OrganisationBürger müssen ihren Bedarf auf einem Anrufbeantworter anmelden, der über eine Telefonnummer bei der St. Josefspflege zu erreichen ist: 079384149803. Zwei Ehrenamtliche koordinieren die Fahrten, die dienstags, donnerstags und freitags stattfinden. Der Verein ProMu sucht weitere Ehrenamtliche als Fahrer.
Wunsch erfüllt: Nach gut einem Jahr fährt bald wieder ein Bürgerbus
Nach einem Unfall im vergangenen Jahr hat die Gemeinde Mulfingen das Projekt Bürgerbus beendet – aus finanziellen Gründen. Jetzt stemmen Ehrenamtler das Projekt, für das es großen Bedarf gibt.

Ein jähes Ende: Anfang des Jahres 2025 hatte der Bürgerbus der Gemeinde Mulfingen einen Unfall. Dann entschied der Gemeinderat, keinen neuen anzuschaffen und das von der Gemeinde geleitete Projekt nach gut vier Jahren zu beenden – mangels Geld und mangels Personal. Die Gemeinde habe genug mit ihren Pflichtaufgaben zu tun, sagt Mulfingens Ortsvorsteher Johann Dirnberger, „der Bürgerbus ist halt eine freiwillige Leistung“.
Fahrten zu unregelmäßigen Zeiten: Der Bedarf ist da
Dann wandte sich die Verwaltung an die Organisation, aus der die Idee für das Projekt ursprünglich kam: Der Verein ProMu, mit Bürgern, die sich unter dem Motto „Mulfingen mehr miteinander“ zusammengeschlossen haben. Denn dort gibt es Expertise. Der kürzlich verstorbene Mulfinger Arzt Horst Geiger habe die Idee gehabt, erzählt Markus Reinauer, Vorsitzender des Vereins. „Der Doc ist damals in halb Baden-Württemberg herumgefahren und hat sich Konzepte angeschaut.“ Auf seine Arbeit baut das Projekt auf, das der Verein nun gerne übernommen hat: Ab dem 10. Januar fahren Ehrenamtliche wieder für die Bürger in Mulfingen, die sonst nur schwer mobil sind.
Denn es gibt einen Bedarf. Das hat Dirnberger im Gespräch mit seinen sieben Ortsvorstands-Kolleginnen und -Kollegen erfahren. „Zum Teil haben im letzten Jahr Menschen angerufen und gesagt: ,Ich brauche das wieder, ich muss Arzttermine in Mergentheim wahrnehmen! Können Sie sich dafür wieder einsetzen?’“, erzählt Dirnberger, der laut Reinauer am meisten Energie in das neue Projekt gesteckt habe. Schließlich ist eines klar: Der öffentliche Nahverkehr richtet sich nicht nach Arztterminen – und wenn man mal einen bei einem Facharzt verpasse, dann dauere es wieder Monate, bis man einen neuen bekommt, kommentiert der Ortsvorsteher Johann Dirnberger.
Josefspflege und Physiotherapeutin stellen Autos
Demografischer Wandel und die abwanderne Jugend – „Mobilität im ländlichen Raum ist eine Zukunftsherausforderung“, findet Reinauer. Bereits heute ist es aber eine Herausforderung für einen Verein, ein solches Angebot zu organisieren. Kann er das stemmen – wirtschaftlich, organisatorisch und durch das Ehrenamt? Dem Vorstand sei klar gewesen, dass der Verein kein Auto anschaffen könne. „Wir haben Partner gesucht, die schon ein Auto haben“, sagt Dirnberger.
Erste Anlaufstelle war die Mulfinger St. Josefspflege, deren Geschäftsführer der Ortsvorsteher einmal war. Die machte mit. Dann hat sich Sabine Hirschlein angeboten, Gemeinderätin, erste Stellvertreterin des Bürgermeisters und Inhaberin einer Physiotherapie-Praxis, für die es einen Fuhrpark gibt. Der Name Bürgerbus ist insofern etwas irreführend: Es handelt sich um ein normales Auto. Auch der SV Mulfingen hätte mit seinem Wagen gerne mitgemacht, sagt Reinauer – doch aus Versicherungsgründen könne der nicht für den Bürgerbus genutzt werden. Die Gemeinde unterstütze das Projekt jährlich mit 6000 Euro.
Bürger unterstützen andere Bürger
Derzeit zehn Ehrenamtler werden nun die Mulfinger an drei Tagen in der Woche fahren. „Wir haben von Anfang an gesagt: Wir fokussieren uns auf die Menschen, de es wirklich brauchen“, betont Reinauer. Menschen, die selbst nicht mehr zu ihrem tagsüber stattfindenden Termin fahren können und bei denen die Verwandtschaft keine Zeit habe, zum Beispiel. Senioren und andere Bürger auch mit zeitweiser eingeschränkter Mobilität und Bürger ohne Auto für Bedarfsfahrten, heißt es in dem Konzept. „Es ist explizit keine Mitfahr-App“, sagt ProMu-Vorstand Markus Reinauer deutlich. Fahrten zu gemeinsamen Kaffee-Ausflügen werde es nicht geben. Es soll ein Sozialprojekt sein, in dem Bürger andere Bürger unterstützen.

Stimme.de
Kommentare