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BSK erneuert barrierefreies Gästehaus in Krautheim

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Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter in Krautheim will mit zwölf barrierefreien Zimmern inklusiven Tourismus fördern. Zum Baustart kam es zu weitgereisten Überraschungsgästen.

Kristin Walter und ihr Kollege Marco Volk (oben) lassen das Banner herunter und starten so offiziell mit dem Bau des neuen Gästehauses. Die Gäste aus Südkorea feiern dieses Ereignis gerne mit.
Kristin Walter und ihr Kollege Marco Volk (oben) lassen das Banner herunter und starten so offiziell mit dem Bau des neuen Gästehauses. Die Gäste aus Südkorea feiern dieses Ereignis gerne mit.  Foto: Ludwig, Tamara

Die Hauptaufgabe des BSK bestehe darin, Barrieren abzubauen, erklärt Vorstandsmitglied Ines Vorberg. Und zwar einerseits die in den Köpfen der Menschen. Denn Teilhabe für Menschen mit körperlichen Einschränkungen entsteht zunächst in den Köpfen aller. Andererseits geht es um die ganz praktisch-physischen Barrieren in allen Lebensbereichen – sei es die Bordsteinkante oder die Breite der Wohnungstür. Der BSK (Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter) in Krautheim nimmt sich nun ein weiteres Projekt vor, um mehr Barrierefreiheit zu schaffen: Der Verein erneuert sein Gästehaus. Dafür waren jüngst zahlreiche freiwillige Helferinnen und Helfer sowie das Hausmeisterteam des Eduard-Knoll-Wohnzentrums (EKWZ) im Einsatz, um zunächst beim Ausräumen der Zimmer und beim Abbau der sanitären Einrichtungen zu unterstützen.

BSK in Krautheim will barrierefreien und inklusiven Tourismus fördern

„Das Gästehaus ist wie eine Pension zu verstehen und dient dem inklusiven barrierefreien Tourismus für alle Altersklassen“, erklärt Kristin Walter, Abteilungsleiterin Zentrale Dienste und Teil der Geschäftsstellenleitung des BSK. Es sei eine zentrale Anlaufstelle für Menschen mit Körperbehinderung – sowohl für Reisende als auch für Schulungen und Begegnungen im Vereinskontext. Darüber hinaus werde das Gästehaus künftig über einen modernisierten Veranstaltungsraum verfügen, der verstärkt für inklusive Bildungs- und Begegnungsangebote genutzt werden soll.

Bisheriges Gästehaus des BSK entspricht nicht dem aktuellen Stand

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Das bisherige Haus „genügte den aktuellen DIN-Normen der Barrierefreiheit nicht in Gänze und auch der Brandschutz musste entsprechend den geltenden Richtlinien angepasst werden“, so Walter weiter. „Das umfasst auch eine komplett neue Brandmeldeanlage sowie zwei Fluchttreppen an den Außenseiten des Gebäudes.“ Einen Aufzug über alle Stockwerke gibt es bereits. Die Kosten (ohne Möblierung) belaufen sich auf etwa 600 000 Euro und müssen vom Verein aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen aufgebracht werden. „Wir freuen uns weiter über Spenden, die dazu beitragen, die Barrierefreiheit in Krautheim zu stärken“, sagt Kristin Walter.636

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Neues Gästehaus in Krautheim soll im September fertig sein

Im Gästehaus entstehen zwölf neue Zimmer, davon acht Doppelzimmer und vier Einzelzimmer, alle mit eigenen Bädern. Ziel sei es, größtmögliche Selbstständigkeit, Komfort und Sicherheit für alle Gäste zu ermöglichen – ob allein, in Gruppen oder als Teil von Schulungen und Fortbildungen. „Im weiteren Verlauf ist der nachhaltige Tourismus angestrebt mit Fahrradladestationen und besinnlichem Außenbereich“, ergänzt Walter. „Anträge auf Förderung bei der Stiftung des Hohenlohekreises wurden gestellt, aber uns liegt noch keine Antwort oder eine Entscheidung vor.“ 

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Planmäßig solle der Bau bis September abgeschlossen sein, sagt Walter. Dann stehen nämlich die Jubiläumsfeierlichkeiten zu „70 Jahre BSK“ an. Nun wurde aber erstmal der Baustart gefeiert – mit ungewöhnlichen Gästen: Eine Delegation aus Südkorea war zu Besuch in Krautheim und informierte sich über die Arbeit des BSK.

Die südkoreanischer Delegation besichtigt die Krautheimer Werkstätten.
Die südkoreanischer Delegation besichtigt die Krautheimer Werkstätten.  Foto: Ludwig, Tamara

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„Als die Anfrage kam, waren wir selbst überrascht“, berichtet Kristin Walter. Alltäglich sei so etwas ja nicht. Bei der Delegation handelte es sich um Beamte aus der Provinz Gyeongsangnam-do, die über „das Konsulat an uns verwiesen wurden und um einen Austausch baten“. Und der fand eben just am Tag der Baustellen-Eröffnung statt.

Natürlich interessierten sich die weitgereisten Besucher nicht nur für das Gästehaus, sondern informierten sich – mittels Dolmetscher – ausführlich über die Arbeit des BSK und das Thema Inklusion. Bei einer Führung durch die Werkstätten und das Hohenloher Integrationsunternehmen stellten sie viele Fragen zur Organisation innerhalb des BSK, zur Finanzierung und praktischen Umsetzung wie Arbeitszeiten und Löhnen. Zum Schluss durften die südkoreanischen Gäste dann probieren, was in der inklusiven Küche des Hohenloher Integrationsunternehmens zubereitet wird. Nicht nur Liebe, auch Völkerverständigung geht eben durch den Magen.

 

Der Verein

Der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) ist eine Vereinigung von Menschen mit Körperbehinderung. Der Verband mit Sitz in Krautheim wurde 1955 von Eduard Knoll gegründet, nach dem auch das zugehörige Wohnheim benannt ist. Neben dem Standort im Jagsttal hat der BSK mit seinen rund 25 000 Mitgliedern auch eine Repräsentanz in Berlin. Wer den BSK, der für seine Arbeit auf Spenden angewiesen ist, unterstützen möchte, findet Informationen hierzu auf der Webseite www.bsk-ev.org. 

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