Bonnie & Clyde: Träume sterben im Kugelhagel
Die Zuschauer geben begeistert Applaus: Mit dem Musical Bonnie & Clyde verzaubern rund 150 Schüler des Künzelsauer Schlossgymnasiums ihr Publikum.

Es dauert keine Minute, bis die Bühne gefüllt ist: Solisten, Chor und Tänzer drängen auf den Ort des Geschehens. Er besteht aus zwei Ebenen, zwei Treppen, einer Brücke und zwei separaten Schauplätzen, die oben liegen und vorgelagert sind. Das Orchester bezieht derweil Position im Halbdunkel davor.Ein Drittel der gesamten Schülerschaft ist an dieser Inszenierung beteiligt, also rund 150. Und Schulleiter Johannes Smolka ist mächtig stolz, dass in seinem Schlossgymnasium nach zehn Jahren mal wieder ein Musical aufgeführt wird. Und vor allem, dass die drei Abende restlos ausverkauft sind.
Bonnie & Clyde rasant inszeniert
Die Story von Bonnie & Clyde: In den amerikanischen Südstaaten der frühen 1930er Jahre herrscht Chaos durch Missernten, Wirtschaftskrise und kollabierende Banken. Armselige Behausungen und Hungerlöhne sind normal. Kellnerin Bonnie Parker träumt von einem besseren Leben als Filmstar. Sie trifft Clyde Barrow, einen Kleinkriminellen, in den sie sich sofort verliebt. Um ihm die Flucht aus dem Gefängnis zu ermöglichen, stiehlt sie einen Revolver und hilft ihm durch Schmiere stehen bei seinen Raubzügen. Die Wende kommt, als Clyde einen Mann erschießt und das Gangsterpaar vor der Polizei fliehen und sich verstecken muss. Eine Gewalttat löst die nächste ab, was das Paar noch fester zusammenschweißt. Bis es der Polizei gelingt, einen ihrer Komplizen zum Verrat zu bewegen. Bonnie und Clyde gehen in die Falle und sterben im Kugelhagel der Maschinengewehre.Inszenierung Mit rasantem Tempo, Spielwitz und viel Action vergehen die zweieinhalb Stunden Spielzeit wie im Flug.
Bonnie & Clyde mit Chor und Tanz
Fabian Zott und Svea Schlegel, beide Lehrer am Semi und für die Regie zuständig, haben die Handlung in ein umwerfendes Geflecht aus Sprechszenen, Solo- und Chorgesang sowie Tanzeinlagen verdichtet. Und all dies vor einem Bühnenbild, das schon für sich eine Geschichte erzählt: Für die vielen Szenen- und Schauplatzwechsel haben die beiden Kunstlehrerinnen Iris Bauer und Daniela Vogel digital aufbereitete Grafiken im Stile des Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein zusammengefügt, die an die Bühnenrückwand und jeweils rechts und links davon projiziert mal einen Blick in Gesichter, Häuserschluchten, Gefängniszellen, Tankstellen oder auch Waffenarsenale offenlegen. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Und all das bereichert durch Beleuchtungs- und Geräuscheffekte, wie etwa Stroboskoplicht oder ohrenbetäubende Maschinengewehrsalven. „Spirit of Semi“ nennen die Musical-Macher den Geist, der sie bei den Proben monatelang begleitet hat, und meinen damit: „Tolle Schüler und Kollegen, die mit Begeisterung etwas Gemeinsames schaffen.“
Wer spielt Bonnie? Wer Clyde?
Hannes Lapp als Clyde Barrow und Amelie Mack als Bonnie Parker sorgen vom ersten Moment an mit ihrer beeindruckenden Bühnenpräsenz und ihrem Gesang für Gänsehaut, wenn sie zwischen Träumen, Ängsten und Skrupellosigkeit hin und her schwanken. Amelie als Bonnie eher die unschuldige Schwärmerin, die aber auch Entschlossenheit zeigen kann. Hannes Lapp als Clyde in der Rolle des Antihelden, auch mal verzweifelt und tiefgründig. Silas Maxim Lechler als Clydes Bruder Buck und Meret Vieth als dessen Frau Blanche überzeugen mit Vielseitigkeit in Spiel und Gesang. Auch die Nebenrollen sind stark besetzt: Paul Hrubesch als Ted Hinton, verknallt in Bonnie und gleichzeitig in der Rolle als Cop gefangen, Felix Engel als Sheriff Schmid und Häftling sowie Myrtha Giebler in der Doppelrolle als Erzählerin und Mutter Emma Parker glänzen genauso wie Leo Dörfler als Raymond Hamilton mit seiner umwerfenden Mimik und Maximo Chavez, der pickelige Verräter Henry Methin.All das wäre nur halb so schön ohne das hervorragende Orchester, bestehend aus Schülern und Instrumentallehrern. Unter der Leitung von Marco Lechler spielen sie eine mitreißende Mischung aus Swing, Blues, Rockabilly, Country und Gospel, die die Musik der Dreißigerjahre perfekt widerspiegelt. Mailin Berger, Katharina Zingraff und Johann Heinrich aus den Reihen der Streicher sind sich sofort einig: Sie sind stolz, hier mitspielen zu können.
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