Brot-und-Butter-Geschäfte bei den Krediten läuft wie geschmiert
Von 4,4, auf 9,1 Millionen Euro in zwei Jahren: Noch nie erzielte die Raiffeisenbank Hohenloher Land ein so hohes Betriebsergebnis. Absolut. Bei der relativen Betrachtung ist noch Luft nach oben. Es bleibt dabei: Die Bank ist zwar seit der Fusion 2019 stärker geworden, Ertrag und Eigenkapital sind aber begrenzt.

Absolut betrachtet ist das operative Geschäft der Raiffeisenbank Hohenloher Land noch nie so gut gelaufen wie 2025: mit einem Betriebsergebnis von 9,1 Millionen Euro. Relativ gesehen könnte dieser Wert gut und gerne noch etwas höher liegen, damit in Relation zur Bilanzsumme ebenfalls ein Rekord herausspringen würde. 0,61 Prozent stehen hier unterm Strich. „0,8 bis 0,9 Prozent wären schön“, sagt Vorstandschef Andreas Siebert. Angesichts der jetzt vorgestellten Gesamtbilanz, deren Zahlen in fast allen Bereichen nach oben zeigen, ist der 61-Jährige aber zufrieden.
Eigenkapital wird weiter aufgefüllt
Wie rentabel eine Bank wirtschaftet, bestimmt maßgeblich das Betriebsergebnis vor allen Wertberichtigungen und sonstigen Bewertungen. 4,4 Millionen Euro waren es Ende 2023, zwei Jahre später sind es 9,1 Millionen. „Davon fließen vier Millionen Euro in unser Eigenkapital“, sagt Siebert. Und nennt damit den wunden Punkt der Raiba Hohenloher Land und seiner Vorgängerbanken. Mittlerweile ist dieser Puffer, der für die Absicherung von Risiken im Kreditgeschäft so wichtig ist und darüber entscheidet, in welcher Größenordnung eine Bank am Kreditmarkt aktiv werden kann, auf 139 Millionen Euro gestiegen – auch weil er 2022 um 11,3 Millionen Euro aufgestockt wurde, nachdem 70.000 neue Geschäftsanteile an Mitglieder ausgegeben wurden.
Ertragskraft bleibt unter dem Durchschnitt
Die Ertragskraft der Raiba als größtes Kreditinstitut ihrer Art in Baden-Württemberg bleibt aber weiter unter dem Landes-Durchschnitt. Entsprechend geringer ist der jährliche Obulus aus dem Betriebsergebnis für das Eigenkapital. Trotzdem hat sich seit dem Zusammenschluss der Raibas Bretzfeld-Neuenstein und Kocher-Jagst im Jahr 2019 einiges zum Positiven bewegt. Und: Seitdem die Vertreterversammlung die vom Aufsichtsrat und Vorstand favorisierte Fusion mit der VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall im Jahr 2022 abgelehnt hat, demonstriert die Raiba Hohenloher Land im Rahmen des Machbaren neue Stärke.
„Unser Puffer reicht bis 2030 und weit darüber hinaus“
„Unser Puffer ist absolut stabil und reicht auf jeden Fall bis 2030 und weit darüber hinaus“, sagt Siebert. Das heißt: Die Raiffeisenbank Hohenloher Land bleibt für ihn auf längere Sicht kein Übernahmekandidat, sondern kann sehr gut alleine überleben. „Wir haben von unseren Vertretern den klaren Auftrag erhalten, dass wir nicht mir größeren Städten oder Raumschaften zusammengehen sollen“, meint Siebert. Also tut man mit den möglichen Mitteln das, was man am besten kann: das ländliche Hohenlohe bankenmäßig intensiv zu beackern und bei höheren Kreditanfragen an die größeren Institute im Geno-Verbund zu verweisen. „Unser Verhältnis hat sich normalisiert“, gibt Siebert zu Protokoll. Zur Erinnerung: Nicht nur die VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall hatte Interesse an einer Fusion mit der Raiba, sondern auch die Volksbank Hohenlohe.
Firmenkundengeschäft lief sehr verhalten
Was heißt das in nackten Zahlen ausgedrückt? 1013 neue Kredite in Höhe von 190 Millionen Euro wurden 2025 vergeben. „Das meiste ist klassisches Brot-und-Butter-Geschäft“, so Siebert. Will heißen: „Im Schnitt liegen die Beträge bei 200.000 Euro.“ Das Firmenkundengeschäft lief mit 60 Millionen Euro oder einem Drittel dieser Summe sehr verhalten, zwei Drittel schöpften Privatkunden ab. „Viele Firmen fragten gar nicht aktiv nach neuen Krediten, während wir Privatkunden öfter absagen mussten.“
„Der Wohnungsbau ist fast zum Erliegen gekommen“
Wie 2024 dominierten Renovierungen und Sanierungen in der Wohnbaufinanzierung. „Der Wohnungsbau ist fast zum Erliegen gekommen“, sagt Siebert. Das liegt an den höheren Kreditzinsen und anderen Kostensteigerungen. Dass die Raiba im Kreditgeschäft um 5,8 Prozent zulegen konnte, liegt also nicht am Volumen, sondern daran, dass die irre Zinsrallye der letzten Jahre wieder zugunsten der Banken ausschlägt. Der so erzielte Zinsüberschuss aus Einlagen- und Kreditzinsen sowie kurzfristigen und längerfristigen Zinsbindungen ist dadurch um 16,5 Prozent gestiegen. Die Einnahmen aus dem Provisionsgeschäft legten um 7,1 Prozent zu. Das ist vor allem dem anhaltenden Run auf Wertpapiere zuzuschreiben – laut Siebert sei man hier schon immer „sehr stark“ gewesen ist.
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