Stimme+
Urlaubsgefühle in der Heimat
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Hohenlohes Biergärten im Check: Das zeichnet die Freiluftlokale aus

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Biergärten in Hohenlohe bieten mehr als nur Sitzplätze im Freien– sie sind Rückzugsorte mit Tradition und Atmosphäre. Ob in Künzelsau, Öhringen oder Forchtenberg: Jeder Standort setzt eigene Akzente.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Biergarten – für viele Menschen ist das vor allem ein Gefühl. Weniger etwas, das durch konkrete Merkmale gekennzeichnet ist. Sogar deutsche Verordnungsschreiber scheinen keine Vorstellung von Alleinstellungsmerkmalen von Biergärten zu haben – nicht einmal im Freistaat Bayern. Die dort geltende Biergartenverordnung regelt die Öffnungszeiten für vage beschriebene Einrichtungen: Biergärten müssen zum Beispiel „Gartencharakter“ – oft mit Kastanien – und eine „traditionelle Betriebsform“ haben, wie eine Öffnung nur während „Schönwetterperioden“, eine eigene Getränkeausgabe oder dass an den Tischen mitgebrachte Speisen gegessen werden dürfen.

Auch in Bayern erfüllen nur wenige Biergärten diese Anforderungen, wie eine bereits etwas ältere kleine Anfrage im dortigen Landtag zeigt: Etwa 150 Biergärten gab es 2014 demnach im ganzen Freistaat, die Hälfte davon in Oberbayern.

Biergärten sind im 19. Jahrhundert in München entstanden, schreibt der Brauerei-Verband „Die freien Brauer“. Bier musste im Sommer kühl gelagert werden. Deswegen gruben die Brauer Keller an der Isar. Auf den Boden streuten sie Kies und pflanzten Kastanien für den Schatten. Bald bewirteten sie dort. Andere Wirtschaften beschwerten sich aber. König Maximilian I. verbot die Ausgabe von Speisen und anderer Getränke. Gäste durften diese mitbringen. Die Biergartenverordnung wurde 1999 zum Lärmschutz verabschiedet: Dann galt die Sperrstunde 23 Uhr. Biergarten haben demnach eine „traditionelle Betriebsform“ sowie einen „Gartencharakter“. Den sieht der Verwaltungsgerichtshof als nicht gegeben, wenn ringsum Häuser oder Straßen sind.

Biergarten in Hohenlohe: Nicht bloß Außenbereich einer Gastwirtschaft

Mutmaßlich liegt das daran, dass nur noch selten Betreiber den Gästen gestatten, Mitgebrachtes zu verzehren. Ein Urteil des Münchner Verwaltungsgerichtshofs vor zwei Jahren beschreibt die „traditionelle Betriebsform“ etwas offener: Entscheidend sei eine „gewisse organisatorische Eigenständigkeit“ und dass der Biergarten „nicht als bloßer Annex zur vorhandenen Schank- und Speisewirtschaft in Erscheinung tritt“. Eine separate Bierzapfanlage und eine mögliche Selbstbedienung seien demnach Merkmale dafür.

Jedenfalls müssen Biergärten mit bayrischer Volkstümelei nicht zusammenhängen. Im Hohenlohekreis entsprechen einige der gerichtlichen Auffassung, wie der Ochsengarten in Forchtenberg, der Biergarten am Strandbad in Öhringen oder der Biergarten am Kocher in Künzelsau – auch wenn sie keine mitgebrachten Speisen zulassen.

Franziska Czolkos, Alexandra Hammer und Martin Joos (von links) gehen gemeinsam nach getaner Arbeit von der Stadtverwaltung in den Biergarten am Kocher in Künzelsau.
Franziska Czolkos, Alexandra Hammer und Martin Joos (von links) gehen gemeinsam nach getaner Arbeit von der Stadtverwaltung in den Biergarten am Kocher in Künzelsau.  Foto: Götz Greiner

Biergarten am Kocher in Künzelsau: Auch bei kalten Temperaturen geöffnet

Den letztgenannten betreiben seit vergangenem Jahr Hermann Breuninger und Ivan Marevic. „Im letzten Jahr hat alles sehr gut funktioniert. Deswegen haben wir nur wenig verändert“, erklärt Breuninger. Einige neue Geräte haben sie angeschafft, inzwischen sei auch die Bezahlung mit Karte möglich.

Während sich die Öffnung beim Öhringer Biergarten am Strandbad an der Temperatur orientiert, wie Betreiber Ralf Lumpp mitteilt, öffnet der Künzelsauer auch bei weniger heiterem Wetter, sagt Breuninger. „Das Geschäft ist jedoch sehr temperaturabhängig“, weiß der Wirt. Deswegen sei es den Betreibern wichtig, dass das Personal nicht von dem Job im Biergarten abhängig sein darf: „Wir haben viele Studenten und Minijobber, inzwischen auch Teilzeitkräfte.“

Gastronom aus Öhringen: Biergarten wollen Urlaubsgefühl vermitteln

„Es gibt große Swings“, erklärt Breuninger: Wenn viel los ist auf den etwa 450 Plätzen im Biergarten am Kocher, wird die zusätzliche Zapfstation geöffnet. Auch von den gebotenen Veranstaltungen hängt es ab: Bei der Fußball-EM im vergangenen Jahr war der Biergarten gut besucht. Die Betreiber veranstalten auch Konzerte.

Das Gefühl, das die Betreiber vermitteln wollen, ist jedenfalls Entspannung. Der Öhringer Wirt Ralf Lumpp beschreibt es so: „Ein Biergarten ist eine Wohlfühloase, wo man sich zurückziehen kann“. Breuninger und Marevic wollen einen „unkomplizierten Kurzurlaub nach dem Geschäft“ bieten.

Seit 20 Jahren bewirtet Ralf Lumpp den Biergarten am Strandbad H2Ö in Öhringen. Bei kühlem Wetter öffnet er in der Regel nicht.
Seit 20 Jahren bewirtet Ralf Lumpp den Biergarten am Strandbad H2Ö in Öhringen. Bei kühlem Wetter öffnet er in der Regel nicht.  Foto: Götz Greiner

Am Schleierhofer See in Forchtenberg eröffnet Biergarten, der nicht so genannt wird

Dieses Gefühl gibt es auch am Schleierhofer See in Forchtenberg. Seit Ostern sind neue Betreiber auf dem Kiosk. Der wird zwar weder von den Betreibern noch von der Stadt Forchtenberg, die ihn verpachtet. als Biergarten beworben. Der Gartencharakter ist dem Platz am Schleierhofer See aber nicht abzusprechen. Eine eigene Schankanlage und Essensausgabe hat der Ort auch. Das Angebot ist typisch Biergarten: „Softdrinks, Bier, Wein und wir bieten auch ein paar Cocktails an“, heißt es. Dazu Würste, Steak und Gemüseschnitzel, außerdem Kuchen, Eis und Kaffee, so Betreiber Tomislav Majcen. „Die Karte kann sich aber noch ändern.“

Mit seiner Frau betreibt Majcen den Kiosk nebenher. Er war bis zur Corona-Pandemie Koch in der „Post“ in Kloster Schöntal. Die Haupteinnahmequelle ist nun eine andere. Deswegen öffnet der Kiosk nur an Wochenenden – und über Brückentage, ab Christi Himmelfahrt am kommenden Donnerstag, zum Beispiel. „Auch bei schlechtem Wetter während der Schönwetterperiode“, sagt Majcen.

Gastro Abonnieren Gastro Abonnieren Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben