (48) an seinem salbeifarbenen Jackett. Er nimmt das Mikro in die Hand. „Ich muss mich bewegen beim Sprechen. Meine Uhr sagt, ich brauche noch 500 Schritte.“ Die hat der 48 Jährige schnell beisammen, der mit seiner Familie in Untersteinbach lebt und nach einer Ausbildung ebenfalls im Pfedelbacher Rathaus unter Jürgen Wecker, nun im Landratsamt verschiedene Stationen durchlaufen hat.
Bürgernah, verwurzelt in der Bürgerschaft und den Vereinen zeigt sich auch Dürr. Kommunikation ist ihm wichtig, gern würde er auch Gemeinderatssitzungen in den Teilorten machen oder mit einem Gemeinde-Mobil gelbe Säcke und Dienstleistungen in die Fläche bringen. Jugendgemeinderat oder Jugendvertretung könnte er sich vorstellen. Wichtig sei vor allem auch die Digitalisierung nicht nur im Rathaus. Auch für ihn von den Zuhörern die Frage nach der Partei? Er sei früher mal Gründungsmitglied bei der Jungen Union gewesen, seit 2002 aber parteilos.
Kandidat spricht von Stolz und Emotionen
Im grauen Anzug spricht Jens Müller (38) darüber, dass man stolz auf Pfedelbach sein könne, darauf, dass Dinge funktionieren. Das gehe nur mit einer enkelsicheren Finanzpolitik, führt der Wirtschaftspädagoge aus. Als solcher, betont er, lerne man zuzuhören, Wissen zu vermitteln, Entscheidungen transparent zu machen. Erst nach einigen Minuten erfährt man mehr über die Person Jens Müller, über seine noch junge Familie, die in der Nachbarkommune Bretzfeld lebt. Er kandidiere nicht der Karriere wegen in Pfedelbach als Bürgermeister, sondern weil er Verantwortung übernehmen und Heimat gestalten wolle.
Als Beamter im höheren Dienst habe er Erfahrung mit Verwaltung. Nach Ausflügen in die Wirtschaft, die Landwirtschaft, zu Vereinen und sonstigen Zielen fällt das Wort emotional gleich mehrfach. Und zwar wenn es um seine noch junge Familie und die Kita-Gebühren geht. „Dass Kitas ein emotionales Thema sind, das weiß ich aus eigener Erfahrung“, verweist er auf den ersten Kindergartentag seiner Tochter am Montag.
Und auch für ihn die Zuhörerfrage nach der Partei: Früh sei er CDU-Mitglied während de Weltwirtschaftskrise geworden, könne sich auch vorstellen, für den Kreistag zu kandidieren.
HZ-Wahlforum am Montag
Wer die vier Bewerber um den Pfedelbacher Rathaussessel im direkten Vergleich erleben möchte, kann das beim HZ-Wahlforum am Montag tun. In der Nobelgusch stellen sich Daniel Vogelmann, Ina Krone, Mark Dürr und Jens Müller ab 19 Uhr den Fragen der HZ-Redakteure Yvonne Tscherwitschke und Stefanie Jani.
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