Wie kann Bildung besser werden? Pro Region tagt in Künzelsau
Bei einer Tagung in der Freien Schule Anne Sophie in Künzelsau geht es darum, was Kinder brauchen und wie es ihnen gegeben werden kann. Kinderpsychologe Thomas Fuchs hält Vortrag.

Theresa Schopper, Kultusministerin Baden-Württembergs, hat die Freie Schule Anne Sophie (FSAS) in Künzelsau besucht und sei erstaunt gewesen über Einrichtungen und Möglichkeiten, erzählt Yvonne Tscherwitschke, stellvertretende HZ-Redaktionsleiterin und Moderatorin der von der Bürgerinitiative Pro Region Heilbronn-Franken veranstalteten Tagung „Was unsere Gesellschaft zusammenhält – Bildungsstiftungen der Region im Austausch“. Staatliche Schulen sollten mehr von dem haben, was die von der Stiftung Würth finanzierte Privatschule hat, habe Schopper damals gesagt. „Ja, warum machen Sie es dann nicht?“, lautet eine rhetorische Frage bei der Begrüßung durch Angelika Schmidt, Bereichsleiterin Schulen bei der Stiftung Würth und damit Leiterin der FSAS. In deren Aula sitzen neben Vertretern der Stiftung Würth welche der Heilbronner Dieter-Schwarz-Stiftung und weiterer Bildungsstiftungen, die sich hier vernetzen.
Kinder müssen Verantwortung übernehmen können
Ziel ist, dass mehr Kinder eine bessere Bildung erhalten. 800 bis 1000 Euro gibt die Stiftung Würth pro Schüler, berichtet der Sekundarstufen-Schulleiter David Küpper. Ohne dieses Geld „wären wir nicht das, was wir sind“, sagt Schmidt. Allerdings sei Geld kein Allheilmittel: „Wir machen nicht alles besser, aber was wir machen, machen wir von Herzen.“ Kinder würden bestärkt, „dass sie nach und nach Verantwortung übernehmen“. Die als Lernbegleiter bezeichneten Lehrer können aus dem Vollen schöpfen. Sie unterrichten in schön eingerichteten Räumen, die von der Einzel-Betreuung bis zum Frontalunterricht auf unterschiedliche Unterrichtsmethodiken ausgerichtet sind. Und sie gehen mit den Schülern gemeinsam zum Essen, wo „das beste Coaching“ möglich ist, wie Schmidt formuliert.

Friedlinde Gurr-Hirsch, Vorsitzende von Pro Region, war selbst Lehrerin. Auf die Frage der Moderatorin, welches Schulfach sie vermisse, antwortet sie ohne Zögern: „Alltagskompetenz“. In der Bürgerinitiative habe man erkannt: Immer weniger junge Leute könnten ihr Leben planen, so Gurr-Hirsch. Grundlegende Fähigkeiten seien nicht mehr vorhanden, „wie einen Nagel in die Wand hauen, einen Knopf annähen aber auch einen Vertrag zu verstehen oder Konflikte richtig zu lösen“. Das müsse geändert werden, „damit nicht einfach das Beil fallen gelassen wird“. Als Beispiel nennt sie, dass ein Streit nicht direkt dafür sorgen dürfe, „dass sich Ehepartner scheiden lassen“.
Kinderpsychologe Thomas Fuchs gibt Einblick in Praxis
Der Kinderpsychologe Dr. Thomas Fuchs gibt in einem Impulsvortrag einen Einblick in die Welt, die er bei Kindern in der Praxis mitbekommt. Er kritisiert: „Manchmal vergisst man als Erwachsener, dass Kinder die Bürger von morgen sind. Sie müssen die Probleme lösen, die wir ihnen vor die Füße werfen.“ Erwachsene bezeichneten heutige Jugendliche als „Schneeflockengeneration“: Es werde ihnen vorgeworfen, dass sie nichts mehr aushalten. „Es ist nicht nur so, dass wir die Jugendlichen vernachlässigen. Wir geben ihnen auch noch die Schuld daran“, reklamiert Fuchs. Aus einer spielbasierten Welt für Kinder sei eine smartphonebasierte geworden. Und mit den Geräten würden Kinder alleine gelassen. Eine Studie zeige: „Die Kinder sind traurig und leer.“ Sie seien „überbeschützt in der realen Welt“, durch Helikoptereltern, die Kindern keine eigene Verantwortung mehr überlassen, „aber unterbeschützt in der digitalen“: Wenn Eltern ihren Blick im Internet auf dem Handy versenken, ahmten das Kinder nach.

Anschreien bringt nichts – Kinder brauchen Aufmerksamkeit
Kinder brauchen Regeln, fordert Fuchs, deren Bruch zwar Konsequenzen haben soll – aber nicht in Form von Bestrafung. Wenn ein Kind keine Lust hat, sein Zimmer aufzuräumen, bringe es nichts, dieses anzuschreien – „dann sage ich: Räumen wir halt zusammen auf, ohne Lust“. Sowieso sei es so: „Das Schwierigste an der Erziehung ist, dass die Eltern selbst sich an die Regeln halten.“ Fuchs warnt: Die Gesellschaft habe eine Generation schon an das Smartphone verloren, mit KI drohe Schlimmeres.
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